Leverkusen begnügt sich mit Platz drei, dem BVB reicht die Europa League, Frankfurts Trainer will nicht international spielen. Dahinter steckt eine Taktik.
Schritt für Schritt haben sie sich nach oben geschlichen, und fast hätte es niemand bemerkt. Erst als Eintracht Frankfurt den FC Bayern in letzter Minute besiegte und zwei Wochen später Leverkusen eine schmerzhafte Niederlage zufügte, wurde Fußball-Deutschland aufmerksam. Jetzt träumt ganz Frankfurt von der Europa League. Ganz Frankfurt? Nein! Ein Mann leistet Widerstand, ein selbsternannter Realist, der oft im dunklen Anzug auftritt und im Vergleich zu manchem Kollegen eher unscheinbar wirkt. Es sagt Sätze wie "Die Eintracht ist noch nicht bereit für Europa" oder "Platz acht ist derzeit das Maximum".
Bild vergrößern
BVB-Trainer Jürgen Klopp ist mit der Europa League zufrieden. (© Foto: ddp)
Anzeige
Der Mann heißt Michael Skibbe und ist Trainer in Frankfurt. Er behauptet, der Verein sei nicht gefestigt, der Kader nicht ausgeglichen genug für den Europapokal. Dabei holte die Eintracht in der Rückrunde mehr Punkte als Leverkusen oder Hamburg, die einen Platz im internationalen Wettbewerb unmissverständlich zum Saisonziel erklärt haben. Doch Skibbe warnt: "Man hat an Hertha BSC Berlin gesehen, wie gefährlich es ist, wenn man eine Saison über seine Verhältnisse spielt. Und wie es ist, wenn man dann international spielen muss, obwohl der Kader für Liga und Europacup gar nicht gut genug ist."
In dieser Einschätzung mag viel Wahrheit stecken, doch hinter Skibbes Aussagen verbirgt sich eine Taktik. Wer Platz acht als "Maximum" bezeichnet, wer immer wieder darauf hinweist, dass die Strukturen und die Spieler eigentlich nur für einen Mittelfeldplatz taugen, der kann schon einen siebten Platz als überraschenden Erfolg verkaufen, einen sechsten gar als Sensation. Ausschlaggebend für dieses unerwartet gute Abschneiden war dann natürlich: der Trainer - denn er hat ja mehr aus der Mannschaft herausgeholt, als eigentlich in ihr steckt. Fans und Medien sollen sich hinterher fragen: Was für ein Genie muss dieser Trainer sein? Wie hat er das bloß gemacht?
Wer aber öffentlich verkündet, man wolle Titel holen oder den Europapokal erreichen, der setzt sich der Gefahr des Scheiterns aus und wird schnell zum Buhmann. Das trauen sich die wenigsten. Dazu kommt der psychologische Aspekt: Sobald ein Trainer forsche Ziele formuliert, steigt der Druck auf die Mannschaft. Wenn es in Richtung Europa League gehen soll, erwarten die Fans einen Sieg nach dem anderen, und die Medien lauern begierig auf den nächsten Ausrutscher gegen ein Team aus der Abstiegszone. Der siebte Platz wäre dann eine Enttäuschung, der achte käme gar einer Katastrophe gleich. Experten würden dann vermutlich urteilen, Trainer und Spieler hätten das große Potential, das in der Mannschaft steckt, leichtfertig verschleudert. Oder sie wären am großen Druck zerbrochen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundesliga RSS
- Nationalelf: Kevin Kuranyi Einen Spalt geöffnet 16.04.2010
- Fußball: Traditionsklubs Kerker mit 20 Insassen 14.04.2010
- Hamburger SV Jérôme Boateng will zu Manchester City 13.04.2010
- FC Bayern: Franck Ribéry Der Wellenbrecher 17.05.2010
- Bundesliga: 1. FC Nürnberg Sieger auf Euro-Suche 17.05.2010
- Bundesliga: Relegation Jungbrunnen für Franken 16.05.2010
- FC Augsburg: Einzelkritik Wütende Bolzer 14.05.2010
Bundespräsident zur Islam-Debatte
Absolut unsäglicher Artikel.
Es ist schon unglaublich ´nervig und langweilig, wenn Fernseh-Reportern wirklich gar nichts besseres einfällt als die Trainer zu ihren Erwartungen für den Saisonschluss auszuquetschen und nachzubohren, ob sie sich nicht doch zu einer etwas gewagteren Aussage hinreißen lassen. Schließlich interessiert das niemanden. Manchmal glaub ich, das interessiert nicht mal die entsprechenden Fragesteller selbst, sondern die müssen halt ihre Sendezeit vollbekommen und sind zu faul, sich interessantere Fragen auszudenken (wozu ja auch etwas Fußballverstand gehören würde, und man müsste sich auf dem Laufenden halten und all so was.)
Was macht die Süddeutsche? Bringt auch noch im Internetz einen zweiseitigen Artikel, der keinerlei Neuigkeitswert enthält und wo sich ein entsprechender Mensch ausschließlich über seine Befindlichkeit zu den Beweggründen der Trainer auslässt, sich zu ihren Zielen auszuschweigen beziehungsweise tiefzustapeln. Seine Befindlichkeit, wohlgemerkt, denn die Beweggründe liegen ja ohnedies auf der Hand.
Habt ihr Schwierigkeiten, eure Bandbreite auszureizen oder was?
Auch wenn Erfolg im Sport sehr schwer planbar ist, bin ich eher ein Freund davon, wenn die sportlich Verantwortlichen ihre realistischen Ziele offensiv formulieren.
Und wenn man vier Spieltage vor Ende noch in Schlagdistanz zu Platz 6 ist, noch gegen einen Absiegskandidat, zwei Klubs aus dem Niemandsland der Tabelle und einen direkten Konkurrenten spielt, dann sollte man auch alle Hebel nach vorne legen. Was bringt es da, Platz 8 als Maximum zu deklarieren?
...völlig wirkungslose Möchtegern-Psychologie.
"Ich sag' jetzt mal, wir wollen das gar nicht, dann haben die Spieler keinen Druck"
Natürlich will bei Schalke jeder vom Platzwart bis zu Magath Meister werden. Ist ja auch völlig ok, wenn man bis zum Ende ganz oben mitspielt.
Gilt entsprechend für die Ziele CL und EuroLigue für Leverkusen, Dortmund und Frankfurt
Und natürlich wollen das die Spieler auch und sind deswegen entsprechend nervös. Da hilft dieses eher peinliche ständige "Runterreden" von Ansprüchen gar nichts.
Dortmund müßte ja nicht nur Trainer-seits bekloppt sein, wenn sie nicht mit aller Macht in die CL wollen. Da will jeder Spieler hin und der Verein hat gleich mal 20 Mio sicher verdient. Eine komplett andere Dimension als die Euro-League....
Deswegen geht allen da oben jetzt die Düse, weil jedes Spiel ein Endspiel ist. Da kann der Trainer nach außen sagen, was er will.
auch der SVW spricht offen davon in die CL zu wollen, und sie werden es auch schaffen. Leverkusen kann dann ja vierter werden.
Mal ehrlich, wer in der Bundesliga spielt, sollte auch das Ziel haben, mitzumischen. Diese "Mittefled genügt"-Aussagen sind doch Panne. Und genau so sollte Schalke und ein paar andere, die da oben in der Tabelle seit Jahren immer wieder auftauchen, nur ein Ziel kennen, den ersten Platz. Was soll der ganze Zirkus denn sonst? Dann könnte man sich ja auch am Saisonanfang hinsetzen und die Plätze ausdiskutieren.
Paging