bedeckt München
vgwortpixel

Camping im Winter:Winter im Schneckenhaus

Hymer-Wohnmobil auf Basis des Mercedes-Benz Sprinter

Dicke Dämmung, starke Heizung und immer öfter auch Allradantrieb: Viele Wohnmobile wie dieses von Hymer sind für den Winter gerüstet.

(Foto: Mercedes-Benz)

Campen im Schnee ist angesagt, der Markt für die rollenden Heime boomt auch im Winter. Das Problem ist nicht der Komfort, sondern das Gewicht der Fahrzeuge.

Der Mann trägt Badelatschen und Frotteemantel. Unterm Arm ein Handtuch und einen Kulturbeutel. Und das bei bedecktem Himmel und Außentemperaturen von um die null Grad Celsius. Ist das nicht ein bisschen ungemütlich? "I wo", sagt Rainer Kalbe und geht weiter in Richtung Sanitärhaus. "Die paar Meter bringen mich nicht um." Schließlich kommt er aus einem gut geheizten Wohnmobil. Und verschwindet gleich unter der Dusche im Empfangsgebäude des Campingplatzes von Sölden. Für den Mann aus der Nähe von Rottweil gibt es nichts Schöneres als Camping im Winter. "Ich fühle mich wie zu Hause."

Genau das ist es wohl, was viele Menschen zum Camping bringt - das Gefühl, sein Zuhause stets bei sich zu haben. Wie eine Schnecke ihr Schneckenhaus. Zumal sich mit dem Camper zahlreiche Hobbys verbinden lassen - so setzen nach Angaben des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) immer öfter Surfer, Mountainbiker oder Wanderer auf ein Reisemobil oder einen Wohnwagen und sparen sich so die Übernachtung in Hotels oder Jugendherbergen. "Caravaning liegt im Trend", sagt Verbands-Vizepräsident Holger Siebert. "Und es wächst kontinuierlich weiter." Und weil es so gut läuft, peilt die Branche der Auf- und Ausbauer von Campingfahrzeugen in diesem Jahr erneut einen Rekordwert bei den Zulassungszahlen an.

Alpen Hier können Sie stapfen statt wedeln
Winterwandern in den Alpen

Hier können Sie stapfen statt wedeln

Winterwanderwege führen immer öfter durch Skigebiete. Wie Pisten gibt es sie in allen Schwierigkeitsgraden.   Von Stefan Fischer

Auslastungsquoten zwischen 80 und 90 Prozent

Wie gefragt Camping selbst in der dunklen und kalten Jahreszeit ist, zeigt sich auf dem Campingplatz in Sölden. Der Platz ist gut besucht, neben dem Campingmobil von Rainer Kalbe stehen viele weitere Reisemobile und Wohnanhänger. Auch wenn bei Minustemperaturen so mancher Wintercamper seine Gasflasche nach vier oder fünf Tagen ersetzen muss - Platzbetreiber Lukas Kneisl kann von Auslastungsquoten auch in den Wintermonaten zwischen 80 und 90 Prozent berichten.

Ein Paar aus Norwegen wohnt und schläft sogar in einem Tipi-artigen Zelt, in dessen Mitte ein kleiner Ofen für wohlige Wärme sorgt. Doch das ist die Ausnahme: "Die meisten Wintercamper kommen mit eigenen oder angemieteten Fahrzeugen", sagt Kneisl.

Allradantrieb setzt sich zunehmend durch

Und die sind für die kalte Jahreszeit bestens gerüstet: Leitungen und Vorratsbehälter, beispielsweise für Frisch- und Abwasser, sind so isoliert oder direkt neben Heizungsrohren verbaut, dass sie nicht einfrieren können. Und die Außenhaut ist oft zusätzlich gedämmt. Eine dreieinhalb Zentimeter dicke Reisemobilhülle komme in etwa auf einen ähnlichen Dämmwert wie eine 80 Zentimeter dicke Ziegelwand, sagt Bernhard Kibler, Geschäftsführer beim Campingfahrzeughersteller Hymer.

Aber nicht nur dank besserer Dämmung werden die Mobile immer komfortabler. Neben Kühlschrank und Nasszelle gehören oft auch Klimaanlage und Satelliten-TV zur Standardausstattung. Rangierhilfen, Seitenwindassistent und Rückfahrkamera erleichtern den Umgang mit den langen Kisten. Und ähnlich wie Pkw-Käufer zum SUV, so greifen laut Kibler immer öfter auch Reisemobilisten zum Allradler, etwa auf Basis des Mercedes Sprinter. Mit günstigem oder spartanischem Urlaub habe Camping - zumindest im Wohnmobil und Caravan - nur noch selten etwas zu tun, sagt Daniel Rätz vom CIVD. "Man muss auf nichts mehr verzichten."