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Kommunalwahl 2020:Kurt Gribl kandidiert nicht mehr als Augsburger OB

CSU Augsburg zur Kommunalwahl 2020

Nach zwei Amtsperioden will Kurt Gribl nicht mehr als Oberbürgermeister für Augsburg kandidieren. Als seine Nachfolgerin schlägt er Eva Weber vor.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)
  • CSU-Politiker Kurt Gribl will bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr für das Amt des Augsburger Oberbürgermeisters kandidieren.
  • Er nennt unter anderem persönliche Gründe.
  • Als Nachfolgerin ist Eva Weber im Gespräch. Sie ist bisher Finanzreferentin und Zweite Bürgermeisterin der Stadt.

Warum? Das ist die größte aller Fragen, als Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) am Mittwoch vor die Presse tritt. Die Konferenz ist kurzfristig anberaumt, und Gribl bestätigt, was seit einigen Stunden als Gerücht durch Stadt und Internet geistert: Er hört auf. 2020 ist Schluss. Gribl wird bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr nicht erneut kandidieren, trotz guter Siegchancen. Er wolle ein Politiker sein, der gehen könne, sagt der 54-Jährige. Er sei fest überzeugt, dass "wir jetzt in eine schwierige Phase der Entscheidungen kommen würden, sollte ich noch eine Periode im Amt bleiben".

Die Nachricht kommt einem neuerlichen Paukenschlag gleich. Der Oberbürgermeister einer bayerischen Großstadt, der völlig überraschend ankündigt, sein Amt nicht mehr ausüben zu wollen - war da nicht was? Richtig: Erst am Montag hatte Nürnbergs Rathauschef Ulrich Maly (SPD) Gleiches erklärt. Wie sein fränkischer Kollege ist Gribl ein Mann von politischem Einfluss. Ein Aufsteiger, den 2008 niemand auf der Rechnung hatte, als er entgegen aller Prognosen die Wahl zum OB gewann. Die CSU hatte den damals noch Parteilosen zunächst vor allem deswegen nominiert, weil keiner der etablierten CSU-Politiker den Amtsinhaber Paul Wengert (SPD) herausfordern wollte. Vom Außenseiter avancierte Gribl nicht nur zum OB, sondern auch zum Parteivize der CSU und amtiert seit 2017 als Städtetagspräsident.

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Für Gribl, so viel ist am Mittwoch zu erfahren, spielen vor allem persönliche Überzeugungen eine Rolle. In einer mehrseitigen Erklärung führt er die wichtigsten an. "Erstens: persönliches Politikverständnis." In seiner ersten Rede im September 2006 habe er gesagt, dass Politik durchlässiger und offener sein müsse. Dazu gehöre auch, politische Verantwortung selbstbestimmt wieder aus der Hand zu geben, um bei "geänderten Aufgaben anderen Kompetenzen Raum zu geben". Genau diese Lage habe sich nun - zweitens - aus seiner Sicht eingestellt. Es sei Zeit weiterzudenken. "Für diese Aufgabe empfehle ich nicht mehr mich selbst." Um neue Dynamiken für Augsburg zu erzeugen, müsse es - drittens - politischen Wettbewerb geben. "Aber um der Sache willen und nicht allein aus Machtgründen." Eine "letzte Amtszeit mit Ansage" werde es daher für ihn nicht geben. Vielmehr wolle er - viertens - das Vertrauen seiner Partei rechtfertigen und ihr bei der Erneuerung helfen.

Dass gleich zwei prominente Oberbürgermeister fast gleichzeitig die gleiche Entscheidung über das Ende ihrer politischen Karriere treffen, wirkt im ersten Moment abgesprochen, scheint jedoch einem Zufall geschuldet zu sein. Die Entscheidung Gribls, heißt es aus der Augsburger CSU, habe nichts mit der Entscheidung Malys zu tun. Demnach informierte Gribl den Parteivorsitzenden Markus Söder bereits am Montag. Entsprechend gefasst kommentierte Söder am Mittwoch die Botschaft aus Schwaben. Gribl habe Augsburg "hervorragend vorangebracht", sein Entschluss verdiene Respekt.

Am Dienstagabend informierte der OB die Augsburger Parteispitze über seinen Plan. Die Überraschung soll verständlicherweise groß gewesen sein. Das Verständnis allerdings auch. Neben den vier Argumenten leuchtete ein fünftes den Anwesenden besonders ein. Gribl sagte, er wolle sich privat noch einmal verändern. Was das genau bedeutet, ist nicht ganz klar. In seiner offiziellen Erklärung schreibt Gribl, wenn er seine Amtszeit beende, werde er knapp 56 Jahre alt sein. "Sechs Jahre später - dann mit 62 Jahren - wäre das Risiko groß, nicht mehr loslassen zu wollen, um neue Wege zu gehen." Was nach dem Mai 2020 komme, wisse er nicht. Weder befinde er sich auf der Suche noch wolle er sich jetzt schon festlegen.

Eine mögliche Nachfolgerin ist bereits im Gespräch

Kurt Gribl scheint einen internen Machtkampf um seine Nachfolge vermeiden zu wollen. Er und die CSU-Verantwortlichen schlagen gleich seine Nachfolgerin vor: Eva Weber, bisher Finanzreferentin und Zweite Bürgermeisterin der Stadt. Mit 41 Jahren symbolisiert sie Gribls wie Söders Vorstellungen, die CSU jünger und weiblicher zu machen. Nach der Münchnerin Kristina Frank wird die Partei damit in einer weiteren Großstadt eine junge Frau in die OB-Wahlen schicken. Das ist Risiko und Chance zugleich.

Gribl wäre 2020 wohl mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zum Oberbürgermeister gewählt worden, er gilt als kompetent und beliebt, 2014 wurde er auf Anhieb bestätigt. Bei Weber ist alles offen. Sollte sie erfolgreich sein, könne sie jedoch einen Impuls für die Entwicklung der Stadtgesellschaft geben, sagen Parteifreunde, die bei Gribl gewisse Motivationsprobleme entdeckt haben wollen. Der Oberbürgermeister habe für Augsburg alles erreicht, seine Aufgabe sei erfüllt. Dass Gribl über den Parteitag im Oktober hinaus stellvertretender CSU-Chef bleiben kann, wird intern bezweifelt - selbst wenn er das wollte.

Am Montag will die Augsburger CSU die Personalie Weber in einer Sitzung diskutieren, sie muss auch auf einer Delegiertenversammlung bestätigt werden. Konkurrenten sind bislang nicht in Sicht und angesichts der Unterstützung aus München auch unwahrscheinlich: "Eva Weber ist eine moderne und kompetente Kandidatin", sagte Söder. Sie werde die volle Rückendeckung der gesamten Partei bekommen.