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Landtagswahl in Bayern:Ein Ex-SPDler, drei Polizisten und mehrere Anwälte

Als Oberpfälzer AfD-Spitzenkandidat zieht Roland Magerl in den Landtag ein. Der 45-jährige Energieelektroniker trat schon 2013 in die Partei ein. Einst war er SPD-Mitglied, seit den Hartz-Reformen - dem "wohl größten sozialen Kahlschlag in der Geschichte der BRD" - seien ihm Zweifel gekommen, nach der Euro-Rettung erst recht.

Er will den "Pflegenotstand" beenden und Leiharbeit beschränken. Schlagzeilen machte er zuletzt wegen seines "unkontrollierbaren Schwiegervaters", der bei den Demonstrationen in Chemnitz laut Medienberichten Polizisten und Reporter bedroht haben soll. Der Schwiegervater sei eben nicht zu steuern, stellte Magerl klar, von "Gewalt und extremistischen Aktionen" distanziere er sich aber. Für manche Beobachter klang das halbherzig. Aus der Oberpfalz kommt auch der Polizist im vorzeitigen Ruhestand, Stefan Löw, erst 28 Jahre alt. Sicherheit und Asylpolitik sieht er als Steckenpferde.

Ebenfalls Polizeibeamter, Leitender Polizeidirektor im Ruhestand, ist Raimund Swoboda aus Mittelfranken. Kriminalität dominierte bei der AfD ohnehin den Wahlkampf - manche Mitglieder schienen ihre Zeit fast nicht anders zu nutzen, als auf Facebook vermeintliche und echte Straftaten von Flüchtlingen zu vermelden, von Raub oder Totschlag über das sogenannte Grapschen bis hin zum Ladendiebstahl durch Syrer oder Nigerianer, und vom Allgäu bis an die Nordsee. Tatsächliche Delikte fanden dabei dort ebenso Erwähnung wie Gerüchte. Darüber hinaus sitzen künftig der Zahnarzt Ralph Müller und der Anwalt Ferdinand Mang im Landtag, beide aus Nürnberg.

Aus Unterfranken kommt der Verwaltungswirt Christian Klingen, Mitglied im Landesvorstand; er gehört dem "Flügel" an und organisiert Höckes unterfränkische Fan-Szene. Eines seiner Themen ist auch Tierschutz, hier geht es ihm vor allem um das Schächten durch Muslime. Klingens Ehefrau sitzt fortan im Bezirkstag für die AfD. Zweiter Mann aus Unterfranken ist Richard Graupner, der als Republikaner in den Schweinfurter Stadtrat gewählt wurde und 2016 zur AfD wechselte, weil diese "freiheitliche, konservative und patriotische Kraft" das "Zeug zur Volkspartei" habe. Auch er ist Polizist. In Oberfranken gewählt wurden Martin Böhm (Coburg), Angestellter im Immobilienbereich, und der Bamberger Rechtsanwalt Jan Schiffers.

Der Förderlehrer Markus Bayerbach vertritt Schwaben, er ist seit 2014 Augsburger Stadtrat. Als einziger AfD-Mann mittlerweile, seine früheren Mitstreiter wollten den Rechtsrutsch der Partei nicht dulden. Der 55-Jährige rechnet sich dem "liberalen Lager" zu, Entgleisungen sind nicht bekannt, sein Tonfall ist für AfD-Verhältnisse tatsächlich gemäßigt.

Er sagt: "Eine Partei ist schließlich kein Kindergeburtstag, da wird es immer Leute geben, die man nicht mag." Als Chef einer Kommission war er mit verantwortlich für das Wahlprogramm, auf das viele AfDler nicht gerade stolz sind. Zudem aus Schwaben im Landtag: die Rechtsanwälte Christoph Maier und Ulrich Singer sowie der Ingenieur Gerd Mannes, der auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Landespartei ist und damit nicht ohne Einfluss.

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