Panama Papers Agenten nutzten Panama-Firmen für CIA

Wenn man die Akten von Mossack Fonseca öffnet, findet man auch allerlei Verbindungen in die Welt der Geheimdienste. Etwa zur Iran-Contra-Affäre, einem Skandal um geheime Waffenlieferungen der CIA unter Präsident Ronald Reagan. Auch der Waffenhändler Adnan Khashoggi taucht in diesem Umfeld auf.

(Foto: Peter M. Hoffmann)

Geheimdienstler und ihre Zuträger nutzten ausweislich der Panama Papers die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca. Die Agenten ließen Briefkastenfirmen gründen, um ihre Aktionen zu verschleiern.

Von Will Fitzgibbon und Nicolas Richter

Die Lieferung wird sehnlich erwartet: Am 4. Juli 1986 landet in der iranischen Hauptstadt Teheran eine viermotorige Boeing 707. Sie ist im jugoslawischen Rijeka gestartet, voll beladen mit kostbarer Ware aus den Vereinigten Staaten. Sieben Jahre nach der islamischen Revolution leidet das Regime in Iran unter den Sanktionen, die die Vereinigten Staaten von Amerika verhängt haben. Das Flugzeug bringt nun militärische Mangelware, etwa Abwehrraketen und Ersatzteile für Kampfflugzeuge - Dinge also, die eigentlich dem Embargo unterliegen.

Es ist eine typische Geheimdienstoperation: Offiziell sind Iran und die USA Erz-, wenn nicht Todfeinde. Und doch stammen die Rüstungsgüter in der Boeing von den Amerikanern. Der Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) hat die Lieferung ermöglicht, im Gegenzug soll Iran die Freilassung amerikanischer Geiseln in Libanon veranlassen und Geld zahlen, mit dem die CIA dann den Aufstand der Contra-Rebellen in Nicaragua finanziert.

Die "Iran-Contra-Affäre" fliegt zwar später auf, und unter anderem muss sich Oliver North, ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, vor Gericht verantworten. Aber zunächst einmal ist die Operation darauf angelegt, geheim zu bleiben. Deswegen kann die Regierung Ronald Reagans das Kriegsgerät nicht mit der US-Luftwaffe schicken. Sie braucht das, was Geheimdienste so oft benötigen, wenn sie ihre windigen Geschäfte abwickeln: Vermittler, Zwischenhändler, Firmen, Flugzeuge, die sich nicht dem Staat zuordnen lassen. Notwendig ist, was man im Geheimdienstjargon plausible deniability nennt: Höchstes Gebot ist es demnach, dass man hinterher alles "glaubwürdig abstreiten" kann.

Die Maschine, die 1986 in Teheran landet, ist in den USA registriert und gehört allem Anschein nach einem Mann namens Farhad Azima, der im US-Staat Missouri lebt. Azima ist Exil-Iraner und Geschäftsmann. Ein Leben lang verdient er sein Geld damit, dass er Flugzeuge vermietet oder verleast. Er beteuert, dass er von der CIA-Lieferung nach Teheran mithilfe einer seiner Maschinen nichts gewusst habe. "Mit Iran-Contra hatte ich nichts zu tun", sagt er auf Anfrage. "Jede denkbare US-Behörde hat mich überprüft und gefolgert, dass an dem Verdacht absolut nichts dran ist. Es ist eine sinnlose Jagd."

Nun gewähren die Panama Papers neue Einblicke in das Geschäftsleben von Azima und einem halben Dutzend anderen schillernden Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten immer wieder im Dunstkreis der Geheimdienste vermutet werden. Viele sollen der CIA geholfen haben, auch wenn die Betroffenen dies dementieren. In den Akten aus der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca finden sich zwar bislang keine direkten Zahlungen der CIA, dafür aber etliche Verhaltensmuster, die aus dem Agentenmilieu bekannt sind: dubiose Firmenkonstrukte, Geschäfte mit gebrauchten Flugzeugen, Partnerschaften unter zwielichtigen Figuren.

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"Man kann halt nicht einfach rumlaufen und sagen, dass man Agent ist"

In den Akten von Mossack Fonseca, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt und zusammen mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) ausgewertet wurden, finden sich zahlreiche Namen aus der Welt der Spionage: Zwei Verdächtige der Iran-Contra-Affäre, ein mutmaßlicher Helfer der CIA für Waffenlieferungen nach Afghanistan, hohe Ex-Verantwortliche der Geheimdienste Saudi-Arabiens, Kolumbiens und Ruandas.

Darunter: der 1999 verstorbene Saudi Scheich Kamal Adham, der in den 1970er- Jahren der wichtigste Verbindungsmann der CIA für die Region gewesen sein soll. Ferner: der griechische Unternehmer Sokratis Kokkalis, den die Stasi einst als "Agent Rocco" führte. Und natürlich: der deutsche Privatagent Werner Mauss, der über Mossack Fonseca allein ein Dutzend Briefkastenfirmen führte oder führt.

Auffällig ist, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Profis für Geheimoperationen Briefkastenfirmen verwenden - teilweise auch dann noch, wenn sie längst im Ruhestand sind. Es wirkt wie eine alte Gewohnheit, die man nicht mehr ablegen kann. Die Akten offenbaren, dass die Offshore-Konstrukte von Mossack Fonseca wohl nicht nur mutmaßlichen Steuerhinterziehern und anderen Kriminellen geholfen haben, sondern auch jenem Milieu, in dem von Berufs wegen ein endloser Bedarf an Verschleierung herrscht - dem der Spione.

Das Phänomen ist leicht zu erklären. "Man kann halt nicht einfach rumlaufen und sagen, dass man ein Agent ist", sagt der amerikanische Professor Loch Johnson, der einst an parlamentarischen Untersuchungen im US-Kongress beteiligt war und als Experte für CIA-Tarnfirmen gilt. Wie jeder Mensch braucht auch ein Spion, Geiselbefreier oder Waffenschmuggler eine Logistik, das beginnt schon bei einem Konto und einer Kreditkarte, mit der er sein Hotelzimmer bezahlt. Manchmal wird auch Bargeld benötigt, ein Schiff oder ein Flugzeug. In allen Fällen soll eine Tarngesellschaft den wahren Auftraggeber oder Interessenten verbergen.