Popkulturfestival:Von einem Ende spricht keiner mehr

Popkulturfestival: 33000 Besucherinnen und Besuchern haben 2023 die Bands auf dem Modular-Festival in Augsburg gefeiert. Auch im kommenden Jahr findet das Open Air statt - obwohl zeitweise bereits von einem Ende gesprochen wurde.

33000 Besucherinnen und Besuchern haben 2023 die Bands auf dem Modular-Festival in Augsburg gefeiert. Auch im kommenden Jahr findet das Open Air statt - obwohl zeitweise bereits von einem Ende gesprochen wurde.

(Foto: Max Tank)

Erleichterung in Augsburg: Das Modular-Festival findet auch im kommenden Jahr statt - allerdings etwas kleiner.

Von Michael Bremmer

Die Nachrichten stimmten alles andere als zuversichtlich. Die Rede war davon, die Reißleine ziehen zu müssen, das zu retten, was noch zu retten ist, gar vom Ende des viel gelobten und mit Auszeichnungen versehenen Modular-Festivals wurde in Augsburg gesprochen. Und wer nach der Tage anhaltenden Diskussion über das größte gemeinnützige Jugend- und Popkulturfestival in Bayerisch-Schwaben auf der Internetseite des Veranstalters, also dem Augsburger Stadtjugendring, nach Gewissheit suchte, fand dort eine Stellenausschreibung für die Nachfolge des erfolgreichen Festivalleiters Patrick Jung.

Es sah düster aus. Aber mittlerweile steht fest: Auch 2024 findet das Modular-Festival wieder statt, vom 17. bis 19. Mai 2024 auf dem Gaswerkgelände in Augsburg, weiterhin veranstaltet vom Stadtjugendring. Einziges Manko: Nach dem Rekordfestival vom vergangenen Jahr mit 33000 Besucherinnen und Besuchern an drei Tagen soll das Open Air im kommenden Jahr etwas kleiner werden - mit 9000 statt 11000 Besuchern am Tag. Am 1. Dezember beginnt der Vorverkauf, dem Vernehmen nach soll das Booking der Bands schon fortgeschritten sein.

Alles gut also. Aber wie kam es zu all den Diskussionen? Beim Stadtjugendring Augsburg steht im kommenden Jahr ein Wandel an. Nach 20 Jahren kommt es zu einem Geschäftsführerwechsel, zudem wird der Vorstand neu gewählt. Es gehe nun darum, für diese Übergangsphase alle Kapazitäten zu bündeln, um dadurch Räume zu schaffen, "den Stadtjugendring zukunftsfähig aufzustellen", hieß es in einer Pressemitteilung. Dazu gehöre aber auch, dass das Modular-Festival einen Schritt kürzertreten müsse. Zu den genauen Vorstellungen gab es einen Vorstandsbeschluss, vorgestellt werden sollte er diese Woche bei der Kulturausschusssitzung der Stadt Augsburg.

Im Gespräch waren zunächst weniger als 9000 Besucher am Tag, was wiederum zu heftigen Diskussionen führte. Jürgen Enninger, Leiter des Augsburger Kulturreferats, zeigte sich irritiert, da erst im vergangenen Jahr ein Drei-Jahres-Vertrag mit dem Stadtjugendring für das Modular-Festival geschlossen wurde - inklusive einer Zuschusserhöhung auf 170000 Euro. Die Augsburger Club-&-Kultur-Kommission verschickte einen offenen Brief, in dem sie "die getroffenen Entscheidungen fachlich wie inhaltlich" als falsch bezeichneten: "Nach allem, was wir wissen, wird der planwirtschaftliche Ansatz des Festivals 2024 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das Ende des Modular bedeuten."

Die Reaktionen der Stadtgesellschaft haben wiederum dazu geführt, dass der Stadtjugendring noch vor der Ausschusssitzung nachsteuerte - allein schon, um nicht vertragsbrüchig zu werden, immerhin ist in der Vereinbarung festgehalten, dass pro Tag mindestens 8900 Besucher kommen müssen.

"Wir haben festgestellt, dass wir in den vergangenen Wochen zu wenig und teilweise zu spät kommuniziert haben. Das werden wir ändern und verstärkt in den Dialog treten", erklärte Marlene Mechold, stellvertretende Vorsitzende des Stadtjugendrings. Ende der Woche gab es nun ein erstes Treffen zwischen Vertretern der Stadt und den Festivalmachern. Man habe noch einmal betont, wie groß die Bedeutung des Festivals für die Stadt Augsburg sei, sagte Kulturreferent Enninger nach dem Gespräch.

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