Terroranschläge in Brüssel Medienbericht: Drei Attentäter identifiziert

Die drei Attentäter auf Aufnahmen von Überwachungskameras.

(Foto: REUTERS)
  • Die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui sollen die Selbstmordattentäter der Anschläge von Brüssel sein.
  • Die Fahndung der Ermittler konzentriert sich auf den Tatverdächtigen, der mit den beiden Selbstmordattentätern im Flughafen gefilmt worden war. Der Mann wurde als Najim Laachraoui identifiziert. Der 25-Jährige hatte Kontakt zum Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam.

Die belgische Polizei hat nach einem Medienbericht drei Attentäter der Brüsseler Anschläge identifiziert. Es soll sich um zwei Brüder, 27 und 30 Jahre alt, und einen 25-Jährigen handeln.

Der Rundfunksender RTBF berichtet unter Berufung auf die belgische Polizei, dass die zwei Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui heißen und aus Brüssel stammten. Sie sind der Polizei bekannt, aber bisher nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden, sondern im Bereich der organisierten Kriminalität aufgefallen, heißt es.

Die Ermittler gehen bereits seit mehreren Tagen davon aus, dass der jüngere der beiden Brüder, Khalid El Bakraoui, unter falschem Namen die Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest gemietet hatte, in dem die Polizei vergangene Woche bei einer Razzia auf bewaffneten Widerstand getroffen war und schließlich einen mutmaßlichen Terrorhelfer erschossen hatte. In dieser Wohnung hatte sich auch der später festgenommene Paris-Attentäter Salah Abdeslam aufgehalten, sein Fingerabdruck war auf einem Glas gefunden worden.

Nach dem dritten Attentäter wird gefahndet

Der Dritte, nach dem mit Aufnahmen von Sicherheitskameras des Flughafens gefahndet wird, sei der 25-jährige Najim Laachraoui, berichtet die Zeitung La Dernière Heure. Er stand bereits im Fokus der Sicherheitsbehörden und auf deren Fahndungslisten. Seine DNA-Spuren seien nach den Anschlägen von Paris in Wohnungen gefunden worden, die damals von den Attentätern genutzt worden seien, hatte die Staatsanwaltschaft schon am Montag mitgeteilt. Im September sei er mit Abdeslam nach Ungarn gereist. RTBF zufolge könnte Laachraoui, der im Februar 2013 aus Syrien einreiste und seit dem Anfang Dezember 2015 gesucht wird, einer der Drahtzieher der Anschläge von Paris sein.

Die Behörden haben die Identität der Männer bisher nicht offiziell bestätigt.

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IS-Flagge und chemische Substanzen gefunden

Die Polizei fahndet am Tag nach den Anschlägen auch nach möglichen Hintermännern. Spezialeinheiten durchsuchten bis zum frühen Mittwochmorgen Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in einer Wohnung eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Am frühen Mittwochmorgen hob die Polizei die Sicherheitszone auf, die für die Durchsuchungen eingerichtet worden war. Anwohner konnten in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Allerdings arbeiteten nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga auch noch nach der Aufhebung der Sicherheitszone Spurensicherer in einem Gebäude.

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Taxifahrer führte Ermittler wohl zu Wohnung der Attentäter

Auf die Spur in die Gemeinde Schaerbeek führte die Ermittler einem Medienbericht zufolge ein Taxifahrer. Der Mann habe dort drei Männer von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit ihrem schweren Gepäck helfen lassen wollten.

Einem Bericht der flämischen Zeitung De Morgen zufolge wollten die drei Männer ursprünglich fünf Koffer in das Taxi packen und beschwerten sich bei dem Fahrer, dass er mit einem zu kleinen Auto gekommen sei. Schließlich hätten sie statt der fünf nur drei Koffer mit zum Flughafen genommen. Die beiden anderen Koffer, gefüllt mit Sprengstoff, habe die Polizei dann abends in der Wohnung gefunden.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei hatte am Dienstagabend ein Bild einer Flughafen-Überwachungskamera veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Zwei von ihnen sprengten sich nach Angaben von Innenminister Jan Jambon als Selbstmordattentäter in die Luft. Sie trugen schwarze Kleidung und jeweils einen Handschuh, unter denen sich nach Ansicht von Experten möglicherweise die Zünder befunden haben könnten.

Die Bombe des dritten Mannes, der keine Handschuhe trug, explodierte jedoch nicht. Die Polizei bittet die Bevölkerung auch über Twitter um Hinweise.

Das Foto der Überwachungskamera zeigt einen Mann mit heller Jacke und einem dunklen Hut. Örtlichen Behörden zufolge zeigen Bilder der Videoüberwachung auch, wie einer der Verdächtigen einen Gepäckwagen in der Ankunftshalle plötzlich stehen lässt und wegläuft. Das Trio hatte sich demnach kurz nach seiner Ankunft am Flughafen getrennt und in der Abflughalle verteilt. Unklar ist bislang, ob der Anschlag in der U-Bahn-Station Maelbeek ebenfalls ein Selbstmordattentat war oder ob eine Bombe explodierte.

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Bisher keine eindeutige Verbindung zu Anschlägen in Paris

Bei den Anschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn-Station waren am Dienstag mindestens 31 Menschen getötet und etwa 260 weitere verletzt worden. Der sogenannte Islamische Staat hat sich zu den Taten bekannt. Eine eindeutige Verbindung zu den Terroranschlägen vom 13. November in der französischen Hauptstadt konnten die belgischen Ermittler bislang nicht herstellen, erklärte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw.

Erst am Freitag war in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek Salah Abdeslam festgenommen worden. Dieser soll an der Pariser Anschlagsserie mit 130 Toten maßgeblich beteiligt gewesen sein.