Tea-Party-Kandidat Amerikaner, Patriot, Fan der Waffen-SS

Erneut müssen sich die Republikaner für einen Tea-Party-Kandidaten rechtfertigen. Rich Iott aus Ohio trägt in seiner Freizeit gerne mal Uniformen der Nazis.

Von Barbara Vorsamer

Nach Christine O'Donnell, der Ex-Hexe, die Masturbation für Ehebruch hält, macht nun der nächste umstrittene Tea-Party-Kandidat Schlagzeilen. Rich Iott bewirbt sich im Bundesstaat Ohio um einen Sitz im Repräsentantenhaus - und muss derzeit erklären, warum er auf Bildern im Internet die Uniform der Waffen-SS trägt.

So zeigt sich Rich Iott auf seiner eigenen Website: Idylle mit Ehefrau und Sohn.

(Foto: Screenshot von voteiott.com)

Republikaner Iott gehörte laut einem Bericht des Magazins The Atlantic jahrelang einer Gruppe namens Wiking an. Für deren Mitglieder ist es Freizeitbeschäftigung, Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg nachzuspielen, genauer gesagt, die Heldentaten der 5. SS-Panzerdivision Wiking nachzustellen.

Er stimme keinesfalls mit der Ideologie der Nationalsozialisten überein, verteidigt sich Iott im Gespräch mit dem Magazin, er habe lediglich großes historisches Interesse am Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig bewundert er allerding die Leistung von Hitlers Armee. "Ich bin schon immer fasziniert davon gewesen, wie ein so kleines Land zu solch - vom militärischen Standpunkt aus betrachtet - unglaublichen Leistungen fähig war. Ich meine, sie haben den Großteil Europas und Russlands eingenommen und es hat tatsächlich die vereinten Kräfte der freien Welt gebraucht, um sie zu besiegen. Aus einer rein militärischen Sichtweise ist das schon beeindruckend."

Ähnliche Äußerungen finden sich auch auf der Website der Wiking-Gruppe. Ein kleiner Disclaimer auf der Startseite distanziert sich von jeglichen rassistischen oder nationalsozialistischen Tendenzen - darüber hinaus finden die Gräueltaten der Nazis und insbesondere der Waffen-SS jedoch kaum weiter Erwähnung. Stattdessen loben die Mitglieder deren Idealismus.

Viele Freiwillige in ganz Europa hätten damals den Nationalsozialismus für das einzige Bollwerk gegen den Kommunismus und den einzigen Schutz für ihre individuelle Freiheit gehalten und hätten sich freiwillig engagiert, schreibt die Wiking-Gruppe. "Wir bewundern diese Idealisten. Die Frontsoldaten der Waffen-SS haben ihr Leben für ihren Wunsch nach Freiheit gegeben." Als Bollwerk gegen den angeblichen Sozialismus von US-Präsident Barack Obama und als einzige Rettung vor dessen Übergriffen auf die persönlichen Freiheiten sieht sich auch Amerikas reaktionäre Bewegung Tea Party.

Reaktionen: Scham, Ekel, Grusel

Die Republikaner hingegen sind nicht glücklich, dass einer der ihren mit Fotos in SS-Uniform Schlagzeilen macht. Eric Cantor, derzeit stellvertretender Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, distanzierte sich von Iott: "So jemanden kann ich nicht unterstützen", sagte er. Bislang gehörte der Kandidat dem republikanischen Komitee "Young Guns" an, in dem die Partei hoffnungsvolle Herausforderer politisch unterstützt. Nun allerdings wurden sein Bild und sein Name von der Website entfernt.

Auch auf der Internetseite der Wiking-Gruppe taucht Iott nicht mehr auf, die Bilder von ihm in SS-Uniform gibt es nur noch beim Magazin The Atlantic zu sehen. Das habe allerdings nichts mit der Aufregung um die Fotos zu tun, so der Politiker. Er sei schon lange nicht mehr Mitglied, deswegen seien alle Verweise auf ihn entfernt worden.

Seine Gegenkandidatin, Amtsinhaberin Mary Kaptur, teilte mit, sie sei von dem Bild in SS-Uniform "angeekelt". Der Sprecher des Nationalen Komitees der Demokraten, Ryan Rudominer, sagte in der Washington Post, jeder Republikaner, der Iott unterstütze, sende eine "gruselige Botschaft" an alle Amerikaner, besonders an Kriegsveteranen und Menschen jüdischen Glaubens. Die Amerikanische Vereinigung von Holocaust-Überlebenden und ihrer Nachkommen bezeichnet insbesondere Iotts Versäumnis, sich zu entschuldigen, als "besonders beschämend".

Der Kandidat selbst sieht sich als Opfer einer Schmutzkampagne seiner Gegenkandidatin Kaptur. In einer Mitteilung auf seiner Homepage schreibt er von seiner aktiven Zeit in der US-Armee, von seinem Respekt für Kriegsveteranen und behauptet, dass das Nachspielen historischer Kriegsszenen ein Hobby von Millionen Menschen sei.

Vor allem in den Südstaaten der USA gibt es zahlreiche Gruppen und Vereine, die regelmäßg Schlachten vergangener Kriege nachspielen - in voller Verkleidung und teilweise an den Originalschauplätzen. Am beliebtesten ist das Nachstellen von Ereignissen aus dem Bürgerkrieg der amerikanischen Nord- gegen die Südstaaten. Auch Iott hat bereits die Uniform aus dem Civil War getragen, genauso wie die von US-Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Davon zeugen Bilder auf seiner Website. Das Foto, auf dem er die SS-Uniform trägt, zeigt er nicht.