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Bus-Unfall auf der A 9:Warum brannte der Unglücksbus von Münchberg so schnell aus?

  • Nach dem tragischen Busunfall in Münchberg mit 18 Toten und 30 Verletzten wird die Unglücksursache weiter untersucht.
  • Experten weisen nun darauf hin, dass die Brandschutzanforderungen für Busse nicht so streng sind wie bei Bahnen oder Flugzeugen.
  • So könnte es sein, dass die im Fahrgastraum verwendeten Kunststoffe die Brandwirkung begünstigt haben.

Was genau zum Busunfall in Oberfranken geführt hat und vor allem zu dem Brand, das steht auch am Tag danach noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt. Die Fahnder konzentrieren sich auf den Fahrer, der bei dem Unfall ums Leben kam, als möglichen Verursacher.

Fest steht: Die Mächtigkeit des Feuers erstaunt die Experten. "Alle Brandsachverständigen beschreiben, dass es absolut ungewöhnlich ist, mit welcher großen Geschwindigkeit sich hier das Feuer ausgedehnt hat", sagte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts. Als die Feuerwehrleute nach etwa zehn Minuten zum Unfall gekommen waren, konnten sie fast nichts mehr ausrichten. Tatsächlich warnen Fachleute seit einigen Jahren vor Gefahren bei Busbränden. Im Durchschnitt breche jedes Jahr bei einem von 100 Bussen ein Feuer aus, besagt etwa eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Jahr 2014.

Bus-Unfall auf der A9 Busfahrer als Unfallverursacher unter Verdacht
Bus-Unglück auf A 9

Busfahrer als Unfallverursacher unter Verdacht

Nach dem Bus-Unglück auf der A 9 mit 18 Toten wurde der Firmensitz des Busunternehmens durchsucht.

Wenn etwa eine Leitung leckt, kann sich Kraftstoff entzünden, das kommt bei Autos, Lastwagen und Bussen vor - und einige vermuten darin auch die Ursache für den Brand in Oberfranken. Die Gutachter widersprechen indes Spekulationen, denen zufolge das Fahrzeug bereits vor dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen gebrannt habe. Bislang gibt es dafür keine Hinweise. Vieles spreche dafür, dass der Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger des Lastwagens Feuer gefangen habe.

In neuen Reisebussen sind Brandmeldeanlagen verpflichtend in ganz Europa vorgeschrieben. "Das ist wichtig, um verdeckte Gefahren in nicht einsehbaren Bereichen, zum Beispiel im Motorraum festzustellen", sagt Wolfgang Sigloch vom Sachverständigenverein Dekra, die vor mehr als einem Jahrzehnt bereits auf dieses Risiko aufmerksam gemacht hatten. Zu 75 Prozent brechen die Feuer im Motorraum aus, meist sogar während der Fahrt, haben Forscher der Universität Magdeburg herausgefunden. Auch das Bundesamt hatte deshalb zum Einbau von Brandmeldern im Motorraum geraten, weil die wachsende Bordelektronik anfällig sei. Allerdings kritisierte das Amt schon damals: Es gebe bei einigen Sicherheitsmaßnahmen zu lange Übergangsfristen.

Sachverständige sehen die verwendeten Kunststoffe kritisch

Unklar ist deshalb, ob der Unfallbus - ein Modell des niederländischen Herstellers VDL - damit ausgestattet war. Er war drei Jahre alt und war zuletzt im April 2017 einer Sicherheitsprüfung vom TÜV ohne Beanstandung unterzogen worden, heißt es vom Omnibusverband BDO, bei dem das betroffene Unternehmen Mitglied ist.

Unabhängig von der Ursache des Brandes weisen Sachverständige darauf hin, dass die Fahrzeuge aufgrund moderner Materialen im Unglücksfalle eher schneller in Flammen aufgehen als früher. "Mit der Zunahme von Kunststoffen als Werkstoff für die Inneneinrichtung von Linien- und Reisebussen aufgrund der guten mechanischen Eigenschaften bei niedrigem Gewicht, komme die Frage auf, ob das Sicherheitsniveau bezogen auf Brände in den letzten Jahren gesunken sei - besonders auch im Vergleich mit anderen Transportmitteln", heißt es in der Studie des Bundesamtes. Wegen der Brennbarkeit dieser Materialien sei "die Hauptbrandlast in Busbränden oft nicht mehr der mitgeführte Brennstoff, sondern die Kunststoffe im Bus".