Mercedes C350 e Hybrid-Lüftchen wird zum Sturm

Bis zu 31 Kilometer sollen sich rein elektrisch mit dem Mercedes C350 e zurücklegen lassen.

(Foto: STG)
  • Innerhalb der nächsten zwei Jahre will Mercedes nicht weniger als zehn Plug-in-Hybride auf der Straße haben.
  • Die Stuttgarter schickten bereits im vergangenen Jahr die Luxuslimousine S500 Plug-in Hybrid an den Start. Nun folgt die C-Klasse.
  • In dieser lassen sich bis zu 31 Kilometer rein elektrisch und damit nahezu lautlos und komplett emissionsfrei zurücklegen.
Von Michael Specht

Noch immer denkt man an Toyota, wenn die Rede von Hybrid ist. Schließlich gilt die japanische Marke als Pionier dieser Technik. Mittlerweile aber legen sich auch die deutschen Autobauer mächtig ins Zeug, allen voran Mercedes. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will man nicht weniger als zehn sogenannte Plug-in-Modelle auf der Straße haben, verspricht zumindest der Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Das sind Hybridautos, die zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden können.

Die Stuttgarter schickten bereits im vergangenen Jahr die Luxuslimousine S500 Plug-in Hybrid an den Start. Nun folgt die C-Klasse, allerdings ohne lange Zusatzbezeichnung. Das Modell heißt schlicht C350 e. Mercedes positioniert die Limousine mit 50 962 Euro Grundpreis zwischen dem C300 (Vierzylinder-Diesel-Hybrid) und dem C400 (Sechszylinder). Das ist alles andere als ein Schnäppchen, es sind fast 9000 Euro mehr als der Benziner C250 kostet - mit demselben Motor, allerdings ohne den elektrischen Zweitantrieb. Und genau dieser macht nicht nur den großen Unterschied, sondern den C350 auch zu einem charakterlich vollkommen anderen Auto. Bis zu 31 Kilometer lassen sich rein elektrisch und damit nahezu lautlos und komplett emissionsfrei zurücklegen. Erst dann schaltet sich sanft der Verbrenner hinzu. E-Maschine, Automatikgetriebe und Vierzylinder sind äußerst harmonisch aufeinander eingespielt und verrichten ihre Arbeit so geschmeidig, dass der Fahrer oft genug auf den Drehzahlmesser schauen muss, um überhaupt zu wissen: welcher Motor läuft hier gerade?

Für Weber ist der Plug-in-Hybrid-Antrieb das Beste aus zwei Welten. "In der Stadt fahren sie rein elektrisch, auf langen Strecken profitieren sie von der Reichweite des Benziners", sagt der Manager. Dass dafür erheblicher technischer Aufwand getrieben werden musste, dürfte klar sein. Die Basis im C350 e bildet ein 211 PS starker Zweiliter-Benziner. Hinzu kommt die E-Maschine mit 82 PS. Sie sitzt ringförmig zwischen Motor und Getriebe. Zusammen erreichen beide Motoren eine Systemleistung von 279 PS und ein bulliges Drehmoment von 600 Newtonmeter.

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Fast wie in einer Sportlimousine

Seinen Strom bezieht der E-Motor aus einem wassergekühlten und 100 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku. Er steckt unter dem Kofferraumboden und schränkt das Ladevolumen nur geringfügig ein. Zählt man alle Teile für den Plug-in-Antrieb zusammen, bringt der C350 e gut 230 Kilogramm mehr auf die Waage. Wer die Plug-in-C-Klasse ein wenig forscher bewegt, meint dennoch, fast in einer Sportlimousine zu sitzen. Auch das durch die Batterie höhere Gewicht auf der Hinterachse hilft der Fahrdynamik.

Serienmäßig ist der C350 e zudem mit einer Luftfederung ausgestattet und bietet insgesamt fünf unterschiedliche Fahrprogramme - von öko bis dynamisch. Im Modus Sport+ unterstützt der E-Motor den Verbrenner beim Beschleunigen nach Kräften (Boosteffekt) und lässt die Limousine in nur 5,9 Sekunden von null auf 100 km/h sprinten. Wichtiger freilich ist die Elastizität. Hier legt der Mittelklasse-Mercedes eine Souveränität an den Tag, die sonst nur noch großvolumige Limousinen schaffen.

Nur nicht in Sachen Verbrauch. Nach der wenig praxisnahen EU-Messung (NEFZ) soll die C-Klasse auf 2,1 Liter/100 km kommen. Und selbst mit leerer Batterie genehmigt sich der C350 e nach Norm nur 4,9 Liter. Der Alltag dürfte irgendwo dazwischen liegen. Dabei hilft nach Kräften die Rekuperation, also die Energierückgewinnung im Schubbetrieb und beim Bremsen. Betätigt man das Pedal leicht, bremst zunächst nur die E-Maschine das Auto ab und dient dabei gleichzeitig als Generator. Erst bei stärkerem Tritt packen die Klötze an den Bremsscheiben zu. Der Übergang ist nicht zu spüren.

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Der Bordrechner regelt den Stromverbrauch

Natürlich hat man der Plug-in-C-Klasse auch unterschiedliche Hybrid-Funktionen mit auf den Weg gegeben. Im E-Save-Modus zum Beispiel hält das System die Batterie auf einem konstanten Ladezustand. Sinnvoll, wenn man weiß, dass demnächst eine Umweltzone kommt. Ähnlich vorausschauend arbeitet das Navi. Erkennt es, dass sich auf der Zielführung Orte mit Einfahrbeschränkung für "normale" Autos befinden - was in einigen Jahren durchaus Realität werden könnte -, regelt der Bordrechner den Stromverbrauch so, dass stets genügend Kapazität in der Batterie bleibt, um die Umweltzonen abgasfrei zu passieren.

Was dem C350 e allerdings noch fehlt ist eine induktive Ladeeinrichtung, vergleichbar einer elektrischen Zahnbürste. Damit würde zumindest zu Hause das lästige Hantieren mit dem Kabel entfallen. In etwa zwei Jahren soll diese Technik, die derzeit zusammen mit BMW entwickelt wird, serienreif sein.