Umweltverschmutzung Plastiksuppe Mittelmeer

Einwegrasierer, Zahnbürsten, Feuerzeuge - in Milliarden winziger Teilchen zerschlagen. Etwa 500 Tonnen solcher Plastikkrümel schwimmen im Mittelmeer. Forscher warnen davor, dass diese Brühe von Fischen aufgenommen wird und auf unsere Teller gelangt.

Es ist eine ungenießbare Suppe, die über die Mittelmeerküsten von Frankreich, Norditalien und Spanien schwappt: Einwegrasierer, Kabeltrommeln, Zahnbürsten und Feuerzeuge, von den Wellen in Milliarden winzige Teilchen zerschlagen.

Etwa 500 Tonnen solcher Plastikkrümel schwimmen im Mittelmeer, schätzen Wissenschaftler des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer. Und so unappetitlich das auch erscheint: Die Forscher warnen davor, dass diese Brühe auf unsere Teller gelangt.

Denn Fische oder andere Meerestiere halten die Teilchen mit einem Durchschnittsgewicht von 1,8 Milligramm für Plankton und fressen sie; auch Algen besiedeln die Partikel.

Das sind die Ergebnisse einer Expedition, die Mitglieder der "Vereinigung Mittelmeer in Gefahr" im vergangenen Sommer unternommen haben, und die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Die Partikel stammen von Plastikabfall, den Menschen auf den Stränden zurücklassen oder von Schiffen aus ins Wasser werfen; ein großer Teil des Mülls wird auch von Flüssen angeschwemmt oder vom Wind ins Meer geblasen.

Die derzeitige Verschmutzung des Mittelmeers durch Plastikteilchen sei nicht mehr rückgängig zu machen, erklärt der Leiter der Expedition, Bruno Dumontet. Er nannte das Ergebnis der Untersuchung "beunruhigend". Um zu verhindern, dass das Meer eine einzige "Plastiksuppe" werde, müsse man die Verschmutzung an der Quelle eindämmen.

Dazu haben die Initiatoren der Expedition unter dem Motto "un million de clicks pour la Méditerranée" ("eine Million Mausklicks für das Mittelmeer") eine Internet-Petition erarbeitet.

Ziel ist es, in der EU neue Vorschriften für umweltfreundlichere Produkte - vor allem Verpackungen - durchzusetzen. Unter anderem soll der Verbrauch von Einwegverpackungen stärker eingeschränkt werden.

Plastikmüll in Meeren und Ozeanen wurde bereits in den 1990er Jahren als Problem erkannt. Die millimetergroßen Partikel sammeln sich insbesondere in großen Strömungswirbeln. Als größter Müllstrudel gilt der Nordpazifikwirbel, der deshalb auch "Great Pacific Garbage Patch" ("Großer Pazifischer Müllteppich") genannt wird.