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Altötting:Delegiertenwahlen nach dem Fließband-Prinzip

Die CSU-Ortsverbände wollten nicht auf Präsenzversammlungen verzichten, aber Abstand wahren. Um das möglich zu machen, war Kreativität gefragt, besonders beim Einsammeln der Stimmzettel.

Von Matthias Köpf, Altötting

Ob die Parteien mitten in der Pandemie unbedingt Präsenzveranstaltungen abhalten müssen, um ihre Kandidaten für die Bundestagswahl zu bestimmen, hat zuletzt zu einigen Diskussionen und auch zu etlichen Absagen geführt. Doch vor allem auf dem Land fürchten viele Ortsvorsitzende, dass ihre Versammlungen auf rein virtuellem Weg nicht recht beschlussfähig werden. Als Lösung setzen manche nun auf eine Art Fließbandversammlung. So haben sich in Altötting gerade ein gutes Dutzend CSU-Ortsverbände getroffen - alle am gleichen Tag und am gleichen Ort. Und der Abstand sollte trotzdem gewahrt bleiben.

Eine Stunde hatte Walter Göbl, der in der CSU die Geschäfte des Bundeswahlkreises Altötting führt, jedem Ortsverband für dessen Versammlung im Altöttinger Kultur- und Kongressforum zugedacht. Göbl selbst hätte das Privileg der Parteien, sich auch in der Pandemie zur Wahlvorbereitung in persönlicher Präsenz zu versammeln, nach eigenen Worten am liebsten gar nicht genutzt. Zugleich hege er ein gewisses Grundvertrauen in die CSU-Mitglieder, und diese zeigten sich dann auch diszipliniert. Denn gebraucht haben sie statt der Stunde sogar wesentlich kürzer, nämlich zwischen sieben Minuten wie der Ortsverband Teising und 17 Minuten wie die Kastler. Wobei 17 Minuten unter normalen Umständen leicht für das Grußwort des aktuellen Abgeordneten draufgehen können, vom Kollegen aus dem Landtag, dem Ortsvorsitzenden und gegebenenfalls dem Ersten, Zweiten oder Dritten Bürgermeister ganz zu schweigen.

Das alles haben sich die Altöttinger Christsozialen diesmal gespart, und auch sonst beschränkten sie ihre Versammlungen auf das aktuell Nötigste, nämlich eben die Delegiertenwahlen zur Kreisvertreterversammlung, und so etwas geht auch in ein paar Minuten. Umso mehr Zeit blieb den Versammelten, das Forum beizeiten durch das eine Treppenhaus zu verlassen, ehe die Mitglieder des nächsten Ortsverbands durch einen anderen Eingang hereinkamen. Dazwischen wurde gründlich gelüftet und desinfiziert.

So ging das von halb acht Uhr früh bis abends nach acht, insgesamt schleuste die CSU dabei 149 Mitglieder durch. Die meisten auf einmal, nämlich 25, kamen aus Altötting selbst, aber auch da war das örtliche Forum laut Göbl locker groß genug, um den nötigen Abstand zu wahren. Selbst für das Einsammeln der Stimmzettel hatte er sich etwas einfallen lassen. Die wurden aus der Distanz mit Angler-Keschern eingeholt.

© SZ vom 23.02.2021/syn
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