Klimawandel Die Ärmsten trifft es zuerst

Überflutete Industrieanlage in Bang Pa-In, Thailand, im November 2011. Das Land ist wie Kambodscha und Pakistan besonders betroffen von Extremwetter.

(Foto: Bloomberg)

Gerade ärmere Länder sind von Wetterextremen wie Stürmen, Überschwemmungen oder Hitzewellen betroffen - und zugleich können sie sich am schlechtesten davor schützen. Sie werden deshalb am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Das geht aus dem "Klima-Risiko-Index" der Entwicklungsorganisation Germanwatch hervor.

Von Michael Bauchmüller

Thailand, Kambodscha, Pakistan - extremes Wetter hat im vergangenen Jahr wieder vor allem solche Länder heimgesucht, denen es auch so schon nicht sonderlich gut geht.

Das ist im neuen "Klima-Risiko-Index" zu lesen, den die Entwicklungsorganisation Germanwatch am Dienstag am Rande der Klimakonferenz in Doha vorgelegt hat.

Der Index vergleicht, in welchen Regionen der Erde desaströse Stürme, Überschwemmungen oder Hitzewellen besonders häufig auftreten. In allen drei Staaten gab es Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen, allein in Thailand starben dabei fast 900 Menschen.

Wie schon in den Vorjahren findet sich unter den fünf am stärksten betroffenen Ländern kein einziger Industriestaat. Noch deutlicher wird das im langfristigen Vergleich. Zwischen 1992 und 2001 etwa mussten Honduras, Myanmar und Nicaragua die meisten Wetterkatastrophen ertragen, allein in Myanmar kosteten sie Germanwatch zufolge mehr als 7000 Menschen das Leben.

Länder wie Deutschland und die Schweiz hingegen folgen auf den Rängen 36 und 37. Die Zahlen beruhen auf einer Datenbank des Rückversicherers Münchner Rück, sie setzen Schäden und Opferzahlen ins Verhältnis zur wirtschaftlichen Kraft und Größe der Länder.

"Schäden sind bereits jetzt harte Realität"

Für Germanwatch sind sie Beleg dafür, dass ärmere Staaten sich am wenigsten vor Folgen des Klimawandels schützen können. "Schäden durch Extremwetterereignisse sind bereits heute harte Realität in vielen Entwicklungsländern", sagte Sven Harmeling von Germanwatch. In der Klimapolitik nimmt dieser Bereich wachsende Bedeutung ein.

Nötig sei ein Finanzmechanismus, um Schäden zu kompensieren, fordert Germanwatch. Das Thema wird auch Gegenstand der Verhandlungen bei der Klimakonferenz in Doha sein, die noch bis Ende nächster Woche andauert. Allerdings lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und häufigerem Extremwetter nach wie vor nur schwer belegen.

Zumindest bei Hitzeperioden ist die Wissenschaft in den letzten Jahren vorangekommen. "Von fünf Hitzewellen lassen sich ersten Erhebungen zufolge vier auf den Klimawandel zurückführen", sagt Stefan Rahmstorf, Forscher am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Schleichende Folgen des Klimawandels, etwa durch steigende Meeresspiegel, werden von der Germanwatch-Studie nicht erfasst.