Elektroauto-Verleih 1000 Ladestationen sollen entstehen

Der Fahrer muss das Auto vor dem Gebrauch aufladen. Dazu zieht er aus der Zapfsäule ähnlich wie an einer herkömmlichen Tankstelle einen Hahn und dockt ihn hinten rechts am Blue-Car an. Die wenigen Pariser, die probeweise eine Spritztour in dem Elektroauto unternehmen durften, waren zufrieden. "Das ist eine gute Alternative zu den überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln am Abend", sagte ein junger Mann. Eine junge Frau kündigte sogar an, ihr altes Auto zu verkaufen, um dann Autolib zu nutzen.

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Kritiker monieren, dass der Bau der geplanten 1000 Ladestationen in Paris und den umliegenden Städten wertvollen Platz zum Parken koste. Händler und Anwohner zeigten sich genervt von den Bauarbeiten. Taxifahrer und herkömmliche Autovermieter fürchten eine wachsende Konkurrenz. Ängste bestehen wegen der Explosionsgefahr der Batterien.

Die Grünen bezweifeln grundsätzlich den ökologischen Nutzen des Projekts. Sie halten Autolib für einen "Schwindel" und sähen es lieber, wenn der Autoverkehr in der Stadt reduziert würde. Delanoë hofft, dass die E-Autos die Benziner ersetzen und dadurch ein ökologischer Nutzen entsteht. Der Beweis muss erst noch erbracht werden.

Velib scheiterte daran, Autofahrer auf das Fahrrad zu locken. Dennoch gilt der Rad-Verleih als Erfolg. Die Anzahl der überfahrenen Radfahrer verschweigt die Stadt, die Kosten für Reparaturarbeiten zerstörter Räder redet sie klein. Die Privatfirma JC Decaux, die den Verleih betreibt, macht auch kein Aufhebens darum. Die Werbefirma erhält im Gegenzug von der Stadt Werbefläche. Das zählt.

Beim Autolib ist die Wahl der Stadt auf die Unternehmensgruppe des Geschäftsmannes Bolloré gefallen. Der Sozialist Delanoë will seine hochfliegenden Ziele ausgerechnet mit dem Mann erreichen, der den konservativen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy nach dessen Wahl 2007 auf seine Yacht im Mittelmeer einlud. 1,5 Milliarden Euro hat der Bretone in die Entwicklung des Blue-Car und der Lithium-Batterie gesteckt.

Anfang Dezember gehen erst einmal nur 250 der Kleinwagen an den Start. In sieben Jahren, hofft er, damit Geld zu verdienen. Das Projekt in Paris soll dem Unternehmer als Schaufenster dienen und möglichst viele Käufer anlocken.

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