Smartphone-App für Wanderrouten Mit dem Handy über alle Berge

Immer dem Smartphone hinterher: Bergsteiger in den Alpen

(Foto: iStockphoto.com)

Ein Navi für Bergsteiger: Die Alpenvereine aus Deutschland, Österreich und Südtirol haben eine eigene Smartphone-App für Wanderrouten in den Alpen entwickelt. Das ist praktisch, birgt aber auch Gefahren.

Von Sarah Kanning, Benediktbeuren

Im strömenden Regen zeigt das Smartphone stur geradeaus, mitten über den Parkplatz, der knöcheltief unter Wasser steht. "Wir gehen außen herum, das geht auch", entscheidet Georg Rothwangl. Er muss es wissen, schließlich hat er die Smartphone-App mitentwickelt und kennt die Strecke gut.

Die rote Spur auf dem Telefon blinkt wütend, dann justiert sie nach und führt den Wanderer schließlich um Pfützen, Parkplatz und Bauernhof herum: "Nach sieben Metern links abbiegen", steht auf dem Display wie bei einem Navigationsgerät für Autos. Weiter geht's. Nach ein paar hundert Metern geht es auf den Wanderweg der Bayerischen Voralpen.

Höhepunkte ganz nah

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Mit dem Handy in die Berge zu gehen, die Idee ist nicht ganz neu. Mit alpenvereinaktiv.com, einer Smartphone-Anwendung mit Internetauftritt, wagen sich jetzt aber zum ersten Mal auch die Alpenvereine Deutschland, Österreich und Südtirol gemeinsam ans Netz - und setzen dabei sowohl auf begeisterte Wanderer, die ihre Routen ins System einpflegen, als auch auf die Sektionen der Alpenvereine, die als Experten die Wanderungen ihrer Regionen hochladen.

alpenvereinaktiv.com soll als offene Online-Plattform zum Informationsaustausch dienen und eine kostenfreie Alternative zu Wanderkarten sein, mit denen man sich zwar gut vorbereiten kann, im Gelände aber doch Gefahr läuft, einmal eine falsche Abbiegung zu nehmen. "Wir wollen das beliebteste Portal der Ostalpen werden", sagt Georg Rothwangl.

Die Handy-App enthält viele wichtigen Informationen für Wanderungen in den Bergen. Das "Risiko Mensch" kann sie aber auch nicht ausschalten. Grafik: SZ

Tour in Echtzeit aufzeichnen

An diesem verregneten Sommertag schlängelt sich die Tour, die zur Überquerung der Benediktenwand führen soll, erst einmal gemächlich durch den Ort Benediktbeuren.

"Entlang der Bahnhofstraße geht es über die Hauptkreuzung und schließlich links in die Maria-Brunn-Straße zum Beginn des Lainbachtals", erscheint jetzt auf dem Smartphone. Wer sich die Tour schon vorher aufs iPhone oder Android geladen hat, ist unabhängig vom Internet-Empfang. Nur das Satellitennavigationssystem GPS muss man einschalten, damit das Telefon die Spur des Wanderers schrittgenau mitverfolgen kann.

Über allen Gipfeln ist Ruh, zum Kuckuck

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Damit kann der Bergwanderer seine Tour auch in Echtzeit aufzeichnen lassen und zu Hause noch einmal nachschauen, wie denn die gemütliche Hütte am Berggipfel hieß oder wie viele Höhenmeter er geschafft hat. Er kann die Wanderung aber auch für Nachahmer ins System stellen.

Bald soll man Touren vorab am PC planen können

40 000 Touren sind auf dem Portal bereits abzurufen - obwohl es noch nicht einmal möglich ist, die Strecke aufzunehmen, also zu tracken, und sich gleichzeitig vom Navi lenken zu lassen. "Aber da sind wir dran", verspricht App-Entwickler Rothwangl.

Möglichst bald soll auch die Möglichkeit dazukommen, dass man Touren am Computer planen und dann aufs Handy laden kann. Jetzt schon bietet die App Fotos, ein Höhenprofil, eine Beschreibung der Tour mit Kilometerangabe, Anforderungen und erwartete Wanderzeit sowie spezielle Autorentipps.

Langsam geht es am Lainbach entlang Höhenmeter für Höhenmeter aufwärts. Noch gibt es nicht viel falsch zu machen, erst auf 1040 Meter teilt sich zum ersten Mal der Weg. Der Handyakku aber saust Prozent um Prozent der vollständigen Entleerung entgegen.