Mario Götzes Transfer zum FC Bayern Von Guardiola ins Paradies gelockt

Eine Klausel macht den Wechsel möglich - und Mario Götze erfüllt sich den Traum, für seinen Lieblingstrainer Pep Guardiola zu spielen. Der Transfer des BVB-Wunderkindes zum FC Bayern trifft Dortmund vor allem in sportlicher Hinsicht. Ein Sieg gegen Real soll nun bei der Frustverarbeitung helfen. Wie reagieren die Fans?

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Als in der Nacht von Montag auf Dienstag die Nachricht vom bevorstehenden Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern auf bild.de auftauchte, war deren Inhalt für Borussia Dortmunds Chefetage keine Neuigkeit mehr. Götzes Berater, der Kölner Volker Struth, hatte vor zehn Tagen BVB-Sportmanager Michael Zorc und den Vorstandschef Hans-Joachim Watzke ebenso fristgerecht wie schnörkellos informiert, dass sein Klient zum Saisonende die vertraglich abgemachte Ausstiegsklausel nutzen werde, um nach München zu wechseln.

Dass sich das vereinbarte Stillschweigen über den Großtransfer nicht lange würde halten lassen, war den Beteiligten schon damals klar. Wie es aus BVB-Kreisen heißt, habe man nach dem Aufkommen der Steueraffäre um Uli Hoeneß damit gerechnet, dass die Nachricht von Münchner Seite nun schnell an die Medien lanciert würde. Die für den FC Bayern großartige Nachricht, den europaweit umworbenen Götze als spektakulären Zugang präsentieren zu können, lenkt von anderen Schauplätzen ab.

Selbst die in Götzes Arbeitsvertrag fixierte Ablösesumme von 37 Millionen Euro, die aus München nach Dortmund überwiesen werden, kann man beinahe noch als gute Nachricht betrachten, denn der Marktwert des Dortmunder Tausendsassas dürfte im Moment noch ein paar Milliönchen höher liegen.

Während sich Watzke und Zorc am Dienstag nicht persönlich zu dem Verlust ihres wertvollsten Spielers äußern wollten, merkte die dürre Pressemitteilung nur spitz an, dass sich der FC Bayern in der Transfersache Götze bislang nicht beim BVB gemeldet habe. Sollte wohl heißen, dass man es für miserablen Stil halte, mit dem abgebenden Verein nicht einmal Kontakt aufzunehmen.

Bald jubelt er für die Bayern: Dortmunds Mario Götze.

(Foto: REUTERS)

Dass die Nachricht zum strategisch ungünstigen Zeitpunkt für Dortmund kommt, pünktlich zum Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid an diesem Mittwoch, sei in München wohl angesichts der Schärfe der Hoeneß-Debatte ein willkommener Nebeneffekt gewesen, heißt es beim BVB. In der Dortmunder Mannschaft wurde die Meldung von Götzes Wechsel offenbar erstaunlich nüchtern aufgenommen. Der 20-Jährige scheint keinen seiner Mitspieler vorab informiert oder auch nur Andeutungen gemacht zu haben - dem Vernehmen nach nicht mal gegenüber seinem Kumpel Marco Reus.

Reus wird von derselben Spieleragentur beraten, die auch für Mario Götze sowie für andere Nationalspieler wie etwa Toni Kroos und Benedikt Höwedes arbeitet. Die fußballerische Extraklasse Götzes wird in der Mannschaft geschätzt und künftig sehr vermisst werden, als Meinungs- oder Stimmungsführer allerdings gilt er nicht. Dafür war er wohl schon in den letzten beiden Jahren seines wundersamen Aufstiegs zu sehr auf sich selbst und auf die eigene, individuelle Karriere konzentriert.

Obwohl Götze schon mit neun Jahren zum BVB kam, hielt sich seine Identifikation mit der Mannschaft und dem oft apostrophierten "Projekt" spürbar im lauwarmen Bereich - im Unterschied zu vielen seiner Teamkollegen. Als Dortmund im vergangenen Jahr eine Verlängerung des Vertrages mit dem Wunderkind gelang (von 2014 auf 2016), äußerte Götze zwar artig, dass jeder wisse, "wie wohl er sich beim BVB und in der Stadt" fühle und dass er an der "Entwicklung der tollen Mannschaft weiter teilnehmen wolle" - zugleich aber ließen sich Götze, Berater Struth und Vater Jürgen Götze, Professor für Elektrotechnik an der TU Dortmund, die Vertragsverlängerung mit einer gestaffelten Ausstiegsklausel versüßen.

Schon mit der Vertragsunterschrift, so hatte es Dortmunds Chef Watzke mehrfach angedeutet, war der früher oder später geplante Abschied von Götze so gut wie besiegelt. Allerdings sollen Struth, Götze und dessen einflussreicher Vater den BVB-Machern zuletzt häufiger signalisiert haben, dass es "für 2013 nicht geplant" sei, die Ausstiegsklausel gleich bei der ersten Gelegenheit zu ziehen.