Das Dokument listet auf 17 Seiten auf, wie die Vernehmungsbeamten in Guantanamo versuchen sollten, einen Terroristen als solchen zu erkennen und zu bewerten. Besonders verdächtig ist demnach ein Gefangener, wenn er:
Anzeige
- von al-Qaida finanziert nach Iran, Pakistan oder Afghanistan gereist ist,
- dabei eine der üblichen Al-Qaida-Routen genutzt hat,
- an einem Al-Qaida-Trainingslager teilgenommen hat und
- zugegeben hat, Mitglied von al-Qaida zu sein.
Pech hatte auch, wer zum Zeitpunkt seiner Verhaftung eine 100-Dollar-Note besaß oder eine Casio-Uhr der Marke F-91W trug - ein weitverbreiteter Zeitgeber, der unter Al-Qaida-Bombenbauern offenbar beliebt war. Selbst die Erklärung, als Honigverkäufer oder auf Brautschau im Land zu sein, war verdächtig. Dutzende dieser zwischen Banalität und Absurdität schwankenden Faktoren mussten die Vernehmungsbeamten auf Guantanamo abfragen, in der Hoffnung, so etwas über den Terroristen im Gegenüber zu erfahren.
"Die Matrix ist eine sehr vereinfachte Sicht auf die Dinge, natürlich gibt es für Experten Möglichkeiten, die über das hinausgehen, was auf dem Papier zu finden ist", sagte Jim Clemente, Ausbilder des Guantanamo-Verhörpersonals, dem National Public Radio.
Viele Interviewer hätten allerdings nicht einmal die Sprache des Verdächtigen gesprochen und seien deshalb auf Übersetzer angewiesen gewesen. Das Ergebnis habe sich dann oft so angehört, als sei stille Post gespielt worden.
Vielversprechender erschien da offenbar, die Gefangenen nach anderen Gefangenen zu befragen. Wenn ein Insasse zu berichten wusste, dass ein anderer Al-Qaida-Mitglied sei, war dies offenbar genug. Und um die Redseligkeit zu steigern, so berichtet der NPR-Blog, soll den malträtierten Gefangenen sogar ein besonderes Angebot gemacht worden sein. Ein Happy Meal von einer führenden Burgerbraterei.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- Guantanamo RSS
- Enthüllungen zu Guantanamo Wikileaks: Das letzte Hurra? 26.04.2011
- Wikileaks-Enthüllung Einst Guantanamo-Häftling, heute US-Verbündeter 26.04.2011
- Was die Guantanamo-Dokumente verraten Wir wissen nicht, was wir nicht wissen 28.04.2011
- Guantanamo-Enthüllung Schlaglicht auf Bushs Schattenknast 25.04.2011
- Guantanamo-Protokolle Al-Qaida soll "atomaren Höllensturm" geplant haben 25.04.2011
- Brisante Dokumente Geheimpapiere zu Guantanamo enthüllt 25.04.2011
- USA: 9/11-Prozesse Guantanamo statt Manhattan 05.04.2011
(sueddeutsche.de/mcs)
Reiseknigge: Türkei
Den heimlich-bösen Trend hatten wir doch schon immer:
Lauter ganz nette Präsidenten
oder die "School of the Americas"
der Schandfleck der USA im Schatten der Freiheitsstatue.
("Unterricht in Terror")
"Die "School of the Americas" und die Militarisierung Lateinamerikas. Von Stefan Fuchs. SWR2 Wissen vom 15.04.2011. Mehr als 60.000 Militärs aus Süd- und Mittelamerika wurden an der "United States Army School of the Americas" in den USA ausgebildet. Ihre Absolventen bildeten ein grenzübergreifendes militärisches Netzwerk, das die Gesellschaften südlich des Rio Grande mit Terror, Folter, Entführungen und Massenhinrichtungen überzog."
http://mp3-download.swr.de/swr2/wissen/sendungen/2011/04/swr2wissen_20110415_unterricht_in_terror.12844s.mp3
http://de.wikipedia.org/wiki/School_of_the_Americas
Es gibt einen Gerichtshof der UNO in Den Hag, es gibt einen Menschenrechtsrat der UNO, es gibt Kirchen und Glaubensgemeinschaften - aber kein Aufschrei gegen die systematischen Menschenrechtsverletzungen durch die USA. Wann endlich distanzieren sich Staaten und Regierungen von solchen "Freunden"?
Ich bin auch gegen eine Untergrabung der deutschen Sprache, aber wenn das angeboten Essen nunmal "Happy Meal" heißt, dann bringt es auch nix, wenn man "Glückliche Mahlzeit" schreibt.
Ihre alberne Deutschtümelei "ist an impertinenter Borniertheit und Ignoranz nicht zu übertreffen". Bei einem Thema, das von Folter und groben Verstössen gegen die Menschenrechte handelt, eine Diskussion über einzelne Begriffe vom Zaun zu brechen, ist schlicht geschmacklos. (Von welchem deutschen Wortstamm leiten Sie übrigens "Borniertheit" und "Ignoranz" ab?).
@dieschweigendemehrheit: Ich habe nicht etwa die beiden Formen des Massenmordes gegeneinander aufgerechnet oder einen mit dem anderen entschuldigt, sondern vielmehr das Verschweigen des einen kritisiert. Alles andere ist Ihre Interpretation. Im Übrigen waren die KhmerRouge eine Folge des Überfalls der USA auf das neutrale Königreich Kampuchea.
@franklin01 Diese beiden Großmächte stellen sich selbst allerdings weder als die Bewahrer des Freidens noch als "lupenreine" Demokratien dar. Ich glaube sehr wohl, dass man von den Verbrechen des einen reden kann, ohne die der anderen immer zu erwähnen.
Ich empfinde es als dreiste Zumutung, wenn ein SZ-Artikel mit "Happy Meal"
überschrieben steht. Ich erwarte von einer renomierten deutschen Tageszeitung,
daß sie die deutsche Sprache verwendet und einen Leser nicht erst vor das
Rätsel eines fremdsprachlichen Ausdruck stellt. Nicht jeder hat ein Fremdsprachen-
lexikon zur Hand; und Englischkenntnisse vorauszusetzen, wenn man die deutsche
SZ liest, ist an impertinenter Borniertheit und Ignoranz nicht zu übertreffen.
Sie folgen damit einem sehr üblen Zeitgeist, der sich von der eigenen Sprache und
Kultur abwendet, ja sie verkommen läßt und sich einer völlig falsch verstandenen
Art von Globalisierung unterwirft. Unterwerfung ist der richtige Ausdruck. Die
Bildungs- und Erkentnisfunktion der Sprache gerät durch solche journalistischen
Gedankenlosigkeiten in Vergessenheit. "Das Reinigungswerk des Geistes muß
bei der eigenen Sprache beginnen" (Hugo v. Hofmannsthal). Bitte schreiben Sie
mit mehr Verantwortung. Gruß Gisbert v. Heyden
Paging