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Toyota Mirai im Fahrbericht:Den anderen voraus - schon wieder

Der neue Toyota Mirai

Führungsfahrzeug: Der neue Toyota Mirai ist die erste Serienlimousine mit Brennstoffzellenantrieb. Das Design ist eher gewöhnungsbedürftig.

(Foto: Harald Dawo)

Toyota setzt sich mit seinem Wasserstoffauto an die Spitze alternativer Antriebstechnik. Dem Mirai ist kaum etwas vorzuwerfen, nur der Preis ist enorm hoch.

Belächelt wurde Toyota bereits vor 18 Jahren. Zumeist von der deutschen Autoindustrie. Damals brachten die Japaner ihr erstes Hybridmodell auf den Markt. Der Prius war nicht schön, hatte aber revolutionäre Technik. Heute lacht keiner mehr. Toyota hat mittlerweile mehr als acht Millionen Hybridfahrzeuge verkauft, in der Mehrzahl Prius. Die neueste Version der Öko-Limousine hat ihr Debüt nächste Woche auf der Tokyo Motor Show und fährt dann bereits in vierter Generation.

Nahezu parallel geben die Japaner erneut den Pionier der Branche und präsentieren den Mirai. Im Japanischen heißt das "Zukunft". Der Mirai fährt mit Wasserstoff, der in einer Brennstoffzelle zu Strom umgewandelt wird und einen Elektromotor antreibt. Der Hochmut der Konkurrenz hält sich dieses Mal allerdings in Grenzen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Dieselskandals, und weil alle renommierten Autobauer die Brennstoffzellentechnik bereits mehr oder weniger fertig entwickelt haben. Fahrzeugstudien mit dem revolutionären Antrieb gibt es jede Menge.

Toyota aber wagt nach Hyundai den Schritt in die Serie, wenn auch vorerst nur behutsam. Dieses Jahr sollen lediglich 25 Mirai nach Deutschland kommen. Alle sind bereits verkauft. Nächstes Jahr dürften es auch nur einige Hundert werden. Denn die Produktion im heimischen Motomachi fährt erst langsam hoch. Sie liegt derzeit bei 700 Stück pro Jahr und bedient den kompletten Weltmarkt. 2016 will Toyota 2000 Einheiten, 2017 dann 3000 Autos herstellen. Für 2020 sieht Yoshikazu Tanaka, der Chefentwickler des Mirai, sogar 30 000 Wasserstoff-Limousinen von den Bändern rollen. Man wird sehen.

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Cool, spacig oder einfach hässlich?

Dass die Mirai-Kunden nicht wie bei Apple bei Neuvorstellungen nachts vor den Verkaufsräumen campieren, mag nicht nur an der derzeit schlechten Infrastruktur der Wasserstoffversorgung (19 Zapfsäulen in Deutschland) liegen, sondern auch an dem hohen Preis der Toyota-Limousine. Der Mirai kostet 78 600 Euro. Eine Summe, die allerdings zweitrangig ist. Denn Toyota verleast sein Brennstoffzellenauto. Der Hersteller möchte gern im Besitz der Fahrzeuge bleiben, um mehr Handlungsfreiheit bei eventuellen Problemen zu haben. Zudem gibt es keine verlässlichen Prognosen zum Gebrauchtwagenmarkt. Der Kunde zahlt für einen Zeitraum von vier Jahren monatlich eine Rate von 1219 Euro. Darin enthalten sind ein Full-Service, Winterreifen-Wechsel, Versicherung und eine Laufleistung von 20 000 Kilometer pro Jahr. "Wer den Mirai aber unbedingt kaufen möchte, kann selbstverständlich auch das tun", so ein Unternehmenssprecher.

Auch das Design des Mirai mag manchen "Early Adopter", wie Marketing-Menschen die Erstkäufer gerne nennen, zurückhaltend reagieren lassen. Die 4,89 Meter lange Limousine kommt so außergewöhnlich daher, dass man nicht so recht weiß, ob man dieses Auto nun cool, spacig oder einfach nur hässlich finden soll. Besonders die beiden riesigen Dreiecks-Lufteinlässe an der Front bilden eine gewöhnungsbedürftige Optik. Auch die keilförmige Seitenansicht - Toyota spricht von "Luft-in-Wasser"-Silhouette - und das pummelige Heck sind sicher nicht jedermanns Geschmack.