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Trends der CES 2018:Die Sprachassistenten fangen an zu denken und zu lernen

Was die Plappermaschinen bisher vom Treppenplausch mit dem Nachbarn unterschieden hat, ist weniger das Niveau von Klatsch und Tratsch, sondern die Qualität der Sprachausgabe - und das Kontextwissen über die Situation und den Sprecher. Seit 60 Jahren tüfteln Informatiker an denkenden und sprechenden Maschinen. Längst ist es nichts Ungewöhnliches mehr, dass sie Schach, Go oder selbst Pokerspiele gewinnen. Jetzt lernen neuronale Netzwerke und Hochleistungsrechner auch den Sprecher als Person kennen und sie lernen, Antworten nahezu perfekt in natürliche Sprache zu übersetzen. "Sagen, was man will, wie man es will - Bosch bringt einen Sprachassistenten ins Auto, der Autofahrer versteht, wie ein Mensch", verspricht Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel. Auch der Zulieferer hat seine Spracheingabe nun zum denkenden und lernenden Sprachassistenten weiterentwickelt.

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Höheres Bewusstsein ist beim maschinellen Lernen nicht am Werk. Es genügt, mithilfe von Hochleistungsrechnern einen geordneten Datenstrom aus Texten oder Bildern auf bestimmte Muster hin abzuklopfen. Bei "Ask Mercedes" wird das Superhirn in der Cloud über die Luftschnittstelle angefunkt. Boschs Sprachassistenten "Casey" und das neue Mercedes Infotainment-System rechnen auch lokal im Auto und funktionieren selbst in Funklöchern - wenn auch nicht ganz so gut.

Alexa bekommt bald einen festen Platz im Auto

Die Apps von Android Auto und Apple Car Play werden durch die Sprachassistenten weitgehend überflüssig, denn alle Dienste aus dem Internet können direkt über die Sprachschnittstelle angesteuert werden. "Amazon Alexa ist ein Vorbote dieses Trends zu digitalen Assistenten, der die gesamte Tech-Branche umkrempeln wird", glaubt Gabriel Seiberth, Geschäftsführer Digital der Strategieberatung Accenture. Amazon hat zu Weihnachten mindestens 20 Millionen Alexa-Geräte abgesetzt, Google verkauft pro Sekunde mehr als einen Google Home. Experten schätzen, dass auch in Deutschland mittlerweile die Millionengrenze überschritten worden ist.

Die nächste Welle der digitalen Revolution ist nicht aufzuhalten. Sprachassistenten sind die Suchmaschine der nächsten Generation, denn sie begleiten uns rund um die Uhr. BMW- und Mercedes-Kunden können schon seit einiger Zeit Fahrzeuginformationen und Termine von zu Hause via Alexa abfragen. BMW will ab dem Sommer dieses Jahres nahezu die gesamte Palette von Zehntausenden Alexa Skills im Auto zur Verfügung zu stellen. Der Zulieferer Continental kündigte auf der CES an, den Dienst schnell für die breite Masse der Autofahrer verfügbar zu machen: Fragen stellen, Musik abspielen, Nachrichten, Wetter- und Verkehrsberichte hören oder das Smart Home vom Auto aus zu steuern soll in wenigen Jahren zur unverzichtbaren digitalen Grundausstattung gehören. Dass die IT-Riesen mit ihren riesigen Datenstaubsaugern demnächst jedes Detail aus unserem Leben kennen, scheint dabei kaum zu stören.

Geben die Hersteller die Kundeninteraktion aus der Hand?

Es geht also nur noch um das schönste Design der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Immer leistungsfähigere Grafik-Chips machen die Mattscheiben im Auto zur perfekten digitalen Bühne. Continental stellte in Las Vegas eine neue Generation von Head-up-Displays vor, die Mini-Projektoren statt platzraubende Umlenkspiegel nutzen. Damit lassen sich von der nächsten Dekade an auch die Seitenscheiben von Autos vollflächig für eine kunterbunte Augmented Reality verwenden: Wenn die Assistenten per Innenraumkameras Gesten verstehen, dann wird die ganze Welt im Vorbeifahren zur Inszenierung. Jedes Haus erzählt auf Fingertipp seine eigene Geschichte, und das Restaurant oder der Supermarkt darin bieten lokale Dienste an: Ein Riesengeschäft, dass sich am Ende wohl nur wenige große Plattformanbieter sichern werden. "Die Autohersteller haben zwar den ersten Angriff von Tech-Firmen wie Apple, Google und Uber beim autonomen Fahren zurückgeschlagen. Aber jetzt geben sie etwas viel Wertvolleres aus der Hand als das Betriebssystem des Fahrzeugs. Und das ist die gesamte Kundeninteraktion", warnt Gabriel Seiberth.

Vom Fernseher bis zur Smartwatch: Viele Neuerscheinungen auf der CES nutzen ganz selbstverständlich einen intelligenten Sprachassistenten. Und die Hersteller behaupten fast unisono, dass sie den Datenstrom kontrollieren und die Kundenschnittstelle in ihrer Hand behalten. Doch für eine geschützte Privatsphäre werden wir demnächst wohl genauso extra bezahlen müssen wie für Ledersitze und Ruhe im Auto. Alternativ gibt es dann nur noch Billigautos oder Oldtimer ohne das ganze Vernetzungsgedöns.

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