Bürgerkrieg in Syrien Syrien muss als Staat erhalten bleiben

Die syrische Flagge weht im Februar 2016 über Damaskus

(Foto: AP)

Das Staatensystem des Nahen Ostens droht zu zerfallen - das müssen die Akteure im Friedensprozess verhindern. Eine Aufspaltung Syriens würde keine Stabilität bringen. Im Gegenteil.

Kommentar von Stefan Kornelius

Legt man die Messlatte der Geschichte an, dann haben die Herren Mark Sykes und François Georges-Picot eine durchaus stabile Ordnung geschaffen, als sie 1916 die Restposten des Osmanischen Reichs in Mandatsgebiete für ihre Regierungen in Paris und London aufteilten und damit jene Staaten schufen, die auch heute noch den Nahen Osten ausmachen.

Fast hundert Jahre gibt es dieses Gebilde schon, es ist damit älter als die meisten anderen Ordnungssysteme der Welt. Es überlebte den Übergang in die Nationalstaatlichkeit, den Panarabismus, Autokraten und Gewaltherrscher, Kriege und viel Einflussnahme von außen.

Die maßgebliche Gestaltungsmacht in all diesen Jahrzehnten waren die USA, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch ihre schiere Präsenz den Zusammenbruch der Ordnung verhinderten. Es waren die amerikanischen Interessen, die sich oft mit den arabischen Interessen deckten, was die nötige Stabilität erzeugte: die Versorgung mit erschwinglichem Öl, die Eindämmung iranischer Machtambitionen, der Schutz Israels bei gleichzeitiger Kontrolle der damit verbundenen Kriegsrisiken.

Obama schrieb den vorläufig letzten Akt in diesem Entfesselungs-Drama

Der 11. September 2001 hat diese Konstruktion erschüttert, der Irak-Krieg von George W. Bush hat sie ins Wanken gebracht. Danach haben Korruption, Gewalt, ethnische Rivalität und Konfessionalismus Kräfte geweckt, die letztendlich die Ordnung von Sykes-Picot zum Einsturz bringen können.

Die USA - die außer der von Saddam Hussein provozierten Kuwait-Intervention nie einen wirklich großen Krieg in der Region geführt hatten - lieferten mit der Irak-Invasion 2003 und dem missglückten Staatsaufbau den ersten Hinweis auf die Endlichkeit der Nahost-Konstruktion. Später waren es die Potentaten Maliki (Irak), Mubarak (Ägypten), Gaddafi (Libyen) und Assad (Syrien), die den Volkswunsch nach Befreiung und Beteiligung unterdrückten und damit ihren Anteilsschein am Niedergang zeichneten.

US-Präsident Barack Obama schrieb den vorläufig letzten Akt in diesem Entfesselungs-Drama, als er vor wenigen Tagen sagte, sein Land sei nicht dafür zuständig, die Unfähigkeit der lokalen Regierungen zu beheben. Resignation und Isolationismus treffen da zusammen.