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WM-Playoffs Portugal gegen Schweden:Comandante Ronaldo zerstört Ibrahimovics Traum

Dem einen gelingen drei Tore, dem anderen zwei: Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic sind beim Spiel Portugal gegen Schweden einmal mehr die Hauptdarsteller. Ronaldo darf nun nach Brasilien, Ibrahimovic muss daheim bleiben - und teilt unmissverständlich mit, was er davon hält.

Von Lisa Sonnabend

Zlatan Ibrahimovic kratzte sich am Kinn, doch er blickte so entschlossen, dass vorherzusehen war, was folgte. Der 32-Jährige donnerte einen Freistoß aus 18 Metern in die linke Torecke. Zack, Treffer. Der zweite, denn vier Minuten zuvor hatte der Schwede per Kopf getroffen und nun stand es 2:1 für Schweden. Es fehlte nur noch Tor, und Ibrahimovic hätte Portugal den WM-Platz abgeluchst.

Doch dann, fünf Minuten später, die 77. Spielminute: Cristiano Ronaldo rannte von der Mittellinie los, er hatte einen langen Pass von Hugo Almeida antizipiert, zog alleine vor dem schwedischen Torhüter ab, mit links. Zack, Treffer. Ibrahimovic, der auf der anderen Seite des Feldes stand, klatschte anerkennend.

Nur zwei Minuten später: Diesmal passte Joao Moutinho, Ronaldo war erneut zur Stelle, dribbelte den schwedischen Torwart aus. Zack, Treffer. Ronaldo schrie enthemmt. Er breitete die Arme aus - so als könne er fliegen. Alle rannten auf den Stürmer zu, Ersatzspieler, Assistenztrainer, bis Ronaldo unter einem Berg von Menschen verschwunden war. Ein Wunder, dass seine Frisur nicht verrutschte. Diesmal klatschte Ibrahimovic nicht, er blickte zu Boden.

Portugal führte nun 3:2, es war der Endstand. Auch das erste Tor kurz nach der Halbzeitpause hatte der 28-jährige Stürmer von Real Madrid erzielt, das einzige Tor im Hinspiel ebenso. Ronaldo hatte mit seinem Hattrick Ibrahimovics WM-Träume zerstört.

Es gibt nur wenige Mannschaften, die derart von einer einzigen Figur beherrscht werden wie die beiden Teams, die am Dienstagabend in der Friends Arena in Solna aufliefen. Schon vor Anpfiff war es nicht das Duell Schweden gegen Portugal, sondern das Duell Ibrahimovic gegen Ronaldo. Die beiden Hauptdarsteller machten dann genau das, was Medien und Fußballfans von ihnen erwartet hatten. Sie spielten ein Drehbuch nach, das sich kein Regisseur hätte dramatischer ausdenken können. Es wirkte, als seien sie die einzigen beiden Spieler auf dem Platz.

Umso tragischer, dass eine der beiden Figuren bei der WM nicht dabei sein kann. Denn viele Ibrahimovics oder Ronaldos hat der Fußball nicht. Akteure, die mit ihrer Spielweise faszinieren, mit ihrer Art polarisieren. Die arrogante Diva Ronaldo, so zumindest das Klischee, bekommt nun in Brasilien einmal mehr einen großen Auftritt. Das grobe Großmaul Ibrahimovic muss wie schon 2010 vom Fernseher aus zuschauen.

Als der Schlusspfiff fiel, stürmten wieder alle auf Ronaldo zu. Sie drückten ihn, jeder einzeln, mit grün-roten Fahnen auf den Schultern, sie nahmen ihn in die Mitte und hüpften ungestüm. Ein Anhänger auf der Tribüne schwenkte ein Plakat, darauf stand: "Comandante Ronaldo".

Alle portugiesischen Zeitungen druckten am nächsten Morgen Fotos von Ronaldo auf der Titelseite. "Der neue König", textete der Correiro da manhã. "Der beste Cristiano Ronaldo, den es je gegeben hat, führt Portugal zur WM nach Brasilien", schrieb die Zeitung Diário de Noticias. "Dank an einen spektakulären Ronaldo", stand im Jornal de Notícias. Die spanische Zeitung Marca schrieb: "Wie Gott".

Ronaldo selbst betonte nach der Partie auch noch einmal, wem das Land die WM-Teilnahme zu verdanken hatte: "Ich habe heute meinen Job erledig. So wie ich es zuletzt auch schon getan habe."

Auch Ibrahimovic wählte nach der Partie unmissverständliche Worte. "Ich muss sagen, dass Portugal besser war. Ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll", sagte er. Doch dann sprach er doch noch. "Eines ist sicher. Eine WM ohne Zlatan lohnt sich gar nicht anzuschauen."

© Süddeutsche.de/mikö
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