Was lernen Geschwister voneinander und beim Streiten miteinander und welche Konstellation ist am harmonischsten? Die Beziehung zu den Geschwistern entscheidet nicht nur über die eigene Entwicklung, sondern auch über die Zukunft der Familie.
"Eine fette, missgestaltete Person spielt plötzlich die Hauptrolle. Ich werde aus dem Bett meiner Mutter vertrieben, mein Vater strahlt angesichts des brüllenden Bündels. Der Dämon der Eifersucht hat seine Krallen in mein Herz geschlagen, ich bin rasend, weine, scheiße auf den Boden und beschmutze mich. Mein großer Bruder und ich, ansonsten Todfeinde, schließen Frieden und machen Pläne, wie man das abscheuliche Geschöpf auf verschiedene Weisen umbringen kann." So erinnerte sich Ingmar Bergman, der schwedische Filmemacher, an seine Gefühle nach der Geburt seiner jüngeren Schwester.
Die Beziehung zu den Geschwistern ist die längste Beziehung unseres Lebens. (© Foto: getty)
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Derart heftige Emotionen gegenüber Brüdern und Schwestern sind nach Ansicht von Geschwisterforschern normal - Hass ebenso wie Liebe. "Es ist typisch für die Beziehung zwischen Geschwistern, dass negative und positive Gefühle gleichzeitig stark vorhanden sind", sagt der Münchner Entwicklungspsychologe und Familienforscher Hartmut Kasten. Obwohl diese Dynamik seit Urzeiten existiert, beschäftigen sich Wissenschaftler erst seit etwa 25 Jahren intensiv mit Geschwisterforschung. Inzwischen ist klar: Brüder und Schwestern prägen mindestens so stark wie Eltern.
Der Einfluss ist groß, allein schon wegen der vielen Zeit, die Geschwister miteinander verbringen. Schon Einjährige haben mit Geschwistern etwa gleich viel Umgang wie mit der Mutter. Im Alter von drei bis fünf Jahren verbringen Kinder doppelt so viel Zeit mit ihren Brüdern oder Schwestern wie mit der Mutter. "Die Beziehung zu den Geschwistern ist die längste Beziehung unseres Lebens", sagt Kasten. "Im Laufe des Lebens folgt die Geschwisterbeziehung meist einer U-Kurve", sagt Franz Neyer, Persönlichkeitspsychologe an der Universität Jena. "Große Nähe in der Kindheit, dann Loslösung in der Pubertät; am größten ist die Distanz normalerweise, wenn jeder mit Beruf, Partner und eigenen Kindern beschäftigt ist. Im Alter wird die Beziehung dann oft wieder sehr eng."
In den ersten zwei Jahren ihres gemeinsamen Lebens gehen Geschwister durch drei Phasen: Von der Geburt des Jüngeren bis etwa zum achten Monat sind alle neugierig und lernen sich kennen. Die zweite Phase, die etwa bis zum 16. Monat des jüngeren Geschwisters dauert, ist oft extrem schwierig: Das Baby wird zum Rivalen. Es wird mobil, Konflikte entstehen, etwa wenn es sorgfältig aufgetürmte Bauklötze des Erstgeborenen umwirft oder sich dazwischendrängelt, wenn das ältere Kind mit der Mutter kuschelt. In der dritten Phase, die etwa vom 17. bis zum 24. Monat dauert, nimmt die Rivalität wieder ab - was Streit nicht ausschließt.
Laurie Kramer von der University of Illinois in Urbana hat herausgefunden, dass Geschwister im Alter zwischen drei und sieben Jahren 3,5 Mal pro Stunde aneinandergeraten. Im Alter zwischen zwei und vier Jahren gibt es sogar alle zehn Minuten Krach. Das kann Eltern den letzten Nerv kosten, und auch für die Kinder ist es anstrengend, aber lehrreich: "Die Geschwisterbeziehung bietet Entwicklungsmöglichkeiten, die andere nahe Beziehungen nicht haben", schreibt die Psychologin Jennifer Jenkins von der University of Toronto. Nach Ansicht von Laurie Kramer brauchen Kinder mehr soziale und emotionale Kompetenzen, um mit Geschwistern klarzukommen als mit den Eltern. Mütter und Väter geben oft nach, Geschwister dagegen sind gleichberechtigte und hartnäckige Partner, zumindest wenn der Altersabstand nicht zu groß ist. Um miteinander zurechtzukommen, müssen Brüder und Schwestern früh lernen, "klar zu kommunizieren, zu verhandeln und Konflikte zu beenden", schreibt Kramer. Grundvoraussetzung für all das ist die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und Verständnis für seine Gefühle und Gedanken zu haben.
Großer Bruder - kleine Schwester oder umgekehrt: Welche Kombination funktioniert am besten? Mehr dazu auf der folgenden Seite.
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Streit um Parteispitze bei der Linken
Es wurde nirgends geschrieben, dass Jungs besser die "großen Brüder" sind. Es steht in dem Artikel lediglich, dass das Verhältnis entspannter ist. Das das tatsächlich so sein kann...WARUM NICHT? Über die Akzeptanz der Rollen kann man streiten.
Ach ja: ich bin eine Frau... und bin durchaus der Meinung, dass Männer und Frauen in gewissen Dingen unterschiedlich sind. Und das ist auch gut so. Gleichberechtigung hat nichts mit gleich sein zu tun.
Wie wirksam Ideologiebrillen sind, erkennt man an PC-Emanzen, die immer noch glauben, dass alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen Erziehungssache seien.
Noch mal langsam:
1.) Der Artikel behauptet, Jungen seien besser zum älteren Geschwisterkind, Mädchen besser zum jüngeren geeignet, weil damit die angeblichen "männlichen Eigenschaften" und "weiblichen Eigenschaften" helfen würden, a) "die Anerkennung der Eltern" zu finden, und zwar b) "weil sie den erwarteten Rollenstereotypen entsprechen". Anerkennenung, Rollenstereotype - nicht Genetik, sondern (fragwürdige) Sozialisierung.
Die SZ beschreibt das als allgemeingültig (d.h. uneingeschränkt), fragt nicht einmal nach Wertewandel, ja, weist nicht einmal darauf hin, ob diese fröhliche Behauptung überhaupt von moderner (!) Forschung belegt wurde. [Und: Selbst letzteres würde nicht ausschließen, daß unsere Gesellschaft sich bereits in 5 Jahren so weiterentwickelt hat, daß die gleiche Studie andere Ergebnisse hätte. Wissenschaftler wären die ersten, die das zugeben.]
2.) Die "männlichen Eigenschaften" und "weiblichen Eigenschaften" wurden bezeichnenderweise nicht näher genannt - da darf man sich ruhig mal fragen, ...
3.) Die Wortwahl: Der Junge "kann und darf" seine angebliche Natur "ausleben". Das Mädchen hingegen "passt (...) gut" in die ihm zugedachte "Rolle". Das ist ein so angestaubtes Geschlechterverständnis, daß es lustig wäre, wenn es nicht immer noch in den Köpfen vieler Menschen herumspukte. Im Jahr 2010!
g_hammer, ich weiß zwar nicht, wie Du von "Wie verhalten sich Geschwister?" auf "Spielt das Äußere eine Rolle in der Partnerwahl?" kommst... und zu folgern, die "grundlegenden regeln der Natur (=Evolution)" erkannt zu haben. Tatsache ist: Niemand bestreitet genetische Unterschiede zwischen Mann und Frau. Sie aber als Grund dafür heranzuziehen, wie unterschiedlich (manche) Frauen und Männer je gelebt haben oder zufälligerweise gerade heute leben, ist bekanntlich Unfug. Offenbar sind die genetischen Unterschiede sehr viel kleiner als oft und gern behauptet. Aber "das war schon so, als ich Kind war, das muß Genetik sein" ist für manche immer noch ein schlagendes Argument. Übrigens ist das nicht nur frauen-, sondern auch männerfeindlich: Es richtet sich auch gegen jene Männer, die nicht ihre - angeblich genetisch verankerte - Rolle ausfüllen. Ganz abgesehen davon, daß eine Gesellschaft, die 50% (oder gar 100%) ihrer Mitglieder in ihrer freien Persönlichkeits- und auch Leistungsentfaltung behindert, sich auch in puncto wirtschaftliche (und künstlerische usw.) Leistung ins Knie schießt... was nicht "hart" oder "ungerecht" ist, sondern dumm.
ein großer Teil von Verhaltensweisen ist in den genetischen Anlagen verankert. Dies trifft auch auf die geschlechtlichen Unterschiede zu. Kurz gesagt: Männer versuchen ihre Gene möglichst über Frauen weiterzuvererben, welche durch ihr Äußeres versprechen gesund zu sein und die Nachkommen ernähren und aufziehen zu können. Frauen wiederum suchen Männer, welche durch ihr Äußeres versprechen die gesund und kräftig zu sein, sowie ausreichen Resourcen zu bieten, welche die Ernährung und das Heranwachsen sicherstellen. Das sind die grundlegenden regeln der Natur (=Evolution). diese Regel wird in modernen Industriegesellschaften durchbrochen - durch die gesellschftlichen Errungenschaften: Soziale Absicherung + medizinische Versorgung.
Das Leben ist hart UND ungerecht.
"die Kombination großer Bruder, kleine Schwester mit drei bis vier Jahren Altersunterschied. (...) Der Junge kann und darf seine männlichen Eigenschaften als großer Bruder ausleben. Das Mädchen passt mit seinen weiblichen Eigenschaften gut in die Rolle der kleinen Schwester. Beide finden die Anerkennung der Eltern, weil sie den erwarteten Rollenstereotypen entsprechen."
Wie darf ich das im Artikelkontext verstehen?
männliche Eigenschaften = Weg weisend, dominant, der geborene Lehrer und Anführer?
weibliche Eigenschaften = unterordnend, nachahmend und fremde Führung suchend?
Selbst *falls* ein Wissenschaftler so etwas verzapft haben sollte, erwarte ich von der SZ im Jahre 2010, daß sie das nicht mit rührender Naivität nur nachschreibt. Die Frage, wie den ältere Brüder und jüngere Schwestern in Zeiten sich ändernder Rollenvorstellungen mit ihren männlichen und weiblichen "Eigenschaften" zurechtkommen, bleibt bezeichnenderweise ungestellt.
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