Landsberg am Lech:Der ADAC und seine Wachstumspläne

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Landsberg am Lech: Das Test- und Technikzentrum des ADAC in Landsberg wurde vor 25 Jahren eröffnet. Der Automobilclub würde den Standort gerne ausbauen.

Das Test- und Technikzentrum des ADAC in Landsberg wurde vor 25 Jahren eröffnet. Der Automobilclub würde den Standort gerne ausbauen.

(Foto: ADAC Test und Technik/obs)

Bei der 25-Jahr-Feier des Test- und Technikzentrums in Landsberg möchte der Automobilclub vor allem für seine Pläne in der Region werben. Eingeladen waren darum nicht nur die besten Freunde.

Von Marvin Kalwa, Landsberg

Nur die Oberbürgermeisterin von Landsberg hat an ein Präsent gedacht. "Zu einer echten Geburtstagsfeier gehört auch ein Geburtstagsgeschenk", sagt Doris Baumgartl und überreicht nach ihrem Grußwort Reinhard Kolke, dem Leiter des ADAC Test- und Technik Zentrums, noch schnell eine kleine Schachtel mit Schlaufe. Eine große Sause, das merkt man schon hier, wird dieses 25-jährige Standortjubiläum eher nicht.

Allerdings geht es in der wegen des Sommerwetters geöffneten Testhalle, in der sonst Auto ge- und vermessen werden, auch eher um etwas anderes. Kolke formuliert es vor Dutzenden schwitzenden Festgästen aus Politik und Interessenverbänden so: "Wir freuen uns auch auf den Dialog." Zu besprechen gibt es ja durchaus was. Nur knapp acht Kilometer entfernt befindet sich der Penzinger Fliegerhorst, ein ehemaliger Militärflughafen. Seit 2016 nutzt der ADAC einen Teil des Areals für Tests zum automatisierten Fahren. Allerdings dürfte das Ganze nach Plänen des Automobil-Clubs gerne noch eine Nummer größer sein. So möchte man auf dem 270 Hektar einen Innovationscampus hochziehen - mit Anbindung an Hochschulen und Start-ups.

Einer langfristigen Nutzung durch den ADAC müssten die Gemeinde Penzing und auch die Stadt Landsberg zustimmen. Es gibt da durchaus Stimmen, die sich auf dem Gelände etwas anderes vorstellen können als ein Zukunftslabor für den motorisierten Individualverkehr. Solarflächen etwa. Der Plan, den Innovationscampus als Teil eines vom Bund geförderten "Deutschen Zentrum Mobilität der Zukunft" zu machen, scheint nach dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr jedenfalls vom Tisch zu sein. Vielleicht hat der ADAC auch deshalb mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel eine Politikerin eingeladen, die zwar im nahen Kaufering geboren ist, sonst aber, wäre das hier eine private Geburtstagsfeier, nicht zum engsten Freundeskreis gehören würde.

"Grün und ADAC, ich finde, das geht gut zusammen."

Ein Geschenk hat Triebel nicht mit dabei, wenngleich warme Worte: "Grün und ADAC, ich finde, das geht gut zusammen." Auch aufseiten des ADAC haben sie sich anscheinend überlegt, wie man im Laufe des Tages den Eindruck erwecken kann, dass grüne Lebensrealitäten mittlerweile in ihrem Arbeitsalltag mitgedacht werden. Bei der Besichtigung des Test- und Technikzentrums stehen zum Beispiel E-Bikes mit mobiler Anhänger-Werkstatt in einer Halle. Ein Leiter des Technologiemanagements erklärt, dass 15 dieser Modelle mittlerweile im Einsatz seien. "Eine automatische Sattelstütze", staunt Triebel beim genauen Blick auf die Räder. "Das ist schon was Schönes."

Wohl noch mehr Geld, nämlich 1,5 Millionen Euro, hat der Automobil-Club zuletzt für eine Fußgängerschutz-Testhalle in die Hand genommen. Dummy-Köpfe können dort mittels einer Hydraulik-Schleuder punktgenau auf Fahrzeugfronten geschossen werden. Von Herbst an möchte der ADAC das Testfeld nun auch um den Bereich der oberen Windschutzscheibe erweitern, weil Radfahrer bei Unfällen aufgrund ihrer Sitzposition genau auf dieser Höhe gegen Autos prallen. Fahrzeughersteller sollen durch die Tests angehalten werden, die Sicherheit mittels eines verbesserten Karosserieaufbaus zu erhöhen. "Wir möchten zeigen, wofür der ADAC heute steht", sagt Testzentrumleiter Kolke.

"Wir sind die mit den Zahlen, Daten, Fakten."

Er steht, das wird auch später bei der Besichtigung des erwähnten Fliegerhorstes deutlich, einer Mobilitätswende grundsätzlich nicht im Weg. "Elektromobilität, Konnektivität und autonomes Fahren", definiert ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze auf einer vorher noch eingeschobenen Pressekonferenz als die Superthemen in der Branche. Gerade Fahrzeugvernetzung und Fahrassistenz könnten mithilfe der Tests auf dem Gelände in Penzing verbessert werden. Die Besucher bekommen demonstriert, wie ein Auto mit 50 Stundenkilometern über das Rollfeld fährt, während von rechts plötzlich ein über Wlan mit dem Auto verbundener Dummy vor das Fahrzeug rollt. Das Auto bremst harsch, aber gerade noch rechtzeitig. Von Juli 2024 an sind solche Notbremsassistenten mit automatischer Fußgängererkennung EU-weite Pflicht.

Eine Vollbremsung vermeiden möchte der ADAC hingegen beim Thema Verbrenner. "Zur Ehrlichkeit gehört, dass die Elektromobilität allein nicht ausreichen wird, um die Klimaschutzziele zu erreichen", sagt Schulze. Er begrüße daher die neuesten Vorstellungen des EU-Rates, Verbrenner-Autos auch nach 2035 zuzulassen, falls sie ausschließlich mit klimaneutralen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden. "Wir sind die mit den Zahlen, Daten, Fakten", ergänzt Reinhard Kolke und kündigt die baldige Veröffentlichung einer Studie zur Effizienz von E-Fuels an. In welche Richtung die Studie gehen könnte? "Das Embargo steht noch." Der grüne Partygast Gabriele Triebel hat die Testhalle zu diesem Zeitpunkt längst schon wieder verlassen.

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