"Neues Hauner" in München Sultan von Oman finanziert Kinderklinik

Quabus bin Said al-Said, 74, Sultan von Oman, spendet für eine neue Kinderklinik in München (Foto vom Januar 2013).

(Foto: AFP)

Seit 1970 herrscht er über seine Untertanen im Oman, sein Vermögen wird auf 1,1 Milliarden Dollar geschätzt. Qabus bin Said al-Said, Sultan von Oman, spendet 17 Millionen Euro für eine neue Kinderklinik in München - für die der Freistaat Bayern nicht alleine aufkommen wollte.

Von Stephan Handel

Das Neue Hauner am Campus Großhadern kann gebaut werden: Qabus bin Said al-Said, Sultan von Oman, hat dem LMU-Klinikum für die Errichtung der Kinderklinik 17 Millionen Euro gespendet. Damit ist der vom Freistaat Bayern geforderte Eigenanteil des Klinikums in Höhe von 20 Millionen Euro erreicht - 125 Millionen des 145 Millionen teuren Projekts hat der Ministerrat abgesegnet. Die Spende des Sultans ist bereits überwiesen und steht dem Klinikum zur Verfügung.

Qabus bin Said al-Said, 74 Jahre alt, herrscht seit 1970 über gut drei Millionen Untertanen im Oman im Osten der arabischen Halbinsel. Das Privatvermögen des Sultans wird von Forbes auf 1,1 Milliarden Dollar geschätzt. Er führt in seinem Staat ein autoritäres, dennoch liberales Regiment. Der Oman gilt in vielerlei Hinsicht als vorbildlich was medizinische Infrastruktur und das Bildungssystem betrifft.

Das LMU-Klinikum teilte mit, dass der Kontakt zu dem Monarchen im Rahmen einer Zusammenarbeit entstand, bei der Münchner Ärzte ihre arabischen Kollegen beraten, was medizinische Ausbildung und Ausbau des Gesundheitswesens betrifft. Dabei habe das Konzept für das Neue Hauner - ein "herausragendes, innovatives universitäres Zentrum für Geburts-, Kinder und Jugendmedizin" - den Sultan überzeugt.

Eines der ambitioniertesten Projekte

Seit Juni, so hat der Monarch in einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehansprache verlautet, halte er sich in Deutschland zu "medizinischen Tests" auf. Er besitzt ein Anwesen in Garmisch-Partenkirchen. Dass die medizinischen Tests in Großhadern stattfinden oder stattgefunden haben, wollte das Klinikum weder dementieren noch bestätigen.

Das Neue Hauner ist eines der ambitioniertesten Projekte beim Umbau des LMU-Klinikums, im Zuge dessen zahlreiche Kliniken den Standort Innenstadt verlassen und in Großhadern konzentriert werden sollen - auch das altehrwürdige Dr. von Haunersches Kinderspital am Goetheplatz. Das Gebäude dort ist mehr als 130 Jahre alt und entspricht kaum mehr den Anforderungen moderner Kindermedizin.

Deshalb steht seit längerer Zeit ein Neubau des Hauses in Großhadern auf der Tagesordnung - dort würde dann auch die Geburtshilfe aus der Maistraße mit einziehen. Christoph Klein, Ärztlicher Direktor des Kinderspitals, hat immer betont, dass sich der Neubau nicht alleine an den medizinischen Mindestanforderungen orientieren dürfe, sondern dass für erfolgreiche Kindermedizin mehr erforderlich sei - so etwa Einrichtungen, die es Eltern ermöglichen, bei ihren kranken Kindern zu bleiben, notfalls auch über längere Zeit.

20 Millionen schienen schwer erreichbar

Kleins Wünsche stießen im Wissenschaftsministerium zwar auf offene Ohren, aber nicht auf offene Kassen. 20 Millionen Euro, so der letzte Stand, müsse das Klinikum der LMU als Eigenleistung aufbringen. Dies sollte unter anderem gelingen durch die Gründung einer Stiftung. Diese hat bislang rund drei Millionen Euro eingesammelt - auch mit Hilfe von "Botschaftern" wie dem Babynahrungs-Unternehmer Claus Hipp oder Prinz Ludwig von Bayern. Zuletzt hatte die Stiftung mit einer "Hauner-Woche" um Aufmerksamkeit und Geld geworben.

Dennoch schien das vorgegebene Ziel - 20 Millionen Euro - schwer erreichbar zu sein, bei drei Millionen stand das Konto zuletzt. Zudem schien das Ministerium nicht sonderlich entschlossen zu sein, das Vorhaben voranzutreiben, solange die geforderte Summe nicht zur Verfügung stand. Deshalb hat das LMU-Klinikum seine Planungen in Abschnitte unterteilt, sodass einzelne Module auch hätten weggelassen und später dazugebaut werden können. Das scheint nun durch die Spende des Sultans nicht mehr notwendig zu sein.

Der Minister lässt ausrichten, er begrüße die Spende

Verständlich, dass die Klinikleitung nun jubelt: Karl-Walter Jauch, der Ärztliche Direktor, teilt mit, man bedanke sich "im Namen aller großen und kleinen Patienten für diese großherzige Spende". Und Christoph Klein betont noch einmal die Notwendigkeit zusätzlicher Ausstattung: "Neben der reinen Funktionalität muss eine Klinik für Säuglinge, Kinder und Jugendliche auch die Lebenswelt der Patienten berücksichtigen." Und Minister Ludwig Spaenle lässt ausrichten, er "begrüße die intensive Einwerbung von Drittmitteln und Spenden für den Neubau. Ich freue mich auch über jede Spenderin und jeden Spender, die durch ihre Zuwendung zeigen, dass ihnen die Arbeit dort sehr am Herzen liegt."

Derzeit wird der Architektenwettbewerb für das neue Haus in Großhadern vorbereitet. Er soll im Sommer 2015 abgeschlossen werden, mit einer Jury-Sitzung, die den Gewinner bestimmt. Die Bauarbeiten sollen bis zum Jahr 2022 abgeschlossen sein.