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Spekulation um Abschied:Nürnbergs Oberbürgermeister hört auf - einfach so?

Ulrich Maly hört auf

30 Jahre Rathauspolitik: Das reicht, sagt Ulrich Maly.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der Rückzug Ulrich Malys aus der Politik stößt auf Bedauern. Aber auch auf Ungläubigkeit, was wohl wirklich dahinterstecken möge.

Und natürlich kommen am Tag nach dem angekündigten Abschied die Fragen nach den eigentlichen Hintergründen. Ganz in dem Sinn: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly hat also erklärt, nach 30 Jahren Rathauspolitik nicht weitermachen zu wollen. Schön und gut, das sollen politische Naivlinge ruhig glauben. Dahinter aber müsse doch etwas anderes stecken. Ein richtiger  Grund.

Wer Maly über eine längere Zeit politisch beobachten sollte, der sah sich immer wieder vor solche Erklärungsaufgaben gestellt. Nürnbergs OB sagt, er liebäugelte nie mit dem Gedanken, unter Gerhard Schröder ins Kabinett einzuziehen? Dann wird ihn der damalige Kanzler nicht gefragt haben. Maly sagt, er wolle angeblich auch nicht Chef der Bayern-SPD werden? Also bitte, das können nur Naive glauben. Er tritt definitiv nicht als Spitzenkandidat bei Landtagswahlen an, egal wie arg er hofiert wird von den Genossen? Abwarten, das kommt schon noch! Nur kam es dann immer so, wie Maly es gesagt hatte. Er blieb Rathauschef in Nürnberg, einfach Rathauschef.

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Und es erfüllte sich das, was er oft angedeutet hat, wenn mal wieder keiner glauben mochte, dass er keine Ambitionen nach "Höherem" hege: Wer in der Politik nicht deutlich den Finger hebt - der wird auch nicht aus seinem Büro gezerrt und zwangsverpflichtet. Weil sich immer einer findet, der es wirklich machen will. Wolfgang Tiefensee etwa, Leipzigs SPD-Oberbürgermeister, wechselte nach Berlin und wurde Minister. Maly freute sich, dass er das nicht machen muss, blieb in Nürnberg - und wurde zum Städtetagspräsidenten gewählt. Ein Job als kommunaler Spitzenpolitiker, den er wirklich haben wollte.

Es gibt also womöglich keinen tieferen Grund, warum Maly als dann 59-Jähriger mit der Berufspolitik aufhören will? Nach allem, was man weiß: nein. Maly gilt als Bonvivant. Als einer, der gelitten hat darunter, oft nur von Ausstellungen zu lesen, diese aber nicht in den persönlichen Monatsarbeitsplan integriert zu bekommen. Wenn Maly nach Italien aufbricht, und er bricht oft nach Italien auf (und dann noch, horribile dictu, in die Toskana), dann ist er fast nicht mehr zu erreichen. Ein Mobiltelefon hat er zwar, das aber verstaut er meist sicher bei seinem Fahrer. Auch auf den Gedanken, sich im Internet Freunde zu suchen, ist Maly selbst nie gekommen. Irgendwann am Tag will Maly einfach seine Ruhe. Seine Frau übrigens auch.

So einer kann schon mal andere Berufspolitiker irritieren. So einer sammelt aber Sympathiepunkte bei, wie man so sagt, ganz normalen Menschen. 67,1 Prozent der Stimmen eroberte Maly bei der Wahl 2014. Als Sozialdemokrat in Bayern.

Weil das so ist, sind nun viele Elogen zu hören, und nicht nur aus der SPD. Günther Beckstein bedauert, künftig einen "exzellenten Redner" zu vermissen und einen extrem verlässlichen Mann. Markus Söder - der den Toskanafreund aus Nürnberg in jüngeren Jahren schon mal als "Urlaubs-Uli" verulkte - kürt Maly gar zu "einem der besten Oberbürgermeister Deutschlands" und zur "Lichtgestalt".