G 20 Riskantes Rendezvous mit Trump

Demnächst selbst Gastgeberin: Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier zwischen Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan, beim G-20-Gipfel Anfang September in Hangzhou, China.

(Foto: REUTERS)
  • An diesem Donnerstag übernimmt Deutschland die G-20-Präsidentschaft von China.
  • Wenn sich die 20 Staaten kommenden Juli in Hamburg versammeln, könnte das die erste Begegnung der Mächtigen mit dem zukünftigen US-Präsidenten Trump sein.
  • Die globale Agenda der vergangenen Jahre ist auf den Kopf gestellt: Der Welthandel verliert seine Unterstützer, Regierungen wollen Umweltauflagen rückgängig machen.
Von Cerstin Gammelin und Stefan Kornelius, Berlin

Der Plan war recht simpel: 7. Juli 2017, Angela Merkel wollte den zwanzig mächtigsten Staatenlenkern der Erde die einzigartige Haut des Konzertsaals der Elbphilharmonie zeigen, der auf 362 Stahlfederpaketen schwebt und dessen perfekte Akustik kaum zu überbieten ist. Die Herrschaften würden den Blick schweifen lassen über den Hafen, der das Symbol schlechthin ist für freien Welthandel, Wohlstand und Prosperität. Später sollten die Staats- und Regierungschefs in der Messehalle tagen und Beschlüsse fassen für das Weltklima und zur Eindämmung der Migration. Es ginge um Armut und Pandemien, um Steueroasen und die Vorsorge vor Finanzcrashs und digitalen Kollisionen. Die Welt sollte nach Hamburg sicherer sein.

Sollte, wollte, dürfte - so jedenfalls hätte der glänzende Auftritt zweieinhalb Monate vor der Bundestagswahl aussehen können. Im April 2015 war es Merkel gelungen, die Präsidentschaft der G-20-Gemeinde passend zum Bundestagswahljahr nach Deutschland zu ziehen. Die G 20 wählten Europa als Gipfel-Kontinent aus, außer Deutschland gab es keine anderen Bewerber. Aber nach der Gipfel-Entscheidung türmten sich die Probleme auf: Euro-Krise, Ukraine-Krieg, Flüchtlinge, Brexit, Türkei-Putsch. Und dann natürlich die Wahlen, vor allem die in den USA. Heute steht fest: Der Blick von der Elbphilharmonie in den Hafen wird zwar nicht verstellt sein, aber die Begleitmusik zu dem Ereignis konnte man sich auch im Kanzleramt schon mal harmonischer vorstellen.

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An diesem Donnerstag übernimmt Deutschland die G-20-Präsidentschaft von China in einer Phase schneller Veränderung. Ein Großgipfel mit den wichtigsten globalen Akteuren gerät da zum Großrisiko. Und zum Spektakel. Denn wenn sich die 20 Staaten plus einige internationale Organisationen und andere Gäste in Hamburg versammeln, könnte das die erste Begegnung der Mächtigen mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein und damit die Antwort liefern auf die brennende Frage: Wie genau wird die Weltordnung aussehen nach dieser Zäsur-Wahl?

In Hamburg könnte es das erste Treffen zwischen Putin und Trump geben

Zwar sieht das Gipfel-Kalenderjahr noch ein G-7-Treffen im Mai auf Sizilien vor. Aber sowohl der chinesische Präsident Xi Jinping als auch sein russischer Kollege Wladimir Putin werden nach dem jetzigem Stand in Hamburg zum ersten Mal auf Trump treffen - es sei denn, der neue Herr im Weißen Haus entschließt sich zu einem Überraschungs-Rendezvous gleich zu Beginn seiner Amtszeit.

Jenseits der personellen Konstellation zeichnet sich also eine außergewöhnliche Themenballung ab. Die globale Agenda der vergangenen Jahre ist praktisch auf den Kopf gestellt: der Welthandel verliert seine Unterstützer, Regierungen wollen Umweltauflagen rückgängig machen, wollen Mauern gegen Flüchtlinge bauen, Banken wieder weniger regulieren und die Steuern für Unternehmen so weit senken, dass neue Steuerparadiese entstehen. All dies sind klassische G-20-Themen.

Was die deutsche Präsidentschaft vollends zur Versuchsanordnung macht, ist der Verlust sicherer Verbündeter. Großbritannien, einst Mit-Erfinderin der G 20, will die Europäische Union verlassen. London ist mit sich selbst beschäftigt und fällt als kraftvoller Partner aus. Schlechthin unberechenbar geworden sind die USA nach der Wahl von Donald Trump.