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CO2-Grenzwerte:Diesen Autoherstellern drohen die höchsten Strafen

EU-Staaten für schärfere CO2-Standards

Noch sind fast alle Autohersteller weit davon entfernt, ihre CO₂-Grenzwerte einzuhalten. Schaffen sie es nicht, müssen sie hohe Strafen zahlen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)
  • Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die 13 führenden Automobilhersteller Europas vermutlich die gesetzlichen CO₂-Vorgaben für 2021 verfehlen werden.
  • Nach den Berechnungen eines Beratungsunternehmens kämen auf manche Autobauer deshalb Strafen in Milliarden-Höhe zu.
  • Besonders teuer könnte es für VW werden.

Wie teuer wird es für die Autobauer wirklich? Weil die Kunden lieber verbrauchsstärkere, größere Autos kaufen und viele Elektromodelle erst mit Verzögerung auf den Markt kommen, hängen die CO₂-Vorgaben für 2021 wie ein Damoklesschwert über den Herstellern.

Wie brenzlig die Situation ist, zeigt eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens PA Consulting. Bei einigen Herstellern sind die CO₂-Emissionen zuletzt sogar gestiegen - und das, obwohl die meisten Autobauer schon in den vergangenen Jahren weit davon entfernt waren, die Grenzwerte für 2021 einzuhalten. Dieses Jahr ist besonders wichtig, da ab dann hohe Strafen fällig werden, wenn die verkaufte Fahrzeugflotte im Durchschnitt zu viel CO₂ ausstößt. Laut PA Consulting werden alle 13 führenden Automobilhersteller Europas ihre Ziele für 2021 voraussichtlich verfehlen und mit Strafzahlungen von insgesamt 14,5 Milliarden Euro rechnen müssen.

Besonders hart könnte es trotz eines klaren Bekenntnisses zur Elektromobilität Volkswagen treffen. Das liegt vor allem daran, dass die Wolfsburger vergleichsweise viele Autos verkaufen. Die VW-Flotte dürfte 2021 im Schnitt nur noch 96 Gramm CO₂/km ausstoßen, 2018 kamen die Fahrzeuge jedoch noch auf 121 Gramm. Laut der Analyse von PA Consulting wird sich dieser Wert bis zum nächsten Jahr nur auf 109 Gramm verringern - auch, weil Volkswagen es bis dahin wohl nicht schaffen wird, genug Elektroautos auf die Straße zu bringen. Da sich die Höhe der Strafzahlungen auch nach der Zahl der verkauften Autos richtet, drohen VW Strafen von 4,5 Milliarden Euro.

Bei BMW betonte der Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse zuletzt mehrfach, dass man die 2021-Grenzwerte schaffen werde - auch wenn der CO₂-Ausstoß der Flotte 2018 im Vergleich zum Vorjahr sogar angestiegen war. Die Analysten von PA Consulting gehen dagegen davon aus, dass auch BMW kräftig zahlen muss. Nach ihren Berechnungen etwa 754 Millionen Euro. Ähnlich schlecht sieht es bei Daimler aus. Die Stuttgarter könnten mit fast einer Milliarde Euro belastet werden. Einzig Toyota ist dank seiner langjährigen Erfahrung mit sparsamen Hybrid-Modellen einigermaßen auf Kurs, seine Flottenziele für 2021 zu erreichen.

Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist, zeigen weitere Daten aus der PA-Analyse: Um die CO₂-Grenzwerte doch noch einzuhalten, müssten die Automobilhersteller in Europa mehr als 2,5 Millionen zusätzliche Batterie-Elektrofahrzeuge verkaufen - das entspricht einer Steigerung von 1280 Prozent bis 2021. Unrealistisch erscheint das auch, weil es zuletzt immer neue Meldungen zu verzögerten Produktionsanläufen oder langen Lieferzeiten bei Elektromodellen gab.

So startete zum Beispiel die Produktion für den VW ID.3 zwar schon Ende 2019. Doch wegen Softwareproblemen können die ersten Autos vermutlich erst im Spätsommer diesen Jahres ausgeliefert werden. Und auch wenn alles glatt laufen würde, könnte VW von seinem Massen-Elektroauto 2020 nur 100 000 Stück produzieren.

Gibt es also keine Möglichkeiten mehr für die Autobauer, die Strafzahlungen noch abzuwenden? Michael Schweikl, Automobil-Experte bei PA Consulting, sieht für die Hersteller noch Optionen, die Strafen zumindest zu reduzieren: "Aber die Dringlichkeit der Situation bedeutet, dass sie schnell handeln müssen."

Ein möglicher Hebel: Elektroautos und Plug-in-Hybride mit noch größeren Marketing- und Rabattaktionen versehen, damit sich mehr Kunden für diese Fahrzeuge entscheiden. Das wäre zumindest für die Autokäufer eine gute Nachricht.

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