DFB-Elf nach Testspiel Für England reicht es immer

Erstes Kopfballtor für die Nationalmannschaft: Per Mertesacker

(Foto: dpa)

Es läuft viel schief für die deutsche Elf beim 1:0-Erfolg gegen England, Bundestrainer Löw muss wegen Blessuren ständig umstellen. Dass der DFB-Tross dennoch erfreut wieder nach Hause reist, liegt an Per Mertesacker, der wohl so gut spielt wie noch nie.

Von Thomas Hummel, London

Als die letzte Frage beantwortet war, kam der gut erzogene Herr Löw aus Schönau im Schwarzwald heraus. Er nahm sich das Mikrofon und sagte in einem badischen Englisch: "Thanks to England, we enjoyed. See you in Brazil." Und verschwand.

Die Engländer haben den Gruß selbstverständlich wohlwollend entgegen genommen. Auch wenn ihnen in diesem Moment etwas unwohl dabei war, dass ein deutscher Fußball-Bundestrainer nach einem Gastspiel im Londoner Wembley-Stadion schon wieder betonen darf, was es für ein Genuss war, hier gewesen zu sein. Und den Germans bei der WM begegnen? Lieber nicht.

1:0 hatte Löws Auswahl gewonnen, und auch wenn es nur ein Testspiel war: Seit 1975 ist das DFB-Team sechsmal nach London gekommen und jedes Mal durfte der Bundestrainer danach England danken und erzählen, wie schön es war. Sechs Auswärtssiege in Serie - rechnet man das Champions-League-Endspiel im vergangenen Jahr zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund mit, ist das Wembley-Stadion der erfolgreichste Ort des deutschen Fußballs der vergangenen Jahre.

Dabei war vor und während der Partie am Dienstagabend so viel schief gelaufen bei den Deutschen. Fast eine ganze Mannschaft war ausgefallen, wegen Verletzungen und weil Löw seine Stammspieler Lahm, Neuer und Özil zur Erholung nach Hause geschickt hatte. In der zweiten Halbzeit musste Löw wegen Blessuren so häufig umstellen, dass schwer zu verfolgen war, wer nun gerade wo spielte.

Sieg der DFB-Elf gegen England Glanzlos mit doppeltem Bender

Wieder ein Standard-Tor: Dank eines Kopfballs von Per Mertesacker gewinnt das auf acht Positionen umformierte deutsche Team 1:0 in Wembley. Sven und Lars Bender drängen sich im defensiven Mittelfeld kaum auf. Dortmund bangt vor dem Duell mit den Bayern um zwei Verteidiger.

Besonders schmerzlich traf es Borussia Dortmund: Linksverteidiger Marcel Schmelzer beklagte Schmerzen in der Wade und blieb in der Halbzeit in der Kabine. Innenverteidiger Mats Hummels verließ nur 20 Minuten nach seiner Einwechselung wieder den Platz. "Er hat sich den Fuß vertreten", berichtete Löw später. Im Hinblick auf die vielleicht schon saisonentscheidenden Heimspiele am Samstag gegen den FC Bayern und am Dienstag gegen den SSC Neapel dürfte den BVB-Verantwortlichen vor dem Fernseher ziemlich mulmig geworden sein in diesem Moment. Die genaue Diagnose am Mittwoch trugt nicht gerade zur Aufheiterung bei: Schmelzer fällt rund drei Wochen aus, Hummels muss vermutlich bis Januar pausieren.

Der Hamburger Heiko Westermann verließ mit einem "dicken Knie" (Löw) das Feld, und auch Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng habe einen Schlag gegen seine Ferse erhalten, sein Mitwirken am Samstag in Dortmund ist aber nicht gefährdet. Dem Krankenstand nach zu urteilen, hätte es sich um eine Fußballschlacht in einem WM-Halbfinale handeln können. Doch dafür war das spielerische Niveau bei diesem Testspiel dann doch zu betrüblich.

Den Deutschen reichte es, wie schon gegen Italien am Freitag, in der Defensive ordentliche Arbeit zu verrichten. Es half dabei, dass zunächst beide Bender-Zwillinge im defensiven Mittelfeld aufliefen. Sven und Lars sind bekanntermaßen tadellos in der Verteidigung des eigenen Strafraums und in taktischer Disziplin unübertrefflich. "Mit beiden Benders bin ich sehr zufrieden", lobte Löw und führte aus, sie hätten "die Räume gut geschlossen". Den Räumeschließern hat es zusammen auch gut gefallen: "Wir ergänzen uns gut, haben blindes Verständnis. Es war toll, mal wieder neben ihm auf dem Platz zu stehen", sagte Sven.

Den Rest erledigte Per Mertesacker.

Der Innenverteidiger vom FC Arsenal hatte wegen einer Grippe am Freitag gegen Italien gefehlt, nun führte er die auf acht Positionen veränderte Mannschaft an seinem Wohnort London als Kapitän aufs Feld. Joachim Löw ist ein bekennender Per-Fan, doch eine Schwärmerei diesen Ausmaßes hatte man selbst von ihm noch nicht gehört. "Der Per hat zuletzt hervorragend gespielt. Er organisiert die Abwehr, gibt ihr Stabilität, ist immer am richtigen Platz. Er hat ein unheimlich gutes Gefühl, wo er zu stehen hat", sagte Löw - und urteilte, dass sich der 1,95 Meter große Hüne in der Premier League in den Kategorien "Wendigkeit und Beweglichkeit nach vorne entwickelt hat".

Reaktionen nach dem 1:0 "Freuen uns über schönen Abschluss in England"

Die deutsche Nationalmannschaft hat den nächsten Sieg in England eingefahren und mit dem 1:0 das gute Länderspiel-Jahr 2013 erfolgreich beendet. Ersatz-Kapitän Per Mertesacker erzielte in seiner Wahlheimat den Treffer des Tages.

(Video: SID)