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Autokauf:Darauf sollten Sie beim gebrauchten Elektroauto achten

Das Elektroauto Nissan Leaf auf einer Busspur in Oslo.

Der Leaf ist das meistverkaufte Elektroauto. Das Nissan-Modell und der Renault Zoe tauchen in Gebrauchtwagenbörsen am häufigsten auf.

(Foto: Nissan)

Stromer aus zweiter Hand sind kaum reparaturanfällig und kosten teilweise die Hälfte des Neupreises. Ein Vorab-Check ist trotzdem wichtig - vor allem wegen der Batterie.

Es gibt viele Gründe, warum Elektroautos in Deutschland immer noch ein Nischendasein führen. Drei werden jedoch immer wieder genannt: Die Reichweite ist zu gering, das Ladenetz ist noch nicht gut genug ausgebaut - und sie sind einfach zu teuer. Zumindest für den letzten Punkt gibt es eine Alternative, die mit zunehmender Verbreitung der Stromer für viele Autokäufer interessant werden dürfte: gebrauchte E-Autos. Zwar ist das Angebot noch überschaubar (etwa 7000 Stromer deutschlandweit versus 1,5 Millionen Fahrzeuge mit anderen Antrieben auf der Auto-Plattform Mobile.de), doch mit den umfangreichen Bonus-Programmen der Hersteller und der Bundesregierung dürfte dieser Markt in den nächsten ein bis zwei Jahren stetig wachsen.

Die Preisersparnisse, die Kunden jetzt schon finden, sind zum Teil enorm: Laut einer Anfrage von Auto Bild beim Restwert-Analysten Schwacke kostet ein VW e-Golf nach vier Jahren mit 18 750 Euro nur noch die Hälfte des Neupreises. Zudem liegen die Reparaturkosten von Elektroautos gemäß einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen 35 Prozent unter denen eines Modells mit herkömmlichem Antrieb. Doch welche Modelle gibt es jetzt schon auf dem Gebrauchtwagenmarkt? Und worauf müssen Interessenten beim Kauf eines Elektroautos besonders achten?

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Am günstigsten ist der Einstieg in die Welt der Elektroautos mit dem Renault Twizy. Ihn gibt es bereits ab 4000 Euro mit Laufzeiten um die 20 000 Kilometer. Ein sonderlich vielseitiges Auto ist der seit 2012 hergestellte Twizy aber nicht. Der Einsitzer leistet in seiner stärksten Ausführung gerade einmal 11 PS und ist maximal 80 km/h schnell. Er ist eher eine überdachte Alternative zum E-Roller. Mehr Platz bieten Mitsubishi i-MiEV und das Schwestermodell Citroën C-ZERO, 2010 die ersten modernen Elektroautos auf dem deutschen Markt. Mit Laufzeiten um die 50 000 Kilometer kosten sie gebraucht heute etwa 7000 Euro. Zu empfehlen sind sie aber nicht - zwar liegt die offizielle Reichweite laut Hersteller bei 160 Kilometer, doch ein Langzeittest in Dänemark zeigte, dass diese Stromer im Realbetrieb gerade einmal 90 Kilometer schaffen. Im Winter sinkt die Reichweite auf 65 Kilometer.

Interessant wird es erst, wenn Käufer bereit sind, mehr als 8000 Euro zu investieren. In diesem Preissegment gibt es die ersten Generationen des Nissan Leaf oder des Renault Zoe. Solide Kleinwagen, die in großer Stückzahl auf dem Markt zu finden sind. Wer noch mehr Geräumigkeit sucht, muss mindestens 20 000 Euro für den Autokauf einplanen. In diesen Preisregionen bewegen sich die ersten Baureihen des E-Golf (ab 2014) oder des BMW i3 (ab 2013). Den Komfort einer Limousine bietet auf dem Gebrauchtmarkt nur das Tesla Model S. Das ist zwar nur halb teuer wie in der Neuanschaffung, kostet aber immer noch mindestens 50 000 Euro.

Eine Million Kilometer und mehr sind kein Problem

Generell gilt bei all diesen Gebrauchtwagen: Je neuer das Auto ist, umso besser. Die Technik der Elektroautos hat sich den letzten Jahren konstant verbessert, wer mehr ausgibt, investiert das Geld in bessere Akkus, einen stärkeren Antrieb und größere Reichweite. Grundsätzlich unterscheidet sich der Kauf eines Stromers aber nicht von dem eines anderen Gebrauchtwagen. Stoßdämpfer und Fahrwerk sind auf das höhere Gewicht ausgelegt und unterliegen vergleichbaren Kräften und Abnutzung wie herkömmlich angetriebene Autos. Die Bremsen halten sogar länger, weil der E-Motor nicht nur beschleunigt, sondern auch verzögert und so die Beläge und Scheiben schont. Volker Blandow, Spezialist für E-Mobility beim TÜV Süd geht sogar so weit zu sagen: "Die Laufleistung spielt beim Elektrofahrzeug, zumindest für die Zuverlässigkeit des Antriebsstrangs, eine untergeordnete Rolle. Eine Million Kilometer oder mehr sind kein Problem - und das komplett wartungsfrei und praktisch ohne nennenswerten Verschleiß."

Ein paar Dinge, auf die Käufer achten sollten, gibt es allerdings - zum Beispiel die Reifen. Durch das hohe Anfahrtsdrehmoment von Elektroautos verschleißen sie schneller. Der ADAC warnt, dass die hinteren Bremsen wegen der geringeren Nutzung schneller rosten. Außerdem empfieht er, die Hochvolt-Leitungen auf Marderbisse zu prüfen.

Die Batterien sind der Schwachpunkt

Das Hauptaugenmerk sollte aber auf der Batterie liegen. Mit zunehmendem Alter lässt ihre Leistung nach. Das ist abhängig davon, wie die Akkus aufgeladen wurden und wie oft, was je nach Nutzung zu geringeren Reichweiten führen kann. Ein erster Eindruck vom Zustand der Batterie lässt sich bei einer Testfahrt gewinnen: Wie reagiert die Reichweite auf den eigenen Fahrstil? Sinkt sie schneller als vom Hersteller angegeben? Um sicher zu gehen, sollten Autokäufer die Batterie beim Markenhändler in der Werkstatt analysieren lassen: "Die Werte geben erste wichtige Hinweise für Interessenten und die Prüfung sollte auf jeden Fall durchgeführt werden", so Blandow vom TÜV Süd.

Wichtig ist auch, wie lange der Hersteller Garantie auf die Batterie gibt. In der Regel sind das fünf bis acht Jahre oder 100 000 bis 150 000 Kilometer. Ist der Akku defekt, heißt das aber nicht, dass sofort die ganze Speichereinheit ausgetauscht werden muss. Bei einigen Modellen wie dem BMW i3, dem VW e-Golf oder dem Nissan Leaf lassen sich einzelne Zellen ersetzen. Das kommt aber nur selten vor. "Unsere Erfahrung ist, dass die Batterien sogar besser halten, als viele Hersteller sagen", sagt Volker Blandow vom TÜV Süd. "Nach mehr als 200 000 Kilometern Laufleistung und sieben bis acht Betriebsjahren sind viele Akkus häufig noch mit 80-90 Prozent ihrer Anfangskapazität in Betrieb." Die Haltbarkeit der Batterieeinheiten dürfte sogar bei 15 bis 20 Jahren liegen.

Wem das immer noch zu unsicher ist, für den bieten einige Hersteller an, die Batterie zu mieten. Je nach Jahresfahrleistung oder der Laufzeit kostet das zwischen 50 und 150 Euro im Monat. Beim Gebrauchtkauf kann der Vertrag entweder vom Vorbesitzer übernommen oder mit dem Hersteller neu abgeschlossen werden. Das ist zwar ein nicht zu unterschätzender Kostenaufwand, hat aber den Vorteil, dass immer die neueste Batterie für Strom sorgt - und garantiert, dass auch das gebrauchte Elektroauto die größtmögliche Reichweite erzielt.

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