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Panama Papers:Panama Papers stürzen Cameron in schwere politische Krise

Britain's Prime Minister David Cameron leaves 10 Downing Street  as he names his new cabinet, in central London, Britain

Er händelt die Krise schlecht: David Cameron vor seinem Haus in der Downing Street

(Foto: REUTERS)

In diesem Fall geht es weder um illegale Aktivitäten noch um gewaltige Summen. An seiner Misere ist Großbritanniens Premier selbst schuld.

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können in der Politik Welten liegen - das wissen die Briten, deren Nation von Geschichte geradezu umstellt ist. Seit Donnerstagabend wissen die Briten nun aber auch, dass der historische Unterschied manchmal nur eine Frage der Grammatik ist. Und das Land fragt sich: Welches Vertrauen hat ein Premierminister verdient, der gerade eine Karriere startet als Wortdrechsler, Interpretations-Artist und Entfesselungskünstler?

Die Enthüllungen aus den Panama Papers haben den britischen Premier David Cameron in eine schwere politische Krise gestürzt. Cameron sind zwar weder illegale finanzielle Aktivitäten nachzuweisen noch wurden in seinem Fall gewaltige Summen bewegt. Den Premier bringt allerdings in Bedrängnis, dass er zögerlich, widersprüchlich und offensichtlich in Verschleierungsabsicht seine Rolle im Zusammenhang mit einer Offshore-Konstruktion seines Vaters dargestellt hat. Sein Verhalten steht auch im Widerspruch zu seiner mit großer Geste vorgetragenen Position zum Transparenzgebot in der Finanzwirtschaft.

Camerons Eiertanz dauerte drei Tage und gipfelte am Donnerstagabend in einem mit dem Privatsender ITV News orchestrierten Interview, in dem der Premier einräumte, dass er vom Offshore-Fonds seines Vaters profitiert hat. Bis zu seiner Wahl als Premier habe er Aktien des Fonds gehalten, die er allerdings 2010 zum Preis von gut 31 000 Pfund verkauft habe. Den Gewinn habe er ordnungsgemäß in Großbritannien versteuert. Übersetzung: Die ganze Wahrheit hat er bisher nicht gesagt.

Der Premier hat sich ohne Not ein gewaltiges Ei gelegt

Vorausgegangen waren nämlich vier Äußerungen von Cameron oder seiner Sprecher, die einen anderen Eindruck vermittelten: Cameron hat mit der Fonds-Konstruktion seines Vaters nichts zu tun. Drei Tage, vier Statements, und ein Regierungschef mit geröteten Wangen - der Premier hat sich da ohne Not ein gewaltiges Ei gelegt. Seine behutsame Annäherung an die Wahrheit verstößt gegen das oberste politische Krisengebot, das in Deutschland als Lex Guttenberg bekannt ist: Wenn man in Schwierigkeiten gerät, dann hilft nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Die Chronologie der Verdruckstheit wird nun in Großbritannien genussvoll aufgelistet: Am Montag ließ Cameron seine Sprecherin Fragen nach dem Fonds mit einem simplen Satz abtun: "Das ist eine private Angelegenheit." Am Dienstag äußerte sich Cameron dann persönlich mit einem Satz, der an Eindeutigkeit scheinbar nicht zu überbieten war: "Ich habe keine Anteile, keine Briefkasten-Firmen, keine Offshore-Stiftungen, keine Offshore-Geldanlagen, nichts dergleichen. Und das ist, glaube ich, eine sehr klare Beschreibung."

Am selben Tag legte das Premierministeramt noch einmal nach und veröffentlichte eine schriftliche Stellungnahme zur Präzisierung: "Um eindeutig zu sein: Weder der Premierminister noch seine Frau und ihre Kinder profitieren von irgendwelchen Offshore-Anlagen. Der Premierminister besitzt keine Aktien."