Biathlon-Kurs für Teenager Skaten statt chillen

Willkommene Abwechslung: "Das Schießen macht einfach Spaß", sagt die Tochter.

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Die 16-jährige Tochter ist nicht gerade scharf aufs Langlaufen. Doch beim Biathlon-Training mit einem Profi vergisst sie sogar zu fragen, wie lange sie das noch mitmachen muss.

Von Johanna Pfund

"Muss ich wirklich langlaufen? Wie lange?", fragt die 16-jährige Theresa zum wiederholten Mal. Ja! Wenigstens ein Versuch, nach Jahren der Abstinenz. Denn im Alter von elf Jahren hatte sie erklärt, dass der Sport im Langlaufverein ihr keinen Spaß mehr macht. In der Zwischenzeit haben andere Hobbys mehr Anklang gefunden: Chillen, Chatten oder gelegentlich Skifahren. Dabei wäre Langlaufen doch so gut für die Fitness, die sie durchaus anstrebt, nur ein bisschen anstrengend, zugegebenermaßen. Jetzt probieren wir, Mutter und Tochter, es noch mal aus. Mit einem Profi.

Tamara Simonlehner ist ein solcher und kaum älter als meine Tochter. Die 18-Jährige unterrichtet an der Skischule Ramsau und kennt sich ziemlich gut aus in der Sportart. Bis vor einem Jahr gehörte sie dem österreichischen C-Kader im Biathlon an. Sie begrüßt ihre beiden Schülerinnen an diesem Samstag im Langlaufstadion von Ramsau - Ausgangspunkt für 220 Kilometer Loipen - ohne große Umschweife. "Ich bin die Tamara." Keine Frage danach, ob vielleicht jemand nicht ganz so viel Lust auf Langlauf hat. Und das akzeptiert die Tochter ohne Diskussion.

Sofort geht es in die erste Technikrunde, Skating steht auf dem Programm. Einen Ski in die feste Klassik-Spur, mit dem anderen im Halbschlittschuhschritt anschieben. "Das ist der Siitonen-Schritt", erklärt Tamara. Der Finne Pauli Siitonen machte diese Technik in den 1970ern bekannt, sie wurde zum Vorläufer der Skating-Technik. "Technik sollte immer am Anfang der Einheiten stehen", erklärt Tamara ernst. Wer wie sie einmal eine gewisse Leistungsstufe erreicht hat, kennt sich aus mit Übungen.

"Strafrunde!", ruft Theresa, wenn die Mutter mal wieder daneben geschossen hat

Daher gibt es kein Pardon: mit Stöcken, ohne Stöcke, aufwärts, abwärts, sich gegenseitig ziehen und schieben. Oder gemeinsam einen Stock halten und den anderen umschubsen. Ehrgeiz entwickelt Theresa beim Wettrennen im Slalom um bunte Hütchen. "Schaut, dass ihr vor den anderen kommt", ordnet Tamara an. Theresa, offenbar gestählt durch das tägliche Gedränge am Schulbus, schiebt sich ein ums andere Mal auf den Siegerplatz vor mir. "He, du bist Zweite", stellt sie mit einem Grinsen fest. Okay, ist ja schon gut. Selbst auf einen eintägigen Kurs lässt sich Tamaras Erkenntnis, die sie beim Leistungssport erworben hat, übertragen: "Man darf nicht aufgeben, muss auch die schlechten Phasen überwinden."

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Die Frage, wie lange sie denn laufen müsse, hat meine Tochter jetzt schon lange nicht mehr gestellt. Sie hat auch wenig Zeit dazu, weil Abfahren ansteht. Das ist gut fürs Gleichgewicht, erklärt unsere Trainerin. Variante eins: rauf auf den Hügel im Langlauf-Funpark und mit Anlauf über die Sprungschanze. Ohne Zögern springt die 16-Jährige drüber. Ich hinterher. Gut gegangen. Variante zwei: Zur Gleichgewichtsübung geht es hinaus aus dem Stadion, einen steilen Anstieg hinauf. Gut, dass Tamara bald stoppt und uns Richtung Tiefschneeabfahrt dirigiert. Leider trägt der Schnee an diesem Tag einen festen Harschdeckel. Eine falsche Bewegung, und die schmalen Skispitzen graben sich tief ein - man landet im Schnee. "Es kann nichts passieren", versichert Tamara. "Einfach hinsetzen. Wollt ihr noch mal?" Die Antwort meiner Tochter: "Ja, noch mal."

Der aufregendste Teil des Trainings kommt am Nachmittag: Biathlon. Die Kombination aus Anstrengung beim Laufen und ruhiger Konzentration beim Schießen ist für Theresa neu und macht sie neugierig. Ein Mini-Lasergewehr-Schießstand steht neben dem Trainingshügel im Stadion zur Verfügung. Die Ansage von Tamara lautet: eine Runde hinauf - natürlich nebenbei die Aufstiegstechnik üben, Gewicht auf eine Seite und so weiter - eine Runde durchs Stadion, kurz vor dem Schießstand die Stöcke abnehmen, auf die Matte werfen oder hinstellen und schießen. Für jeden Fehlschuss gibt es eine Strafrunde wie bei den richtigen Biathleten. "Strafrunde!", ruft meine Tochter begeistert, wenn ich einen Fehlschuss getan habe. Ein Blick auf ihre Scheibe zeigt: Sie hat, wie ich, auch nur drei Schuss drin. Eine Runde nach der anderen drehen wir, mit ständigem Vergleich. Mal hat die eine alle fünf Schuss drin, mal die andere. Es läuft auf Gleichstand raus. "Das Schießen macht einfach Spaß", stellt Theresa fest.

Wirklich Spaß macht Langlaufen aber nur, wenn der Untergrund passt. In dieser Hinsicht sind die Ramsauer erfinderisch, wie man bei einer Fahrt mit dem Loipenspurgerät erfährt. "Muss ich da mit?", fragt die Tochter. Ja, und es lohnt sich. "Das mit dem Snowfarming haben wir erfunden, die anderen Wintersportorte haben es uns nur nachgemacht", erklärt der Loipenchef Sebastian Erlbacher. "Wir haben 40 000 Kubikmeter Schnee gemacht und gelagert. Damit sind wir für die kommende Saison gerüstet", erklärt er stolz. Ob Theresa da noch mal wiederkommt zum Langlaufen? Da kann man keine realistische Prognose wagen. Ihr Fazit ist immerhin besser als erwartet: "War schon okay."

Ein 30-minütiger Laserbiathlon-Kurs kostet 15 Euro, www.skischule-ramsau.at; weitere Informationen unter www.schladming-dachstein.at

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