Im Streit über den deutsch-polnischen Stiftungsrat sieht Vertriebenen-Präsidentin Steinbach Berlin am Zug - und schimpft auf Deutschlands "politische Klasse".
Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach hat der Bundesregierung im Streit über ihren Sitz im Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" Bedenkzeit bis nach Weihnachten gegeben. "Der Ball liegt jetzt bei der Bundesregierung", sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".
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Umstrittene Personalie: Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) (© Foto: ddp)
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Die schwarz-gelbe Regierung solle während der Weihnachtsfeiertage über die Forderung ihres Verbandes beraten, frei über die Besetzung des bislang freigehaltenen Platzes im Stiftungsrat zu entscheiden. Es sei eine "Frage der Freiheitsrechte", dass Schwarz-Gelb dem Verband das Recht auf die Entscheidung zustehe, auch sie selbst zu nominieren. "Unser Verband lässt sich das einfach nicht gefallen, wie mit ihm umgegangen wird von einem Teil der politischen Klasse", sagte Steinbach.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat mit einem Veto gedroht, falls der Bund der Vertriebenen (BdV) darauf pocht, seinen dritten Sitz im Stiftungsrat mit Steinbach zu besetzen.
Indes hat der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die Haltung von Westerwelle kritisiert. Westerwelle mache sich "die Argumentation unserer polnischen Nachbarn leider zu eigen", sagte Bosbach am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Beziehungen zu Polen könnten nicht dadurch verbessert werden, dass man den Bund der Vertriebenen (BdV) in der Debatte um den Stiftungsbeirat brüskiere. So könne "Versöhnung nicht funktionieren".
Rückendeckung erhielt Westerwelle hingegen von seinem Amtsvorgänger Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Fraktionsvorsitzende forderte Erika Steinbach erneut zum Rückzug auf. Wenn die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) dies nicht freiwillig tue, müsse sich die Bundesregierung dagegen entscheiden, sagte Steinmeier am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Dazu ist Frau Merkel Bundeskanzlerin und muss es jetzt entscheiden."
Der frühere Bundesaußenminister sprach sich dafür aus, dass die Versöhnung mit Polen in dieser Streitfrage im Vordergrund stehen müsse. "Wenn Belastungen in diesem sensiblen deutsch-polnischen Verhältnis unterbleiben sollen, dann müssen Eitelkeiten hier zurückstehen."
Der Konflikt um die Nominierung Steinbachs in den Stiftungsrat der neuen Vertriebenen-Gedenkstätte belastet zunehmend die schwarz-gelbe Koalition. Auf der am Mittwoch beendeten Kabinettsklausur in Meseberg bei Berlin stellte sich die Unionsspitze am Mittwoch vor Steinbach und wandte sich damit gegen den Regierungspartner FDP.
Der BdV hatte ursprünglich von der Regierung verlangt, sich bei ihrer Klausur in Meseberg mit dem Thema zu befassen und den Weg für die CDU- Bundestagsabgeordnete Steinbach in den Stiftungsrat freizumachen. Das war offiziell nicht geschehen.
Das BdV-Präsidium hält an seiner Nominierung fest, meldete dies aber erneut nicht bei der Bundesregierung an. Damit bleibt der dritte Sitz der Vertriebenen im Stiftungsrat weiter unbesetzt.
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(dpa/Reuters/dgr/jab)
Bundespräsident Gauck
wollte ich hinterlassen.
http://www.erika-steinbach.de/index.php?option=com_content&task=view&id=83&Itemid=104
Das ist von der Homepage von Frau Steinbach. Da kann ruhig mal jeder reinschauen, um sich mal schlau zu machen. Das macht einiges klarer, warum Frau Steinbach so agiert.
Bei soviel Zeit, wie hier aufgewendet wird, um sich negativ zu äußern, ist eine Fakten suche wirklich angebracht.
Man muß Ihr ja nicht zustimmen. aber man kann Ihr auch mal zuhören bzw. das lesen, was sie eigentlich meint.
Es geht um die Situation der deutschen Minderheit, die - vorallem in Tschechien - jahrzehntelang sehr diskriminert wurde und heute mit niedrigen Renten auskommen muss. Es geht um den Erhalt der deutsche Kultur. Vertriebene Sudetendeutsche haben ihre alten Kirchen aufgebaut, um festzustellen, dass danach die deutschen Inschriften fehlten. Auch dazu kein Wort von der Bundesregierung!
Und last but not least, es geht um Erdung und Wurzeln auch nachfolgendern Generationen, selbst wenn vielen Überfliegern das egal ist.
Schon mal was von Graswurzelanarchismus gehört, Silvio Gsell?
Die Dame hat doch noch nicht gemerkt, wo der Hammer haengt. Die ist nicht geeignet fuer das Amt noch fuer die Politik. Sie stoert! Den Bergriff Vertriebene sollte man auch langsam mal streichen. WIr leben in der EU. Und wenn man will kann man da sogar leben, wenn man aus den polnischen oder tschechischen Regionen stammt. Meine Eltern sind beide Vertriebene. Man kann sich ja treffen und in alten Erinnerungen schwelgen, aber dazu muss man schon 80 sein. Frau Steinbach ist nur eine viertel Vertriebene und war bei Kriegsende noch nicht einmal 2 Jahre alt.
...mein Schweigegelübde, aber Heiro geht einfach nicht auf das Gesagte ein, sondern wiederholt in ewiger Drehschleife einen recht kalten, 'technizistischen' Rechtsstandpunkt ohne irgendwie eine Bemühung erkennen zu lassen, auch die Perspektive der anderen Seiten mitfühlen zu können.
Also:
Versuchen Sie nachzuempfinden, wie die Menschen in PL, CZ im Mai 45 fühlten. Was sie alles erlebt hatten. Und zwar unmittelbar zuvor in einem 5-jährigen Alptraum.
Hängen Sie nicht alles den Polen und Tschechen an. Die Sache wurde in Moskau entschieden (wo man auch entsprechend ein Schockerlebnis hatte, 20 Mill. Tote - nicht, dass ich Stalin verteidige...).
Sagen Sie mir, wann denn der beste Zeitpunkt für irgendeine Form einer 'umfassenden' Wiedergutmachung an den Vertriebenen gewesen sein sollte. In den 50/60ern als der BdV noch ganz andere Sachen sagte? Was hätte von Polen übrigbleiben sollen, hätte man da im großen Stil Unrecht wieder gut gemacht? Wäre das dann die Gesamtbilanz für Polen gewesen? Auf Kleinstaat reduziert?
Wer irgendwie von Wiedergutmachung spricht oder es implizit nahelegt, der wird mindestens dann irgendeine überzeugende Aussage machen müssen, wie man '38/'39-'45 bei Polen und Tschechen wieder gutmacht. Die Antwort möchte ich hören (wo schon die geringsten Renten für ehem. Zwangsarbeiter ein demütigendes Gewürge sind).
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Man muss schon die Wahrnehmung der anderen Seite in Betracht ziehen. Bei uns ist der BdV eine von vielen Organisationen, das Thema Vertriebene war/ist eines von ganz vielen unserer Debatten um D und seine Nachbarn. Wir schauen meist viel mehr nach F, USA, etc.
Logischerweise definiert das polnische Auge Deutschland viel zentraler über dieses Thema. Nicht nur der alten Sensibilitäten wegen sondern ganz einfach - wie sonst auch überall -, weil nun mal die Außensicht auf ein Land mit den jeweiligen bilateralen Beziehungen beginnt.
schön gesprochen, ehrlich!
Da kann ich mich getrost aus der Diskussion verabschieden - hat Spaß gemacht.
Paging