Studie So will die Stadt die Sicherheit im Verkehr verbessern

Es liegt nicht allein am Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern, dass es so häufig zu Unfällen kommt. Auch das Wetter kann zum Beispiel eine Rolle spielen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Auf der Grundlage eines Gutachtens über Unfallschwerpunkte und -ursachen soll ein Verkehrssicherheitskonzept für München erstellt werden.
  • Das KVR will innerhalb eines Jahres auf Basis der Studie Maßnahmen entwickeln, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren.
Von Andreas Schubert

Das Jahr 2017 war kein gutes Jahr für den Verkehrsteilnehmer. 27 Menschen kamen in der Stadt München und im Landkreis bei Verkehrsunfällen ums Leben - neun mehr als im Jahr davor. Im Bereich des Polizeipräsidiums München wurden 53 229 Unfälle registriert. Der Stadt München liegt nun ein Gutachten über Unfallschwerpunkte und Unfallursachen vor, das an diesem Dienstag im Kreisverwaltungsausschuss behandelt wird und auf dessen Grundlage ein Verkehrssicherheitskonzept erarbeitet werden soll. Federführend bei der Studie war die PTV Transport Consult GmbH in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Konkret wurde der Zeitraum von 2010 bis 2014 erfasst. In dieser Zeit ereigneten sich im Stadtgebiet durchschnittlich 18 150 Unfälle pro Jahr, die einen Personenschaden oder einen Sachschaden mit Bußgeld nach sich zogen, dazu kommen durchschnittlich 26 200 "Kleinunfälle", also solche, die nur leichte Sachschäden und kein Bußgeld zur Folge hatten. Laut der Studie kommen sogenannte Überschreiten-Unfälle, bei denen Personen beim Überqueren einer Straße zu Schaden kamen oder ein Sachschaden mit Bußgeld entstand, relativ selten vor.

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Die Folgen sind, was nahe liegt, aber umso schwerer. Ebenso folgenschwer fallen immer wieder durch Raser verursachte Unfälle aus sowie Abbiege-Unfälle. Wie die Polizei bei der jüngsten Unfallbilanz erklärte, sind etwa ein Drittel aller tödlichen Unfälle auf Raserei zurückzuführen. 2017 war in München bei fünf Todesfällen im Straßenverkehr Alkohol die Hauptursache.

Die Art und Schwere eines Unfalls hängt indes laut der PTV-Studie davon ab, wer sich wo mit welchem Verkehrmittel oder zu Fuß bewegt. Unfälle mit Fußgängern passieren meistens auf freier Strecke, etwa indem Passanten einfach so über eine Straße oder einen Radweg gehen, ohne auf den Verkehr zu achten. Radfahrer werden verstärkt an Kreuzungen und an Grundstückszufahrten in Kollisionen verwickelt.

Etwa die Hälfte der Unfälle mit Radfahrern passiert an mit Ampeln geregelten Knotenpunkten wegen unachtsam abbiegender Autofahrer. Auch unter Autofahrern kracht es besonders häufig an Knotenpunkten mit Ampeln, vor allem beim Linksabbiegen. Oft kommt es an Kreuzungen auch zu Auffahrunfällen.

Fußgänger erwischt es oft an Bushaltestellen

Doch nicht nur allein am Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern liegt es, dass es so häufig zu Unfällen kommt. Das Wetter spielt in der Statistik zum Beispiel auch eine gewichtige Rolle, ebenso bauliche Gegebenheiten wie enge Straßen mit parkenden Autos, Kreuzungen mit Tramgleisen, enge Radwege - Faktoren, die laut Studie als "unfallbegünstigende Umstände" gelten, besonders für Radler. Fußgänger erwischt es oft an Bushaltestellen, an denen sie einen Radweg überqueren müssen oder weil parkende Autos die Sicht auf den fließenden Verkehr behindern.

Besondere Unfallschwerpunkte in der Stadt sind laut der PTV-Studie zum Beispiel der Stachus, die Kreuzungen Lerchenauer- Moosacher Straße, Schleißheimer Straße/Frankfurter Ring, Dachauer Straße/Schwere-Reiter-Straße oder Landsberger Straße/Friedenheimer Brücke. Das KVR will nun binnen eines Jahres auf Basis der Studie Maßnahmen entwickeln, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

Das können eine Menge Einzelmaßnahmen sein, seien es Umbauten an Kreuzungen, geänderte Ampelschaltungen, neue Tempolimits oder aber eine Kampagne, die zu gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr aufruft. Gleichzeitig sollen sich in allen Fragen der Verkehrssicherheit die involvierten städtischen Behörden stärker mit der Polizei und der Münchner Verkehrsgesellschaft austauschen.

Untätig war die Stadt in der Vergangenheit bisher nicht. So arbeitet das KVR unter anderem an einer höheren Schulwegsicherheit, etwa in dem neue Zebrastreifen, Verkehrshelferübergänge, Verkehrsinseln, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Halteverbotsregelungen sowie An- und Abfahrtszonen geschaffen werden. Zudem will die Behörde vor Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und weiteren sozialen Einrichtungen ein Tempo-30-Limit umsetzen, außerdem sollen vom kommenden Herbst an sogenannte Dialog-Displays im Stadtgebiet für eine Testphase von zwei Jahren die Autofahrer vom Rasen abhalten.

Strategisches Ziel des Verkehrssicherheitskonzept soll die "Vision Zero" sein. Das bedeutet, dass kein Mensch mehr im Straßenverkehr getötet werden soll.

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