Die Koalition will 50 Milliarden Euro neue Schulden in einem Schattenetat verstecken. Die Empörung ist groß.
Unmittelbar vor der entscheidenden Runde in den Koalitionsverhandlungen an diesem Mittwoch haben die Finanzpläne von FDP und Union Empörung ausgelöst. Ökonomen, Länder-Finanzminister sowie Haushaltsexperten der SPD, der Grünen und der Union selbst forderten die angehende Koalition auf, die erst kürzlich im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse zu respektieren.
Bild vergrößern
Angela Merkel auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen. (© Foto: AP)
Anzeige
Zuvor war bekannt geworden, dass FDP und Union die Finanzlöcher in den Sozialversicherungssystemen mit Krediten in Milliardenhöhe stopfen wollen. Um dabei die erst im Juni in der Verfassung verankerte Schuldenbremse zu umgehen, erwägen sie, einen Schattenhaushalt einzurichten.
Dadurch erhoffen sie sich Spielraum, um die Steuern senken zu können, wie im Wahlkampf versprochen. Kanzlerin Angela Merkel nannte in der Unionsfraktion die Einrichtung eines Fonds eine Möglichkeit, die geprüft werde. Ähnlich äußerte sich auch FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms.
Der Schattenhaushalt wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bis zu 50 Milliarden Euro umfassen. Gut 45 Milliarden Euro sollen über mehrere Jahre an die Bundesagentur für Arbeit (BA) fließen, die wegen der steigenden Arbeitslosigkeit große Verluste schreiben wird.
Ziel der Koalitionäre ist es, trotz der Finanzmisere den Beitragssatz der BA nicht über drei Prozent des Bruttolohns steigen zu lassen. Ferner soll die Gesetzliche Krankenversicherung etwa vier Milliarden Euro aus dem Nebenetat erhalten. Auch hier wollen FDP und Union die Beiträge möglichst stabil halten.
Der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) bezeichnete das Vorhaben von Union und FDP als "eine neue Qualität finanzpolitischer Trickserei". Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (SPD) sprach von Bilanzfälschung: "Wenn ich in meinem Unternehmen auf diese Weise bilanzieren würde, wäre ich wegen Konkursverschleppung dran", sagte er.
"Das ist der größte haushaltspolitische Betrug in der deutschen Geschichte", kritisierte der Haushaltsexperte der Grünen, Alexander Bonde. "Union und FDP umgehen die Schuldenbremse mit äußerst schmutzigen Tricks."
Die Haushalts- und Finanzexperten der Landtagfraktionen der Union riefen dazu auf, die Schuldenbremse konsequent einzuhalten. Sie liefere in der Finanzkrise "einen richtungsweisenden Beitrag für die Glaubwürdigkeit der Haushaltspolitik", heißt es in einer Erklärung der Politiker.
Skeptisch zeigte sich auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben: "Schulden dürfen nicht versteckt werden. Wir sollten dazu stehen, dass es Schulden infolge der Krise gibt", forderte er.
Scharfe Kritik kam auch vom Steuerexperten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss: "Es darf nicht sein, dass die Verfassung einfach ignoriert wird", rügte er die Pläne der Koalitionäre. Durch eine Kürzung der Ausgaben sei es möglich, Steuern zu senken und gleichzeitig der Schuldenbremse Rechnung zu tragen.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, verglich den geplanten Schattenhaushalt der neuen Regierung mit einer schwarzen Kasse. "Damit stellt sich die Koalition einen Blankoscheck für haushaltspolitisches Fehlverhalten in den nächsten Jahren aus", sagte er. Union und FDP würden mit diesem Vorhaben ihr finanzpolitisches Ansehen von Anfang an ruinieren. "Die neue Haushaltsparty auf die große Wirtschaftskrise buchen zu wollen, ist ganz schön kühn."
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Koalitionsverhandlungen RSS
- Koalition: Streit um Steuern CDU-Länderchefs rebellieren gegen FDP-Pläne 20.10.2009
- Koalition: Schuldenbremse Schwarz-Gelb erwägt Versteckspiel mit Schulden 19.10.2009
- Streit um Finanzpolitik "Beim Geld hört die Freundschaft auf" 19.10.2009
- Koalitionsgespräche Die Rückkehr der Klientelpolitik 19.10.2009
- Koalitionsverhandlungen Die Wahlversprechen kippen 18.10.2009
- Politik kompakt Allawi gesprächsbereit - in alle Richtungen 27.03.2010
- Koalitionsvertrag "Das sind Vereinbarungen und die kommen!" 26.10.2009
(SZ vom 21.10.2009/bica)
ARD-Doku über Facebook
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Leere Kasse ist besser. Oder:
Sondervermögen?
Das Schwarzgeld von schwarz/gelb?
Das kann nicht sein-denn es gibt kein Geld und es besteht auch kein Anspruch auf Einkünfte.
Es wird also Vermögen vorgetäuscht um sich Kreditwürdig zu machen?
Ich würde und werde das Staatsbetrug nennen. Die wahre, tatsächliche, verschuldete, aus Schulden bestehende, Vermögenslage wird verschleiert. Man schafft sich durch Täuschung einen Vermögensvorteil ?
Walter Wasilewski
merkt man, wie gut sich das deutsche Volk mit seiner Form der Demokratie arrangiert hat.
Man geht wählen und lässt dann mit sich machen, was die Poltker wollen. Und wollen sie in unsere Taschen, dann halten wir sie auf.
Dabei ist doch Deutschland Mitglied der EU, neben Völkern, die uns anderes vorleben. Ich muss wohl nicht sagen, von wem die Rede ist.
In der DDR hiess es: Von der Sowjetunion lernen, heisst siegen lernen!
Ein fataler Irrtum.
Die Bundesrepublik hat wohl von den USA gelernt. Und das Ergebnis?
Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, sich an Näherliegenden zu orientieren.
Zu Spät!!!
DAS haben Sie wirklich treffend formuliert, weshalb ich es wiederhole:
"CDU und FDP sind beides Parteien, welche erwiesene Steuerhinterzieher zu Ehrenvorsitzenden ernannt haben. Wer hat hier anderes erwartet?"
aber UNvollständig, denn
Roland Koch, der Miterfinder "Jüdischer Vermächtnisse" und inzwischen langjährige MP im Bundesland Hessen, hat jedenfalls bisher die Berufung zum neuen FINANZMINISTER der Bundesrepublik Deutschland abgelehnt, was, bliebe er dabei, gewiss einen Verlust an -krimineller- Kreativität der neuen Bundesregierung darstellt!
Auf eine derart eindeutig ausgewiesene Fachkraft kann diese neue Bundesregierung doch garnicht verzichten!
Wir sollten auf keinen Fall warten bis sie im Flieger sitzen ,nicht wahr?Wieviele überführte Politiker oder Funktionäre wurden jemals wirklich verurteilt und bestraft?Wie lange wollen wir uns diese Betrüger noch leisten?
Da zeigen sie aber mal so richtig, was sie koennen!
Wenn das die "Sozis" gemacht haetten, hiesse es zumindest wieder "die koennen eben nicht mit Geld umgehen", aber so - Michel waehlt weiter Merkel.
Beachtenswert ist eigentlich nur, wie die Hemmschwelle immer niedriger wird fuer die ungeheuerlichsten Dreistigkeiten - die gleiche CDU, die eben eine Schuldenbremse beschlossen hat, beschliesst jetzt einen Schattenhaushalt, um diese zu umgehen!
Paging