Augsburg:Die Mutter aller Wildwasserstrecken

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Augsburg: Wie neu: Die Kanuslalom-Wettkampfstrecke in Augsburg ist für mehr als 20 Millionen Euro von Grund auf saniert worden. Im Sommer soll dort die Kanuslalom-WM stattfinden.

Wie neu: Die Kanuslalom-Wettkampfstrecke in Augsburg ist für mehr als 20 Millionen Euro von Grund auf saniert worden. Im Sommer soll dort die Kanuslalom-WM stattfinden.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die erste künstliche Kanustrecke der Welt, Austragungsort der Olympischen Spiele 1972 und Unesco-Welterbe, ist saniert. Und führt damit zum Start der Kanu-WM Denkmalschutz und Moderne zusammen.

Von Florian Fuchs, Augsburg

Das Wasser, da sind sich die Verantwortlichen sicher, wird auch noch fließen. Spätestens zur Kanu-Weltmeisterschaft im Juli, für die die Anlage schließlich aufwendig hergerichtet wurde. Bei der Einweihung der generalsanierten Kanustrecke in Augsburg glich die Rinne, durch die die Kanuten steuern, eher einem Rinnsal: Der Lech, der die Strecke speist, führt derzeit zu wenig Wasser, das daher nicht abgeführt werden darf. "Sonst kriegen die Fische ein Problem", sagte Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber.

Das Wasser kommt noch, das frisch angesäte Gras auf den terrassenförmig angeordneten Zuschauerreihen wird auch noch sprießen bis Juli. Es ist eine besondere Anlage, die die Augsburger neu hergerichtet haben, es ist, das betonte auch der Chef des Kanuverbands, Jens Perlwitz, "die Mutter aller Kanustrecken", die vor 50 Jahren zu den Olympischen Spielen 1972 als erste künstliche Wildwasserstrecke der Welt gebaut wurde - Unesco-Weltkulturerbe ist sie seit ein paar Jahren auch.

Oberbürgermeisterin Weber erinnerte zur Eröffnung auch sogleich an die Bilder, die nicht nur ältere Augsburger live, sondern die jüngeren ebenfalls von Bildern her kennen: Etwa 50 000 Zuschauer drängten sich bei den Olympischen Spielen auf den Terrassen bei den Wettkämpfen, die für die Kanuten von München nach Augsburg ausgelagert waren. "Die Kinder saßen buchstäblich zur Kante am Wasser", sagte Weber. Die erste künstliche Wildwasserstrecke ist bis heute Vorbild und Anregung für viele andere künstliche Rinnen weltweit, in denen Kanuten durch Wildwasser preschen. Seit 2017 steht die Anlage unter Denkmalschutz, seit 2019 zählt sie als eine von 22 Augsburger Stationen zum Unesco-Welterbe, mit dem das Wassermanagementsystem der Stadt ausgezeichnet wurde.

Die Spitzenkanuten sind von der Strecke begeistert

Die architektonische Gestaltung und die Optik der Anlage mussten bei der Sanierung also erhalten bleiben. Das kommt unter anderem in den orangefarbenen Fliesen im Look der Siebzigerjahre zum Ausdruck, die weiterhin hinter der Bar im komplett sanierten und ausgebauten Organisationszentrum zu sehen sind. Auch im Athletenzentrum auf der anderen Seite der knapp 400 Meter langen Strecke sind Umkleiden und der Sportlerbereich neu hergerichtet, aber in der Optik der "heiteren Spiele" von damals geblieben, wie es der Augsburger Sportreferent Jürgen Enninger ausdrückt.

Dennoch ist der neueste Stand der Technik eingezogen. Es gibt nun eine Flutlichtanlage, damit die Athleten auch abends trainieren können, neue Wettkampftechnik, moderne Glasfaserkabel für schnelles Internet und auch neue Lautsprecher. Eine große Anzeigetafel im Zielbereich wird die Wettkampfstände abbilden. Die alten Betonhindernisse im Bett des Eiskanals aus den Siebzigerjahren sind wieder instandgesetzt und von Moos und Algen befreit. Die Streckenführung ist unverändert geblieben. "Die Streif in Kitzbühel verändert man ja auch nicht", sagen die Sportler. Laut Johannes Heiß, Projektleiter der Sanierung, sind die deutschen Spitzenkanuten, die bereits auf der Strecke trainieren durften, äußerst zufrieden: Der Kurs fühle sich neu an - die Strecke ist schneller geworden.

Augsburg: Tausende Zuschauer säumten bei den Olympischen Spielen 1972 den künstlich angelegten Wildwasser-Kanal in Augsburg. Die Wettkämpfe der Kanuten waren damals von München in die Schwabenmetropole ausgelagert worden.

Tausende Zuschauer säumten bei den Olympischen Spielen 1972 den künstlich angelegten Wildwasser-Kanal in Augsburg. Die Wettkämpfe der Kanuten waren damals von München in die Schwabenmetropole ausgelagert worden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Etwas mehr als 20 Millionen Euro hat die Sanierung der Strecke sowie der Außenanlagen und der Gebäude gekostet, das Projekt ist damit innerhalb des zuvor gesteckten, finanziellen Rahmens geblieben. "Das ist eine Seltenheit in der heutigen Zeit", sagt Sportreferent Enninger, der nicht nur deshalb von "Bayerns schönster Baustelle" spricht. Der Freistaat schoss sieben Millionen Euro zu, auch der Bund beteiligte sich, etwa die Hälfte der Kosten übernahm die Stadt Augsburg.

Nach den Olympischen Sommerspielen von 1972 fanden noch 1985 sowie 2003 Weltmeisterschaften in Augsburg statt. Mit der Kanu-WM vom 26. bis zum 31. Juli wollen Stadt und Deutscher Kanuverband zeigen, dass olympische Sportstätten auch nachhaltig genutzt werden können, ohne sie abreißen und neu bauen zu müssen. Und ohne dass sie in der Bedeutungslosigkeit versinken, wie viele andere internationale Sportstätten. 380 Sportler aus insgesamt 70 Nationen kommen im Sommer in die schwäbische Metropole. Die Stadt hat für das sportliche Großereignis bislang schon deutlich mehr Karten verkauft als geplant.

Kanuverbandschef Perlwitz freut sich unterdessen bereits, dass der Spitzensport mit diesen Trainingsmöglichkeiten in Augsburg auch künftig Nachwuchs generieren wird. Oberbürgermeisterin Weber verwies bei der Eröffnung darauf, dass die Anlage aber auch dem Breitensport sowie der Naherholung zur Verfügung steht. Es ist ungewöhnlich, dass eine Kanustrecke wie der Augsburger Eiskanal mitten in einer Großstadt liegt: Die Augsburger gehen hier gerne spazieren in der Nähe von Zoo, Botanischem Garten und dem Siebentischwald.

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