Panama Papers Was die Panama Papers über das Wesen des Menschen verraten

400 Journalisten aus 80 Ländern haben an der Aufarbeitung der Daten aus Panama gearbeitet.

(Foto: Getty Images)

Der sagenhafte Datenschatz gibt die Möglichkeit, mehr über die Welt zu erfahren. Wer aber eine Verschwörung der Medien wittert, vergeudet seine Zeit.

Von Hans Leyendecker

Manchmal gibt es Ereignisse, die die Zeit in ein Davor und in ein Danach scheiden. In der Geschichte der Steueroasen könnte der 3. April 2016 ein solches Datum sein: An diesem Tag erfuhr die Menschheit, dass eine Firma in Panama, von der die allermeisten noch nie gehört hatten, Anlaufstelle für Kriminelle, Kleptokraten, Autokraten und Steuerbetrüger war. Dank sei dem Whistleblower, der sich einer solchen Firma derart gründlich angenommen hat.

Die Firma Mossack Fonseca hat mit schwer durchschaubaren juristischen und finanztechnischen Arrangements geholfen, einen großen Teil des Reichtums dieser Welt zu verstecken: Ein Finanzvermögen in großer Billionenhöhe wird in den Steueroasen dieser Welt vermutet. Wie viel von dem schwarzen Geld von Panama aus gesteuert wird, kann niemand genau sagen. Fest steht, dass 11,5 Millionen Dokumente Journalisten zugespielt wurden - Weltrekord.

Die Aufarbeitung dieses Falles, an der sich 400 Journalisten aus etwa 80 Ländern beteiligen, ist noch längst nicht abgeschlossen, aber der sagenhafte Fund gibt schon jetzt die Möglichkeit, mehr über das Wesen des Menschen und mehr über die Welt zu erfahren. Natürlich wusste man schon vorher, dass Steueroasen Heimstätten für den parasitären Reichtum der Welt sind. Nur die Kleinen, die Dummen, das denken jedenfalls manche Reiche, sollen die Steuern zahlen. Das ist elitär und asozial zugleich.

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Alles schon geahnt

Das große schmutzige Geld braucht mehr Gegner als bisher. Vor ein paar Jahren brachte die Occupy-Bewegung in den USA einiges in Gang. "Wir sind die 99 Prozent", hieß ihr Slogan. Occupy mahnte, dass 99 Prozent der Leute keinen Anteil und auch keine Mitsprache am Reichtum der USA bekämen.

Es war auch ein Appell gegen die globale Geldbunkerei. Formal sind Briefkastenfirmen legal. Aber diverse Untersuchungen zeigen, dass solche Firmen in der großen Mehrheit für dreckige Zwecke eingesetzt werden. Es würde Sinn ergeben, solche Konstruktionen generell zu verbieten.

Wie gehen Leser, Zuschauer und Hörer mit all dem Stoff um? Sie spüren wohl, dass es nicht in Ordnung ist, wenn für die Reichen besondere Regeln gelten sollen. Gleichzeitig schlummert in vielen Menschen ein abgebrühter Wirklichkeitssinn, der stolz darauf ist, das meiste schnell durchschaut zu haben. Im Skandal findet der Betrachter, was er immer schon gewusst zu haben glaubte. Alles schon geahnt, man ist gar nicht überrascht.

Warum wohl gibt es keine Enthüllungen über Amerikaner? Aber so viele über Russen?

Es hat in der ersten Woche der Panama Papers Rücktritte gegeben, und wem das nicht genug ist, dem kann nicht geholfen werden. Journalismus soll nicht Ämter leer fegen, sondern aufklären. Die seltsam wabernde "Lügenpresse"-Debatte findet auch diesmal statt, und sie wird sogar von Politikern genährt.

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In verdächtigendem Unterton wird gefragt, wo eigentlich die Geschichten über mächtige Amerikaner bleiben, die doch auch in den Skandal verstrickt sein müssen? Wo bleiben die Geschichten über deutsche Politiker, wo die über den Westen an sich? Das raunen Verschwörungsjunkies, und sie geben in der Regel selbst die Antwort. Sie haben ja alles durchschaut. Da handelt es sich angeblich um Propaganda gegen Putin, gegen Russland. Und natürlich sollen auch westliche Geheimdienste mitgestrickt haben.

Dabei ist es ganz einfach: Putins Freunde finden sich deshalb in den Akten, weil sie zu Mossack Fonseca gegangen sind. Die Mächtigen in Amerika findet man nicht in den Akten, weil sie entweder woanders ihre geheimen Konten untergebracht haben, oder weil sie so etwas nicht oder ganz anders machen.