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Neuwagenkauf:Autofahrer wollen kein Hightech

Der neue BMW 7 parkt selbstständig ein

Der neue BMW 7er parkt selbstständig auf Knopfdruck in die Garage ein.

(Foto: Barry Hayden; BMW)
  • Eine Studie der US-Analysten von J.D. Power untersuchte, welche neue Technologien Autobesitzer innerhalb der ersten drei Monate nutzen.
  • 20 Prozent von ihnen haben demnach die Hälfte der angebotenen Möglichkeiten noch nicht einmal ausprobiert.
  • Für die Studie wurden zwischen April und Juni 2015 4200 Neuwagenkäufer befragt.

Autos können heute so viel mehr als nur fahren. Sie surfen im Internet, sie erkennen Fußgänger, sie kommunizieren sogar miteinander. Und geht es nach der Automobilindustrie, werden sie in Zukunft auch ganz ohne Fahrer unterwegs sein. Doch was ist mit den Käufern - wollen sie diese ganze Technik überhaupt? Einer neuen Studie zufolge offenbar nicht.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass laut dem "2015 Drive Report" der Analysten von J.D. Power zufolge 20 Prozent der US-Neuwagenkäufer nach drei Monaten die Hälfte der neuen Systeme ihres Autos nicht einmal ausprobiert haben. Oder sie bewerten Funktionen wie Einparkhilfen, Apps und Internetverbindung als "nicht nützlich" oder "war in meinem Ausstattungspaket enthalten, wollte ich aber nicht".

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Die Hälfte sucht nie nach Tankstellen

negativ-Spitzenreiter in der Umfrage sind Concierge-Systeme, die Restaurants oder Tankstellen in der Umgebung empfehlen. 43 Prozent der Autofahrer nutzen dieses Feature nie. Dicht dahinter folgt das eigene Fahrzeug als WLAN-Hotspot, das den Zugang ins Internet ermöglicht (38 Prozent). Selbst scheinbar nützliche Funktionen wie automatische Parkassistenten bleiben bei 35 Prozent ungenutzt. Auch das Head-up-Display (33 Prozent) und Auto-Apps (32 Prozent) bleiben links liegen. Wird eine Funktion erst nach dem Kauf aktiviert, fällt vielen Kunden nicht einmal auf, dass ihr Fahrzeug sie besitzt.

Generation Y benutzt lieber das Smartphone

Nun wäre eine naheliegende Erklärung, dass Neuwagenkäufer im Schnitt schon älter sind (in Deutschland über 50 Jahre) und sich schwieriger an die neuen Techniken gewöhnen. Doch selbst die sogenannten "Early Adopter" zwischen 21 und 38 Jahren, in der Studie Generation Y genannt, verweigern sich der neuen Technologie. Sie nutzen lieber ihr Smartphone, speziell wenn es um Unterhaltungs- und Konnektivitätstechnologien geht.

23 Prozent von ihnen wollen sogar in ihrem nächsten Fahrzeug 14 der 33 untersuchten Technologien gar nicht mehr haben, darunter die Smartphone-Verbindungen Apple Car Play, Google Android Auto, und die Möglichkeit, per Sprachbefehl Textnachrichten zu verschicken. Bei den anderen Altersgruppen liegt dieser Anteil nur bei 20 Prozent.

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Einer der Gründe für die Technikverdrossenheit sind laut Kristin Kolodge von J.D. Power mangelnde Praktikabilität und Aufklärung beim Kauf. Die Mitarbeiter der Autohäuser wüssten zum Teil nicht einmal, was sie da genau verkaufen: "Es wird von den Händlern eine Schlüsselrolle erwartet. Sie sollen dem Kunden die neue Technik näherbringen. Stattdessen müssen die Hersteller vor allem Technik entwickeln, die sich intuitiv bedienen lässt." Wird diese auch noch vom Smartphone besser erledigt, empfindet sie der Kunde als überflüssig: "Sie bevorzugen ihr Handy, weil es ihre Wünsche besser erfüllt", so Kolodge.

Die Käufer wollen Systeme, die die Sicherheit erhöhen

Zu komplizierte Technik hat aber auch Auswirkungen auf die Sicherheit. Versicherungen, die diese Entwicklung genau beobachten, befürchten, dass diese Autofahrer vom Verkehr ablenken und zu mehr Unfällen führen. Das Ausweichen aufs Smartphone ist noch gefährlicher.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Neuwagenkäufer vor allem neue Systeme begrüßen, die die Sicherheit erhöhen. Warnhinweise für Fahrzeuge im toten Winkel, das Verlassen der Spur oder bevorstehende Kollisionen werden als hilfreich empfunden. Und sie lenken auch nicht vom Verkehr ab.

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