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Neue Elektroautos:Byton bringt das Heimkino ins Auto

Am auffallendsten an jedem Byton ist der riesige Bildschirm, der sich über die gesamte Instrumententafel erstreckt. Damit werde das Auto zum ultimativen digitalen Endgerät, das jeden Tablet-Computer in den Schatten stellt, glauben die Gründer. Über ein kleines Tablet im Lenkrad lassen sich alle Innenraumfunktionen knopflos steuern. "Das Interieur-Design löst in China wirklich Begeisterung aus, das ist wie der Schritt vom Tastentelefon zum Smartphone", beschreibt Breitfeld die Resonanz.

Die digitale Generation sei komplett offen für eine neue Automarke, die eine innovative Mensch-Maschine-Schnittstelle mit einer intuitiven Funktionsbündelung biete. "Das ist nicht fancy, weil wir beschlossen haben, einen großen Screen zu machen, sondern das ist wirklich das, was die Kunden wollen", berichtet der 53-jährige Breitfeld. Der erfahrene Automanager steht nicht im Verdacht, Design-Trends aus der Unterhaltungselektronik nachzulaufen. Oder doch?

In München arbeiten 60 Kreative am Byton-Design

Traditionalisten glauben, dass die Großbildschirme im Auto ihren Zenit schon wieder überschritten hat. Daimler setzt aber weiterhin auf das Display-Stretching. Die IAA-Studie Smart Vision EQ hat zum Beispiel einen 24-Zoll-Monitor mit 58 Zentimeter Länge und 15 Zentimeter Höhe. Byton verdoppelt die Maße der Mattscheibe auf 1,20 Meter Breitwandformat und 25 Zentimeter Höhe. Ideal für hoch automatisiertes Fahren, bei dem sich der Fahrer vom Verkehrsgeschehen über längere Zeit abwenden kann. "Die Menschheit verbringt täglich 1,8 Milliarden Stunden im Auto. Aber der Fahrer darf das Smartphone nicht wirklich nutzen - das Auto ist also der letzte smart-freie Raum, den es heute noch gibt. Und das wollen wir ändern", kündigt Breitfeld an.

Der Firmenchef hat in den letzten sechs Monaten viel Zeit in München verbracht. 60 Kreative arbeiten hier unter Leitung des früheren BMW-i-Chefgestaltalters Benoit Jacob am Design der Modellfamilie. Und natürlich profitiert das chinesische Start-up vom alten Netzwerk rund um das BMW-Entwicklungszentrum. Im kalifornischen Santa Clara beginnt nun die Serienentwicklung des Byton SUV - in unmittelbarer Nähe zu den Tech-Tüftlern des Silicon Valley.

"Alle Hersteller von Unterhaltungselektronik, die versucht haben, ein Auto zu machen, sind bisher gescheitert. Und die Autohersteller, die sich an Smart Devices versucht haben, auch", sinniert Breitfeld. Zu groß seien die Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen. Auch bei FMC sind die konträren Denkschulen zu Anfang des Jahres aufeinander geprallt. In Workshops musste der Chef die Brüche zwischen den Kontinenten und Kulturen überbrücken. "Das haben wir geschafft. Jetzt liegt das Schwierigste wohl hinter uns."

© SZ vom 16.09.2017/harl

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