BMW M135i xDrive Placebo-Technik im Allrad-Einser

Ein Drittel aller verkauften BMW-Fahrzeuge verfügt inzwischen über Allradantrieb. Nun ist auch der Einser BMW mit 4x4-Technik erhältlich. Doch Anschaffung und Unterhalt der Allrad-Version sind teurer als beim Standard-Einser - und ihr Nutzen im Alltag fraglich.

Von Sascha Gorhau, Kühtai

Kostet mindestens 44.000 Euro: der BMW M135i xDrive.

(Foto: Hersteller)

Eis und Schnee bestimmen momentan Deutschlands Straßenbild. Doch auch unabhängig von der gegenwärtigen Witterung verfügt inzwischen fast jeder dritte neue BMW über Allradantrieb. Nun verbaut BMW die Technik auch in den Einser. Sie arbeitet mit einer permanenten Drehmomentverteilung von 40 zu 60 zugunsten der Hinterachse. So will der Hersteller dem gewohnten Fahrgefühl eines BMW möglichst nahe zu kommen, also dem eines Hecktrieblers.

Die Kraftverteilung wird vom ESP überwacht. Das System wirkt jeder Tendenz zum Über- oder Untersteuern mit einer Änderung des Antriebsmoments entgegen. Die Elektronik bremst einzelne Räder ab und drosselt die Motorleistung, wenn das notwendig sein sollte. So bleibt das Fahrzeug auch auf rutschigen Untergründen in der Spur.

Die Testfahrt in den österreichischen Alpen verdeutlicht den Unterschied zwischen an- und ausgeschalteter elektronischer Fahrhilfe. Mit einem Druck auf die DSC-Taste wird die "Dynamic Traction Control" deaktiviert und nur der Motoreingriff unterdrückt. Das ESP bleibt noch aktiv. Erst nach erneuter Betätigung des DSC-Knopfes wird die Funktion vollständig abgeschalten. Dann ändert sich der Charakter des Fahrzeugs grundlegend. Der Fahrer benötigt viel Konzentration und Können, um das Fahrzeug auf der Teststrecke mit festgefahrenem Schnee kontrollieren zu können. Bei aktivierter Elektronik gelingt das mühelos, ein Verdienst des Allradantriebs. Doch es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass viele Einser-Kunden im Alltag oft auf einer geschlossenen Schneedecke unterwegs sein werden.

Bergab bietet ein Allradler keine Vorteile

Ein eher seltenes Bild: Ein Einser BMW auf einer geschlossenen Schneedecke auf mehr als 2000 Metern Höhe.

(Foto: Hersteller)

Die durch die Elektronik gewonnene zusätzliche Traktion wirkt sich hauptsächlich auf die Fahrt bergauf aus. Bergab ist der M135i xDrive auf glatter Fahrbahn genauso schlecht kontrollierbar wie Fahrzeuge mit nur einer Antriebsachse. Außerdem befreit Allradantrieb nicht automatisch von der Schneekettenpflicht in manchen Gebirgsregionen.

Wer dennoch nicht auf die 4x4-Technik verzichten will, muss mindestens 44.000 Euro für einen BMW M135i xDrive bezahlen. Zahlreiche sinnvolle Extras wie Xenon-Scheinwerfer, ein Navigationssystem oder das adaptive Fahrwerk sind aufpreispflichtig. Sollen sie ebenfalls an Bord sein, kostet der Wagen 50.000 Euro.

Serienmäßig allerdings ist die gut arbeitende Achtgang-Automatik und der 320 PS starke Sechszylindermotor. Er weckt 2013 geradezu nostalgische Gefühle. Ist er doch der einzig verbliebene klassische Reihen-Sechszylinder im Einser.