Rechter Terror des NSU Paulchen Panther und der "Frühling"

Dass die Nürnberger Nachrichten zufällig Adressat des Päckchens geworden sind, ist unwahrscheinlich. Schließlich beging das Trio drei seiner zehn Morde in Nürnberg. Für mindestens einen davon müssen die Täter sich in der Stadt ausgekannt haben. Abdurrahim Özüdogru erschossen sie 2001 in einer Schneiderei in der verwinkelten Südstadt. Ein möglicher Hinweis auf einen Helfer mit Ortskenntnis. Verwunderlich wäre das nicht: Die nordbayerischen Neonazis unterhalten gute Beziehungen zur Thüringer Szene, schon aus geographischen Gründen. Bei einschlägigen Treffen in Franken wurden stets auch viele Autos mit ostdeutschen Kennzeichen gesichtet.

Den Redakteuren der Nürnberger Nachrichten ist aufgefallen, dass die Macher der DVD mehrfach Ausschnitte aus den Berichten der Regionalzeitung über die Mordserie einblenden. Das Blatt ist in Ostdeutschland kaum erhältlich. Kaufte ein Komplize die Zeitung direkt nach den Taten für seine Kameraden?

Von einer Verbindung der Zelle nach Bayern war den Behörden bisher offiziell nichts bekannt. Ende 1998 oder Anfang 1999 sollen zwar auf dem Konzert eines rechtsextremen Liedermachers im oberfränkischen Coburg Spenden für das untergetauchte Trio gesammelt worden sein - allerdings hatten Mundlos, Böhnhardt und Z. damals noch nicht begonnen zu morden.

Auf die Nürnberger DVD ist die Zeichentrickfigur Paulchen Panther aufgedruckt, sie salutiert. "Frühling" steht auf der Scheibe und "DVD 1" - unheimliche Hinweise, dass ein weiterer Film zumindest geplant war. In die Montage haben die Nazis viel Arbeit gesteckt: Der Panther "führt" den Zuschauer durch Schlagzeilen über die Verbrechen durch Videobilder der Orte und Tatwaffen: Glassplitter, Nagelbomben, Nahaufnahmen eines Mordopfers. Dazu Reime von Paulchen Panther und die Nazi-Parolen des Nationalsozialistischen Untergrunds.

Die Nachwirkungen des Falls beschäftigen auch die Nürnberger Justiz. Nun hat eine SPD-Abgeordnete einen örtlichen Funktionär der NPD-nahen "Initiative Ausländerstopp" wegen Volksverhetzung angezeigt. Er soll auf seinem Facebook-Profil ein Bild von einem der Nürnberger Tatorte gepostet und mit den Worten kommentiert haben: "Tod dem Döner - es lebe die Bratwurst". Zudem kommentierte er: "Wenn wir Glück haben, verschwinden erst die Dönerbuden und dann der Rest von der Mischpoke."