Bastian Schweinsteiger beim DFB Der Chef ist mürrisch

Beim 3:0 in der WM-Qualifikation in Kasachstan zeigt Bastian Schweinsteiger eine auffallend emsige Leistung. Steht er auf dem Platz, ist er das Zentrum des Spiels. Doch er muss sich weiterhin starker Konkurrenz erwehren - und wird wohl erst in der nächsten Saison wieder für den DFB spielen.

Von Thomas Hummel

Bastian Schweinsteiger hat nun 98 Länderspiele. Das sind ganz schön viele, das haben sonst nur elf Fußballer in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geschafft. Unter anderem Michael Ballack, der am Freitagabend 4000 Kilometer entfernt betont staatsmännisch im ZDF-Studio das 3:0 in der WM-Qualifikation in Kasachstan analysierte.

Für Michael Ballack war die aktive Karriere in der Nationalmannschaft nach dem 98. Einsatz (es war eine Niederlage in München gegen Argentinien) vorbei. Bei Schweinsteiger sieht es derzeit danach aus, als würden noch eine Menge Partien für den DFB kommen. Erstens ist Kevin-Prince Boateng mit dem AC Mailand schon aus der Champions League ausgeschieden und ohnehin zum Kämpfer für das Gute und gegen Rassismus auf dem Fußballplatz mutiert. Zweitens würde der Bundestrainer einen Schweinsteiger auch nach einer weiteren schweren Verletzung wohl in den Kader zurückholen, anders als damals einen Ballack.

Der Vize-Kapitän vom FC Bayern München zeigte auf dem Kunstrasen in Astana eine auffallend emsige Partie. Wenn Schweinsteiger auf dem Platz steht, verkörpert er das Zentrum des Spiels. Ganz wie beim FC Bayern ließ er sich von den Innenverteidigern den Ball zupassen, um die Spielzüge einzuleiten. Er versuchte, im Mittelfeld der Helfer in allen Lagen zu sein und bei Gelegenheit sprintete er nach vorne in den Raum des Mittelstürmers, der bisweilen freiblieb. Schweinsteiger bereitete die erste Großchance von Mario Götze perfekt vor, erzielte das 1:0, auch wenn Thomas Müller das Tor für sich beanspruchte und Schweinsteiger ihm zugestand: "Letztendlich ist die Hühnerbrust vom Thomas noch im Weg gewesen. Ohne die Berührung wäre der Ball, glaube ich, auch nicht reingegangen." Gönnerhaft fügte Schweinsteiger in Richtung Müller hinzu: "Von mir aus kann er das Tor ruhig haben."

Schweinsteigers Brust hat hingegen nichts gemein mit einem Huhn, dem breitschultrigen Mannsbild aus Oberaudorf mangelt es nicht an körperlicher Präsenz - sie drückt Erfahrung und Führungswille aus. Genau das schätzt Joachim Löw an ihm, auch deshalb hatte der Bundestrainer bei der Europameisterschaft an ihm festgehalten, obwohl Schweinsteiger nach diversen Verletzungen merklich nicht fit gewesen war. Am Ende war das jedoch ein Grund für das Scheitern im Halbfinale.

Darauf angesprochen hatte Schweinsteiger vor dem Spiel in Kasachstan erklärt: "Ich möchte nicht in der Vergangenheit kramen. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, gesund zu sein. Ich habe fast vier Monate gefehlt in der vergangenen Saison. Da ist es nicht einfach zurückzukommen, aber mir ist es gut gelungen."