Seat Leon Cupra 280 im Test:Muskeln anspannen auf Knopfdruck

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Der Motor des Seat Leon Cupra 280.

Der Zweiliter-Turbobenziner des Seat Leon Cupra leistet 265 oder 280 PS.

(Foto: STG)

Damit der Spanier seine Zurückhaltung ablegt, muss der Fahrer die beschriebene Taste drücken. Im Bordrechner lassen sich nun fünf Fahrmodi wählen, darunter die Optionen "Sport" und "Cupra". Nur in Letzerem entfaltet der gleichnamige Spanier sein gesamtes Temperament, schärft Gasannahme, Fahrwerk, Lenkung und auch den Klang. Dem Tritt auf das Gaspedal folgt nun eine Beschleunigung, die erst verblüfft und dann begeistert. 5,8 Sekunden von Null auf Hundert in einem Kompaktwagen mit sozialverträglicher Optik? Das passiert eben, wenn Konstrukteure ihrem Sportsgeist freien Lauf lassen.

Das Triebwerk überzeugt besonders mit seiner Durchzugsstärke. Zwischen 1700 und 5600 Umdrehungen kann der Turbomotor aus dem vollen Drehmoment-Reservoir von 350 Newtonmeter schöpfen, was vor allem auf der Autobahn zu klassischem Suchtverhalten verleitet. Immer und immer wieder tritt man auf das Gaspedal, nur um diese ebenso harmonische wie druckvolle Beschleunigung zu erleben. Die macht selbst vor der offiziell bei 250 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit nicht Halt. Der Testwagen steigerte sein Tempo laut Tacho weit darüber hinaus.

No Drama, Baby

Dabei verzichtet der Seat selbst bei voller Beanspruchung auf jegliches Drama. Der Motor wird nicht zu laut, die Lenkung bleibt von Antriebseinflüssen verschont. Das Fahrwerk wird auch im Cupra-Modus nicht zu hart und holprig, das Getriebe schaltet nicht überhektisch zurück. Allerdings muss man der Sechsgang-Doppelkupplungsschaltung (DSG) eine leichte Lethargie attestieren. Selbst in der Sportabstimmung oder im manuellen Modus spricht sie etwas verzögert an. Schade, dass der VW-Konzern seine Sportmodelle noch nicht mit dem neuen Siebengang-DSG ausrüstet, das in anderen Modellen wie dem Golf Sportsvan bereits seine Qualitäten bewiesen hat.

Der technisch eng mit dem Leon Cupra verwandte VW Golf R bietet ebenfalls nur sechs Gänge. Dafür leistet der gleiche Motor im Wolfsburger Topsportler 300 PS, dank Allradantrieb übertragen bei Bedarf alle vier Räder die Kraft auf den Boden. Der Cupra ist dagegen ein klassischer Fronttriebler, was sich zwar positiv auf das Gewicht auswirkt - der Unterschied beträgt etwa 100 Kilogramm -, bei Nässe aber als Nachteil erweist. Zwar versucht die elektromechanische Differenzialsperre, die in Kurven etwas mehr Kraft ans kurvenäußere und traktionsstärkere Rad leitet, und die Sportreifen alles, um die Kraft in Vortrieb umzuwandeln. Aber wer bei nassem Untergrund stumpf das Gaspedal ans Bodenblech presst und sich auf die Technik verlässt, erntet durchdrehende statt beschleunigende Vorderräder. Ein sensibler Gasfuß ist bei solchen Bedingungen schon nötig, um weiterhin flott voranzukommen. Einen Allradantrieb kann er nicht ersetzen.

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