E-Autos No Future

Ein Hingucker, aber nur ein Prototyp. Dem FF91 - hier auf der Technikmesse CES - folgten keine Serienmodelle.

(Foto: Bloomberg)

Die kalifornische E-Autofirma Faraday Future machte großspurige Ankündigungen. Doch nun steckt sie offenbar in Finanzschwierigkeiten.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Wenn die Amerikaner jemandem Größenwahn unterstellen, dann bitten sie ihn freundlich darum, sich doch bitte schön Geld in den Mund zu stopfen. "Put your money where your mouth is" lautet die Aufforderung, den großspurigen Ankündigungen auch mal Ergebnisse oder wenigstens Taten folgen zu lassen. In den vergangenen Jahren hat kaum ein Unternehmen solch wahnwitzige Versprechen abgegeben wie der kalifornische Elektroautobauer Faraday Future (FF), vor fünf Monaten etwa verkündete Entwicklungschef Nick Sampson auf der Technologiemesse CES: "Die Automobilindustrie muss komplett ersetzt werden. Sie werden heute das erste Exemplar einer neuen Spezies sehen." Das war nicht nur ein Angriff auf den Konkurrenten Tesla, sondern auf jede Autoschmiede weltweit.

Nun scheint es, als könne FF kein Geld dorthin schieben, wo das Großmaul ist - weil ganz offensichtlich kein Geld da ist. Zunächst hatte das Unternehmen im Februar verkünden müssen, dass die Eine-Milliarde-Dollar-Fabrik im Norden von Las Vegas nur ein Drittel so groß wie geplant werden würde - in dieser Woche folgte die Ankündigung, die Produktionsstätte erst einmal überhaupt nicht bauen zu können. "Wir haben unser Geschäftsmodell signifikant geändert", sagt Stefan Krause, seit vier Monaten Finanzchef des Unternehmens: "Wir sind kurz davor, eine neue Fabrik zu präsentieren, die es uns erlaubt, schneller mit der Produktion zu beginnen."

In der geplanten Fabrik sollten einmal 13 000 Menschen arbeiten

Das klingt zunächst einmal positiv. Bislang gab es eine Art Batmobil ohne Aussicht auf Serienproduktion (CES 2016) zu sehen, danach ein straßenuntaugliches Formel-E-Rennfahrzeug und schließlich den 1000-PS-Prototypen FF91 (CES 2017). Der soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen, kürzlich feierte das Unternehmen - wie immer mit mächtigem Getöse - den Sieg des Fahrzeugs gegen Teslas Model S P90D beim Pikes Peak International Hill Climb. Mögliche Käufer wurden aufgefordert, eine Anzahlung von 5000 Dollar zu leisten, ohne überhaupt zu wissen, was dieses Fahrzeug am Ende kosten würde. Die Interessenten wussten ja auch noch nicht einmal, ob die Fabrik fertig gestellt würde, in der dieses Auto produziert werden sollte.

Die finanziellen Probleme von FF sind freilich nicht neu. Nevadas Gouverneur Brian Sandoval ließ sich zwar dafür feiern, dass in seinem Bundesstaat neben der Fünf-Milliarden-Dollar-Gigafactory von Tesla eine weitere gewaltige Fabrik gebaut werden sollte, in der mehr als 13 000 Menschen hätten arbeiten sollen. Allerdings warnte Finanzminister Dan Schwartz bereits vor einigen Monaten davor, dass die Firma nichts weiter sei als Betrugsmasche, mit der Investoren abgezockt würden: "Ich bin nicht davon überzeugt, dass Faraday die finanziellen Mittel hat, die Fabrik zu bauen." Er wurde als Pessimist geschimpft, sollte jedoch recht behalten.

Die Aussagen von Krause klingen auch nach Manager-Durchhalteparolen, weil kürzlich bekannt wurde, dass Hauptinvestor Jia Yueting in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Er trat im Mai als Chef des von ihm gegründeten chinesischen Technologieunternehmens Le Eco zurück, kurz darauf auch als Vorstand des börsennotierten Mutterkonzerns Leshi. In der vergangenen Woche dann ordnete ein Gericht in Shanghai an, mehrere private und geschäftliche Konten von Jia, seiner Frau und Geschäftspartnern im Wert von insgesamt 182 Millionen Dollar einzufrieren, weil Kredite nicht bedient worden waren. "Ich bitte jeden aufrichtig darum, Le Eco und seinem Autogeschäft ein bisschen mehr Zeit zu geben", schrieb Jia in einem Statement auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo: "Wir werden unsere Schulden bei den Banken, Zulieferern und allen anderen begleichen." Zuvor waren bereits Jias Leshi-Anteile im Wert von 2,3 Milliarden Dollar für drei Jahre eingefroren worden, die Aktien des Unternehmens wurden immer wieder vom Handel ausgesetzt.

Krause sucht bereits seit Wochen nach neuen Investoren, aufgrund der unsicheren Finanzsituation von Jia und der fehlenden Produktionsstätte bislang offenbar ohne Erfolg. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass die Stimmung am Firmensitz im Süden von Los Angeles ziemlich mies sei. Zahlreiche hochrangige Mitarbeiter sind schon gegangen oder sollen nach neuen Arbeitgebern suchen, weil die finanzielle Schieflage offenbar derart drastisch ist, dass sogar die Zahlung der Gehälter gefährdet sein soll.

Die aktuelle Krise freilich hindert Krause nicht daran, dennoch auch großspurige Ankündigungen zu machen. In einem Statement wird der ehemalige Manager von BMW und Deutsche Bank so zitiert: "Wir wollen uns als führendes Unternehmen im Bereich des nutzerbasierten Personentransports etablieren - mit einem Muster der Fahrzeugnutzung, das den Zugang zu Mobilität neu denkt." Wenn Faraday Future tatsächlich eine Zukunft haben möchte, dann sollte das Unternehmen nun bald Taten folgen lassen.