Product Placement beim Oscar-Selfie Samsungs langer Arm

Das ist jetzt aber mal so richtig spontan: Etliche Showstars fotografierten sich während der Oscar-Verleihung mit einem Gerät des Hauptsponsors Samsung

Das Selbstporträt der Oscar-Moderatorin im Kreis der Stars war kein reiner Zufall: Samsung hat dafür bezahlt, dass das Gerät in der Show auftaucht.

Von Kathrin Werner, New York

Es ist ein Selfie, das so schnell wohl niemand überbieten kann. Ellen DeGeneres, die Moderatorin der Oscar-Verleihung, hat die Schauspiel-Stars zum modischen Selbstporträt via Smartphone auf der Oscar-Bühne um sich herum versammelt (wir berichteten). Dabei sind: Meryl Streep, Brad Pitt, Angelina Jolie, Kevin Spacey, Jennifer Lawrence, Lupita Nyong'o, Bradley Cooper (der letztendlich auslösende Finger) und noch ein paar mehr.

DeGeneres strahlt wie man eben strahlt in diesem erlauchten Kreise. DeGeneres twittert das Foto noch auf der Bühne - es wird binnen einer halben Stunde das Bild, das am häufigsten von anderen Twitterern weiterverteilt wurde seit Anbeginn der Twitter-Geschichte. Auch wenn, wie das bei Handy-Fotos eben so ist, alle ein wenig verzerrt und leicht unscharf in die Kamera grinsen. Klingt nach einem unschuldigen Spaß der Moderatorin, war aber wohl nicht ganz so frei von Hintergedanken.

Denn das Selfie - das Oxford English Dictionary hat diesen Begriff für die Schnappschuss-Selbstporträts übrigens zum englischen Wort des Jahres 2013 gekürt - musste natürlich mit einem Smartphone aufgenommen werden. Und da endet der Zufall.

Samsung, der koreanische iPhone-Rivale, ist nämlich einer der größten Sponsoren der diesjährigen Oscar-Verleihung. Und DeGeneres hat das Selfie mit einem Samsung Galaxy geknipst - beziehungsweise von Cooper knipsen lassen, dessen Arm länger ist.

20-Millionen-Dollar-Einsatz

Samsung hat dem Werbungs-Marktforscher Kantar Media zufolge rund 20 Millionen Dollar für die Anzeigen bei der Oscar-Gala bezahlt, es liefen in den Werbepausen auch allerlei ganz normale Werbespots für die Geräte aus Südkorea. Teil des Werbedeals zwischen Samsung und dem Fernsehsender ABC, der die Preisverleihung ausstrahlte, war aber auch etwas, was man Product Placement nennt. Samsung hat dafür bezahlt, dass die Geräte irgendwann im Laufe der Show ins Bild kommen, ohne dass es für den Zuschauer als Werbung erkennbar ist.

Der Hersteller besteht darauf, dass er nicht explizit für DeGeneres' Selfie bezahlt hat. Recherchen des Wall Street Journals zufolge hat ABC der Moderatorin aber nahe gelegt, für die Schnappschüsse ein Samsung zu verwenden statt ihr privates iPhone. Samsung-Mitarbeiter mussten ihr erst einmal beibringen, wie man das Galaxy überhaupt verwendet. Hinter der Bühne twitterte und knipste sie dann wieder mit ihrem iPhone. Für Samsung war es ein riesiger Werbeerfolg.

Product Placement hat eine Reihe von Vorteilen aus Unternehmenssicht: Man bekommt die Verteilung in sozialen Medien wie Twitter kostenlos dazu, die Zuschauer können nicht in der Werbepause auf Toilette gehen oder Bier holen und das Produkt wirkt wie ein selbstverständlicher Teil des Lebens statt wie ein Werbegegenstand.

"Eine große Überraschung" sei das Selfie gewesen, teilte Samsung mit. Zum Dank spendet das Unternehmen drei Millionen Dollar an zwei Stiftungen nach Wahl von DeGeneres.

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