Eklat im Reichtagsgebäude: Während der Debatte zum Afghanistan-Einsatz verweist Bundestagspräsident Lammert die Abgeordneten der Links-Fraktion wegen einer Protestaktion des Saales.
In der Bundestagsdebatte über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ist es zu einem Eklat gekommen: Bundestagspräsident Norbert Lammert schloss Abgeordnete der Linksfraktion am Freitag von der Sitzung aus, weil sie mit Protestplakaten gegen den Einsatz demonstriert hatten. Daraufhin verließ die Fraktion geschlossen den Plenarsaal.
Abgeordnete der Links-Fraktion halten während der Debatte im Bundestag Plakate hoch. Auf ihnen stehen die Namen der Opfer des Bombenangriffes im September 2009, den die Bundeswehr angeordnet hatte. (© Foto: dpa)
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Nach der Rede ihrer Parteikollegin Christine Buchholz erhoben sich alle Abgeordneten der Linksfraktion von den Plätzen und hielten Plakate gegen den Luftangriff von Kundus hoch. Lammert verlangte von den Abgeordneten zunächst, die Plakate unverzüglich herunterzunehmen. Als sie dieser Aufforderung nicht folgten, forderte er sie unter dem Applaus der Abgeordneten anderer Fraktionen mehrfach zum Verlassen des Plenarsaals auf. Die Linken-Parlamentarier folgten schließlich der Aufforderung und zogen sich zu Beratungen zurück. Die Debatte wurde ohne sie fortgesetzt.
"Herr Präsident, so weiter zu verhandeln halte ich für unwürdig"
Der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele intervenierte kurz nach der Entscheidung von Lammert. Es seien von Abgeordneten der Linken lediglich Schilder hochgehalten worden mit den Namen der "auf deutschen Befehl" getöteten Afghanen. "Sie haben nicht randaliert, sie waren nicht laut." Es sei ein "völlig falsches Zeichen", wenn sich in Afghanistan die Nachricht verbreite, es seien diejenigen aus dem "Saal geworfen worden", die der Opfer gedenken wollten. Er bitte den Bundestagspräsidenten, seine Entscheidung zu überprüfen. "Herr Präsident, so weiterzuverhandeln halte ich für unwürdig."
Lammert erwidert umgehend. Er hätte die Wortmeldung Ströbeles nicht zulassen müssen, sagte er. Auch er empfinde die Situation als "nicht routinemäßig". Dennoch: "Demonstrationen im Plenarsaal sind mit der Ordnung des Hauses nicht vereinbar." Es habe schon mehrfach Vorfälle ähnlicher Art mit Teilen der Linken gegeben. Er habe sich immer wieder versichern lassen, dass die Fraktionsspitze weder von den Aktionen gewusst noch sie gebilligt habe.
Er habe bei einem der letzten Vorgänge ausdrücklich gewarnt, dass er "im Wiederholungsfall die Fraktion ausschließen werde." Lammert schloss: "Das Vorgehen ist alternativlos unter Berücksichtigung unserer Geschäftsordnung."
"Stiller Akt des Gedenkens"
Die Geschäftsordnung des Bundestags sieht eigentlich vor, dass ausgeschlossene Parlamentarier am kompletten Sitzungstag nicht mehr teilnehmen dürfen. Das hätte bedeutet, dass die Links-Fraktion sich nicht an der Abstimmung zum Afghanistan-Einsatz hätte beteiligen dürfen. Doch am Ende der Debatte ließ Lammert den Bundestag darüber abstimmen, die Links-Fraktion wieder zuzulassen. Mit großer Mehrheit stimmten die anderen Fraktionen dafür.
Der Sprecher der Links-Fraktion, Hendrik Thalheim, sagte sueddeutsche.de, die Aktion sei ein "bewusster und stiller Akt des Gedenkens" gewesen. Es habe dazu keinen Fraktionsbeschluss gegeben, sondern sie sei von Abgeordneten mit Unterstützung aller anderen Abgeordneten der Fraktion vorbereitet und umgesetzt worden. Die Linke habe mit der Aktion deutlich machen wollen, dass der "Krieg ganz konkrete Opfer hat".
Es habe überdies bislang keinen "Akt der Trauer und des Gedenkens" von Seitens des Bundestages oder der Regierung gegeben. Wenn der Bundestagspräsident nun meine, dafür die Fraktion der Linken von der Afghanistan-Debatte ausschließen zu müssen, "dann muss er das tun". Die Fraktionen sei jedoch über das Vorgehen Lammerts "ausgesprochen bestürzt". "Wir bleiben dabei, dass man der Opfer gedenken muss", sagte Thalheim. In der nächsten Sitzung des Ältestenrates werde es "sicher eine entsprechende Auseinandersetzung geben".
Florian Hahn sagte für die CDU/CSU-Fraktion, der Vorfall sei "ein unerträglicher parteipolitischer Missbrauch der Opfer vom 4. September". Die FDP-Bundestagsfraktion begrüßte den Ausschluss der Linken. "Das Parlament ist der Ort der Diskussion und nicht der Demonstration", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen.
"Deutschland ist an einem Krieg beteiligt"
Auf den Spruchbändern der Linken waren die Namen der Toten des Luftangriffs von Kundus zu lesen, der von der Bundeswehr angeordnet worden war. Bei dem Bombardement zweier Tanklaster waren im September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden.
"Deutschland ist an einem Krieg gegen die einfache Bevölkerung in Afghanistan beteiligt", hatte die Linkspolitikerin Buchholz in ihrer Rede vor dem Bundestag unmittelbar zuvor kritisiert.
Nach einer kurzen Pause stimmte der Bundestag der Verlängerung des Mandats um ein weiteres Jahr zu. Die klare Mehrheit wurde durch die Stimmen der schwarz-gelben Koalition sowie aus der SPD geschaffen. 429 Parlamentarier votierten für den Antrag der Bundesregierung, 111 lehnten ihn ab. Es gab 46 Enthaltungen.
Im Rahmen des veränderten Mandats will die Bundesregierung das deutsche Truppenkontingent von bislang 4.500 Bundeswehr-Angehörigen um insgesamt bis zu 850 Soldaten aufstocken. Künftig sollen sich deutlich mehr Soldaten für die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte einsetzen; auch die Zahl der deutschen Polizeiausbilder soll auf insgesamt 260 steigen. Ab 2011 sollen die Bundeswehr-Einheiten am Hindukusch reduziert werden. Bei der Frage des endgültigen Abzugs legt sich die Bundesregierung aber nicht fest.
Im Video: Der Bundestag hat am Freitag mit großer Mehrheit die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan beschlossen.
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(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/APN/gba)
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Hallo,
soweit ich mich erinnern kann,
wurde die Bundeswehr zur Verteidigung der BRD geschaffen.
Was haben die Deutschen in Afghanistan verloren?
Sofort zurück an die Heimatfront und das Land verteidigen!
Falls es keine Gefahr gibt - dann rann ans Fliessband.
Steigen wir mit unseren Soldaten das Bruttosozialprodukt!
1. Über dem Souverän und seinen Abgeordneten steht niemand, und das ist gut so. Mn nennt das demokratie.
2. Diese MdB geben sich eine geschäftsordnung. Auch die Linke hat daran mitgewirkt und ist ihr verpflichtet. Es ist ihre GO. So wie die der anderen.
3. Wer dagegne verstösst, aus welchgen Gründen auch immer, hat die vorgesehenen Sanktionen verdient. Und deshalb ht Lammert völlig korrekt gehandelt.
5. und die Linke handelte ebenso korrekt: der Eklat war notwendig, so wie Krankenwagen im Einsatz auch über rote Ampelkrezungen fahren dürfen und sollen.
6. Die GO des BT ist nicht heilig, sondern eben die Geschäftsgrundlage. Sie wurde aber abgestimmt und immer fester gezimmert in Zeiten, ls sich niemand vorstellen konnte, dass mit unseren Steuergeldern gemordet wird.
An dem Menschen als Zentrum von Politik zu erinnern ist notwendig. Und der "fraktionszwang"m BT-Reden vor leeren Rängen, "zu Protokol gegebene" Reden usw. bedürfen einer Überarbeitung der GO. Es gerät viel mehr aus den Fugen als nur der "Stil" einiger MdB.
sind sich hier im Forum nicht in der Lage den Mord an 142 Zivilisten zu bedauern , im Gegenteil, sie verhöhnen die Linken ,die der Opfer gedenken..Der zackige Oberst, ein überforderter , gnadenloser Irrer , lehnte Drohgebärden der Jetpiloten ab, die Benzinklauer zu vertreiben.Der wollte gleich Blut sehen. Dass die einfachen Soldaten dieses Verbrechen mit Racheakten von Selbstmördern in Zukunft mit ihrem Leben zu bezahlen haben ,stört diesen Irren wohl auch nicht.Und die Linksphobiker wohl auch nicht.
Bei der heutigen Abstimmung ging es darum, diesen unrechtmäßigen Krieg im Interesse der USA weiter zu verlängern, was zweifellos weitere unschuldige Opfer zur Folge haben wird.
Das ist nicht im Interesse unseres Volkes und der Wähler dieses Bundestages. Da ist es legitim still an die bisherigen Opfer zu erinnern.
Das hat nichts mit Dresden oder sonst etwas zu tun.
Erfreulicherweise haben sich auch einige der Grünen daran erinnert, für was sie einst demonstriert haben.
Paging