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CSU-Abgeordneter unter Verdacht:Bilderbuch-Karriere einer Sauter-Tochter

Zukünftiges Bauministerium in München, 2018

Das Bauministerium in München. Dort übernahm die Sauter-Tochter zusammen mit einer Kollegin die Referatsleitung als persönliche Referentin der Ministerin.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der schnelle Aufstieg einer jungen Frau in zwei Ministerien verwundert Beobachter - trotz sehr guter Arbeit sei das ungewöhnlich. Wer ihre Verwandtschaftsverhältnisse kennt, wittert Merkwürdigkeiten. Nun ist sie aus dem Organigramm verschwunden.

Von Lisa Schnell

Anfang März fing im Bauministerium eine neue Mitarbeiterin an, die ganz weit oben einstieg. Sie übernahm zusammen mit einer Kollegin die Referatsleitung als persönliche Referentin der Ministerin. So steht es im Organigramm des Ministeriums, das der SZ vorliegt, datiert auf den 8. März. Ein paar Wochen später ist die Frau nicht zu erreichen, obwohl sie erst im März anfing, soll sie Ende März schon wieder in Elternzeit sein. Ihr Name findet sich nicht mehr im Organigramm, das Datum aber ist unverändert. Es ist so, als wäre sie gar nicht da gewesen, wie aus den Annalen des Ministeriums getilgt. Informierte Quellen sprechen von einer "Löschaktion". "Der Name sollte sang- und klanglos verschwinden", heißt es. Der Geburtsname der neuen Referatsleitung nämlich ist derzeit in aller Munde, sie ist eine Tochter von Alfred Sauter.

Die Berichterstattung über ihn fällt in den gleichen Zeitraum wie das Verschwinden seiner Tochter aus dem Organigramm. Fast jeden Tag ist über die Ermittlungen gegen den CSU-Abgeordneten im Zuge der Korruptionsaffäre um Masken-Deals zu lesen - und über seinen großen Einfluss, den er in der CSU genoss. Wer Sauters Gunst hatte, konnte sich glücklich schätzen. Vor diesem Hintergrund sehen nicht wenige in der bayerischen Verwaltung den kometenhaften Aufstieg seiner Tochter im Bauministerium, der als sehr ungewöhnlich gilt. Die Kritik gilt hierbei nicht der Tochter, die "sehr viel gearbeitet" habe, wie aus Ministerien zu vernehmen ist, sondern der Personalpolitik von Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU).

Seit sie 2020 übernahm, ist der Leitungsstab im Bauministerium von fünf auf 13 Referate angewachsen. Das Ministerium erklärt dies durch eine Spezialisierung. Andere in Ministerialkreisen sprechen von "künstlich geschaffenen Referaten, um Leuten zu einem bestimmten Status zu verhelfen und für die Zukunft abzusichern". Zwar ist es üblich, dass Minister und Ministerinnen sich mit Vertrauten umgeben, Schreyer allerdings soll diese Praxis besonders stark betreiben. Ihre neue Referatsleiterin, jene Sauter-Tochter, scheint besonders herauszustechen. "Es stinkt wirklich, die ganze Sache", sagt jemand aus Ministerialkreisen. Michael Zimpel, Anwalt für Beamtenrecht, dem der Fall geschildert wurde, sagt: "Das hat ein Gschmäckle."

Die Karriere von Sauters Tochter beginnt im Sozialministerium. Von April 2016 bis Mai 2018 ist sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit angestellt. So steht es in ihrem Lebenslauf auf Xing. Im Juni 2018, kurz nachdem Schreyer Sozialministerin wurde, wird sie verbeamtet, und zwar so schnell es möglich ist und nach SZ-Informationen in den höheren Dienst. Ihr Studium von Soziologie und Journalismus ist für eine Beamtenlaufbahn eher untypisch. "Das Leistungslaufbahngesetz sieht Quereinsteiger durchaus vor, sie sind aber eher die Ausnahme", sagt Anwalt Zimpel. Die Hürden seien hoch. Gleiches gilt für den Aufwand, der für eine Verbeamtung betrieben werden musste. Sauters Tochter machte ihren Master in Australien, der Abschluss musste erst anerkannt werden. Rechtlich gibt es wohl nichts zu beanstanden, eine Person aus Ministerialkreisen sagt: "Selbst wenn sie begründbar ist, käme eine solche Beamtung bei der großen Mehrheit nicht zustande."

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Die Kritik gilt nicht der Tochter, die "sehr viel gearbeitet" habe, wie aus Ministerien zu vernehmen ist, sondern der Personalpolitik von Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU).

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Für das größte Erstaunen sorgt der letzte Karriereschritt. Nach knapp drei Jahren als persönliche Referentin der Ministerin im Sozialministerium wird sie Referatsleiterin im Bauministerium. Da ist die Frau Anfang dreißig gerade Regierungsrätin und hat mit A 13 die niedrigste Besoldungsstufe im höheren Dienst.

Eine Referatsleiterstelle bekomme man üblicherweise nur, wenn man in A 15 oder A 16 stehe, sagt Anwalt Zimpel: "Alleine, um von A 13 auf A 15 zu kommen, dauert es nach den üblichen Vorgaben etwa im Ministerium für Wissenschaft und Kunst fünfeinhalb Jahre. Dann muss aber stets eine Beurteilung mit dem Spitzenprädikat von 16 Punkten vorliegen. Das ist schon fast gottgleich, nicht viele schaffen das." Die Tochter von Alfred Sauter schaffte es, innerhalb von knapp drei Jahren eine Position zu erreichen, für die mindestens fünfeinhalb Jahre vorgegeben sind.

Wie es zu der Ausnahme-Karriere kam, beantworten Bau- und Sozialministerium mit dem Verweis auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und den Personaldatenschutz nicht. Auch Fragen an die Familie Sauter bleiben unbeantwortet. Etwa jene, ob sie ihre Funktion als Gesellschafterin des Unternehmens, über das ihr Vater 1,2 Millionen Euro als Provision und Anwaltshonorar bekommen haben soll, als Nebentätigkeit angegeben hat.

Allgemein teilt das Ministerium mit, dass private Vermögensverwaltung "grundsätzlich genehmigungsfrei" sei und Elternzeiten durch die Beschäftigten beantragt würden. Es sei zudem "allgemein üblich, sie während der Elternzeit aus den intern und extern veröffentlichen Listen zu entfernen". Generell werde bei Inkrafttreten einer Änderung das entsprechende Datum vermerkt. Bei Sauters Tochter war dies nicht der Fall. Sie ist wohl eine Ausnahme.

© SZ vom 10.04.2021/syn
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