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SZ-Serie Nahverkehr weltweit:Ein Ticket für verschiedene Verkehrsmittel

Wenn die Menschen in Zukunft wirklich keine Autos mehr kaufen würden, sagt Start-up-Gründer Sampo Hietanen, müsste man Städte aber noch ganz anders planen. Sampo Hietanen ist einer von denen, die "Mobilität als Service" verkaufen. Er verspricht seinen Kunden, sie von A nach B zu bringen - mit allen Mitteln, die es gibt, mit Ausnahme des eigenen Autos: Bus, Bahn, Taxi, Mietwagen und bald auch mit Leihfahrrädern. Sollte sich diese Idee durchsetzen, würden Städte nicht mehr von Straßenkorridoren dominiert, sondern von "hubs". Er meint damit Orte, an denen Menschen an den öffentlichen Nahverkehr andocken - also die nächste Haltestelle, die sie mit Taxi, Leihwagen oder Carsharing erreichen.

Sampo Hietanen hat eine App entwickelt, mit der man quasi ein Ticket für den gesamten Weg kauft, egal, womit man fährt und wie oft man umsteigt. Man kann auch ein Abo abschließen und dann alle Transportmittel frei nutzen, die Helsinki zu bietet hat. Taxifahrten sind dabei allerdings auf fünf Kilometer begrenzt, das reicht meist bis zur nächsten Haltestelle. "In unseren Köpfen steht das Auto für Freiheit", sagt Sampo Hietanen. Er will den Leuten mit seiner App "Whim" zeigen, dass sie auch ohne Auto überall hinkommen.

Seit Sommer kann man die App herunterladen, seit November macht er Werbung dafür. In Helsinki gibt es bereits 30 000 Nutzer. "Das lief viel besser als gedacht", sagt Sampo Hietanen. Allerdings gab es dann auch mehr Anrufe von Kunden als erwartet. Firmen meldeten sich und fragten, ob das unbegrenzte Whim-Abo ähnlich besteuert wird wie der Firmenwagen. Privatkunden wollte sich vergewissern, dass es die App auch in sechs Monaten noch gibt, bevor sie ihr Auto verkaufen. Noch funktioniert nicht alles reibungslos. Ein Taxi zum Flughafen zu ordern, stellt sich beispielsweise als problematisch heraus, weil es dort eine Taxi-Schlange gibt. Sampo Hietanens Traum ist, sein Angebot auf ganz Europa auszuweiten. Dafür brauche er allerdings Zugang zu allen möglichen Tickets von öffentlichen und privaten Verkehrsunternehmen, und zwar in digitaler Form.

Mit seiner App kann man auch beobachten, wie sich die Menschen durch die Stadt bewegen. An dem Tag im November, an dem die neue Metro eröffnete, haben mehr Menschen ein Metro-Ticket gekauft als normalerweise, aus Neugier wahrscheinlich. Und als Ende Februar die Temperatur auf minus 25 Grad fiel, war das Auto für viele eine Option: Selbst die hartgesottenen Finnen sind da aufs Taxi umgestiegen.

Die SZ berichtet in dieser Serie über den Nahverkehr in den Metropolen der Welt. Alle Folgen unter www.sueddeutsche.de/nahverkehr

© SZ vom 31.03.2018/mike
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