Antike:13 Jahresgehälter eines Soldaten im Kies verbuddelt

Silberschatz in Augsburg

Sebastian Gairhos, Leiter der Stadtarchäologie Augsburg, zeigt eine Silbermünze, die dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus zugeordnet werden kann und mit weiteren gut 5000 auf Augsburger Stadtgebiet gefunden wurde.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Augsburgs Geschichte geht auf die Zeit der alten Römer zurück. Nun wurde dort auf einer Baustelle der größte Silberschatz der bayerischen Geschichte gefunden.

Von Ben Bergleiter, Augsburg

Augsburg ist nach Trier die zweitälteste Stadt Deutschlands: Ihr Gründungsdatum geht auf das Jahr 15 vor Christus zurück. Damals war es noch ein Heerlager des römischen Reiches, über die Jahrhunderte entwickelte es sich aber zu einer der bedeutendsten Städte der Region. Menschen aus dem gesamten Römischen Reich kamen auf der Durchreise, zum Handeln oder aus strategischen Gründen hierher. Die Stadt entwickelte sich also zu einer "finanziellen Metropole", erzählt Augsburgs Stadtarchäologe Sebastian Gairhos.

Immer wieder werden Schätze aus dieser Zeit im Stadtgebiet gefunden, erst im Juni dieses Jahres wurden diverse antike Schmuckstücke, Geschirr und Behälter in Augsburgs ältestem Stadtviertel Oberhausen geborgen. Nur einige Hundert Meter entfernt wurde jetzt der größte Silberfund der bayerischen Geschichte gemacht: Mehr als 5500 Silbermünzen, also 15 Kilo Silber, wurden in einem Kiesbett auf einer Baustelle sichergestellt. Es gebe bisher weniger als zehn vergleichbare Entdeckungen dieser Art in Deutschland, sagte Gairhos bei der Präsentation des Fundes am Mittwoch.

Die Münzen wurden nicht - wie bei Indiana Jones - in einer Schatztruhe gefunden, sie lagen vielmehr frei im Kiesboden herum. Dabei fiel auf, dass die meisten Münzen konzentriert an einer Stelle zu Tage kamen, das deutet laut Archäologe Gairhos darauf hin, dass die Münzen dort mit einer Absicht vergraben wurden. Etwa als Sparanlage - Banken oder Bitcoin gab es damals noch nicht - oder als Transaktionsmittel für Geschäfte. So etwas sei damals üblich gewesen, diese Anzahl an Münzen sei aber wiederum "etwas ganz Besonderes", meint Gairhos. Das liege unter anderem am damaligen Gegenwert der Münzen: Ein durchschnittlicher Legionär verdiente im Römischen Reich ein Jahresgehalt von 400 bis 500 Silbermünzen, der Silberfund entsprach also elf bis 13 Jahresgehältern eines Soldaten.

Die Oberbürgermeisterin sprach von einem "spektakulären Fund"

Auch Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber sprach bei der Präsentation der Münzen von einem "spektakulären Fund", der mit einer Verpflichtung einhergehe "Römisches erlebbar zu machen". Der Augsburger Kulturreferent Jürgen Enninger sagte dazu, dass bereits eine Ausstellung vom 17. Dezember 2021 bis 9. Januar 2022 im Römerlager des Augsburger Zeughaus geplant sei. Der sensationelle Fund brachte neben den Silbermünzen auch die Debatte um ein Römisches Museum in der Stadt zurück an die Oberfläche. Seit fast zehn Jahren werden die zahlreichen römischen Exponate Augsburgs in Übergangslösungen wie dem Zeughaus präsentiert, ein eigenes Museum ist längst geplant, es scheitere aber an der Ortsfindung, sagte Enninger.

Die weitere wissenschaftliche Analyse der Münzen erfolgt nun im Zusammenhang mit einer Promotion an der Universität Tübingen. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden die Münzen dort gesäubert und final bestimmt. Die knapp 2000 Jahre alten Münzen haben durch Abnutzung und Erosion längst ihren Glanz verloren, vielleicht erstrahlen sie in ein paar Jahren wieder in alter Pracht. Wenn sich bis dahin dann auch noch ein Ort für das Römische Museum Augsburg gefunden hat, hätten sie gleich ihren eigenen Ort zum Glänzen.

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