FC Bayern nach dem Pokalfinale Mehr Geld für weniger Fehler

Der FC Bayern möchte seine Mannschaft so lange verstärken, bis der Verein auch national wieder vor Borussia Dortmund liegt. Das Geld dazu haben die Münchner. Nur: Jürgen Klopp hat mit seinen Dortmundern nicht nur 28 Spiele in Serie nicht verloren, sondern auch fünf Mal gegen die Bayern gesiegt. Irgendwo in der Münchner Rechnung steckt ein Fehler.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Nach dem Abpfiff haben die Bayern doch noch einen Rekordversuch gestartet. Der ist ihnen vermutlich sogar geglückt, denn erinnerlich ist es nicht, dass das Wort "Fehler" je zuvor in einer so kurzen Zeitspanne in derart vielen Formen variiert worden ist.

Benannt wurden "eklatante Fehler" (Kapitän Lahm), "klare Fehler" (Trainer Heynckes), "solche Fehler" (wieder Lahm), "Leichtsinnsfehler" (Ehrenpräsident Beckenbauer), "dann wieder Fehler" (Lahm), "zu viele individuelle Fehler" (Beckenbauer), "unglaubliche individuelle Fehler" (Vorstand Rummenigge), kurzum: "unsere Fehler" (Lahm).

Weil Fußballer schnellstmöglich vergessen sollten, und weil nun als nächstes die Briten, die Blauen vom FC Chelsea, anreisen, darf man ihnen an dieser Stelle sicher einmal mit der Zitatenschleuder schlechthin kommen. Winston Churchill ist zwar längst tot, aber seine Analyse hat überlebt: "Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen."

Das heißt, projiziert in die erschütterte Gegenwart des FC Bayern: Lieber fünf Fehltritte gegen Dortmund, als am kommenden Samstag auch nur einen Fehler zu viel im Finale der Champions League.

Wisch und weg? Wenn's nur so einfach wäre. Fünf Tore sind ein enormer Ballast, und sie wiegen in der Erinnerung von Tag zu Tag ein bisschen schwerer. Es bedarf allerlei psychologischer Kunstgriffe des Trainerstabs, das in Berlin Erlittene zu verdrängen. Doch die Verabredung mit Chelsea hat auch einen Vorteil: So wird dieses 2:5 nicht der letzte Eindruck der Saison sein, es bleibt eine Chance, das Resultat vor einer dreimonatigen Ligapause zumindest zu verdrängen.

Dahoam die Nummer zwei

Denn in dieser Pause wird der Verein verkraften müssen, was Klubchef Rummenigge in seiner Berliner Trauerrede besiegelte: Es gebe da eine Mannschaft in der Republik, die "im Moment national über uns steht". Mit dem europäischen Silberpokal im Arm wäre es leichter, dahoam die Nummer zwei zu sein.

Verdrängt vom Wirken eines Mannes, den die Bayern einst selbst hätten holen können. Anstelle von Jürgen Klopp entschieden sie sich 2008 für Jürgen Klinsmann, der mit einem Versprechen antrat, wie es jetzt ausgerechnet in Dortmund realisiert wurde: Jeder Spieler scheint dort jeden Tag ein bisschen besser geworden zu sein.

Ob Klopp auch in München funktioniert hätte? Das ist Spekulation. Mit Borussia benötigte er eine längere Anlaufzeit, die er bei den Bayern kaum bekommen hätte, um seine stolze Serie zu entwickeln: Sechster, Fünfter, Meister 2011, Meister 2012, Pokalsieger 2012 ...

Die Gegenstrategie? Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat sie jüngst verraten, sie hat Tradition und birgt kein Geheimnis: "Wir werden unsere Mannschaft so lange verstärken, bis wir wieder alleine sind. Und: Wir haben das Geld dazu." Geld, das hatten sie immer. Klopp indes hat nicht nur 28 Spiele in Serie nicht verloren, sondern auch fünf Mal gegen die Bayern gesiegt. Irgendwo in der Münchner Rechnung steckt also ein Fehler. Und womöglich ist das kein Leichtsinns-, sonder ein echter Denkfehler.

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