Bayern-Aufsichtsräte zweifeln an Hoeneß Öffentliche Zurückhaltung

Öffentlich halten sich alle zurück. Manche Sponsoren lehnen jede Stellungnahme ab, andere äußern sich wie eine Sprecherin der Hypo-Vereinsbank: "Bei den Anschuldigungen gegen Uli Hoeneß handelt es sich um eine Privatangelegenheit." Ein Aufstand der Sponsoren droht dem FC Bayern derzeit jedoch nicht. Die Mannschaft spielt schönen und erfolgreichen Fußball, in dessen Glanz sich die Sponsoren gerne sonnen. Vorsorglich wollen die Bayern sie in einem Brief jedoch beruhigen.

Große Solidarität mit Uli Hoeneß

Nach dem Sieg gegen den FC Barcelona beenden die Bayern-Protagonisten ihr Schweigen zur Lage ihres Präsidenten. Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer würdigen Hoeneß als "anständigen Kerl". Jupp Heynckes greift die Medien an. Von Carsten Eberts mehr ...

Nervosität könnte sich vielleicht bei der Allianz breit machen, lebt der Versicherer doch besonders vom Vertrauen seiner Kunden. Eine Verbindung zu Steuerhinterziehung könnte sich für den Namensgeber der 2005 eröffneten Fußball-Arena negativ auswirken. Aber auch die Allianz schweigt. Von ihr sitzt kein Vertreter im Aufsichtsrat von Bayern; Uli Hoeneß ist jedoch Mitglied des Aufsichtsrats der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG, der deutschen Allianz-Vertriebsorganisation.

Dass im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG vor allem Vertreter der Hauptsponsoren sitzen, möge unter sportlichen Gesichtspunkten richtig sein, nicht aber im Sinne sauberer Unternehmensführung, findet Manuel Theisen. Der Professor für Betriebswirtschaft aus München und Experte für Corporate Governance sieht die Manager in einem Interessenskonflikt: "Die Vertragspartner sitzen gleichzeitig in Organen auf beiden Seiten." Damit erfüllten sie eine wichtiges Kriterium für Aufsichtsräte nicht: Sie seien nicht unabhängig genug.

Denn sie müssen als Bayern-Aufsichtsräte im Interesse des Vereins entscheiden. Was aber, wenn aus der Sicht ihrer Unternehmen ein Ausstieg bei Bayern geboten wäre? Eine klassische Interessenskollision, meint Theisen. Für den Professor ist jener des FC Bayern daher der "klassische Fall eines Aufsichtsrates, der falsch besetzt ist." Zumal die Kontrolleure den Vorsitzenden Hoeneß, der kraft Amtes als Präsident des Vereins und damit des 80-Prozent-Eigners an der AG deren Aufsichtsratsvorsitzender ist, "nur moralisch unter Druck setzen" könnten. "Feuern können sie ihn nicht."

Garantiert unversöhnlich

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